Gudrun Frey Stiftung

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Abschlussbericht

Gap Year nach dem Abitur (Pattaya in Thailand)

Seit einer Woche bin ich nun wieder Zuhause, ein seltsames Gefühl. Ich werde diesen letzten Bericht nutzen, um noch einmal auf das vergangene Jahr zurückzublicken, ein Fazit zu ziehen und dabei auf so viele der Fragen einzugehen wie möglich. Wo fange ich an? Am besten ganz am Anfang.

Die ersten Wochen

Begonnen hat das Auslandsjahr für mich am 09.08.2017 mit unserer Ankunft am Flughafen in Bangkok. Ich weiß noch wie aufgeregt ich in diesem Moment gewesen bin! Wir wurden von den ehemaligen Gappies eingesammelt und gemeinsam haben wir uns in Minibussen auf den Weg nach Pattaya gemacht. Die Schule erreichten wir anderthalb Stunden später, wurden dort von unserem Vorgesetzten begrüßt und durften unsere Zimmer beziehen, in denen wir das gesamte nächste Jahr über wohnen würden. Für denselben Abend waren wir zu einem Willkommensessen eigeladen.

Auf die erste Aufregung und den recht schnell überwundenen Jetlag folgte die INSET-Woche, in der wir die Menschen und den Ort um uns herum näher kennenlernen durften, was ich als sehr hilfreich empfand. In der ersten Schulwoche wurde der anfangs so leere Campus endlich von Hunderten von Schülern bevölkert und damit begann auch für uns der Arbeitsalltag. Ich lernte meine Kollegen im Secondary Music Department kennen, wo ich den Großteil der Woche verbringen würde, und fühlte mich dort aufgrund meiner sympathischen Chefin schnell wohl. 

Die Rahmenbedingungen

So, jetzt hatten wir uns einigermaßen eingelebt auf der anderen Seite der Welt, aber wo genau waren wir hier eigentlich? Die „Regents International School Pattaya“ liegt im Osten Thailands und südlich von Bangkok. Allerdings befindet sie sich nicht in Pattaya, wie der Name vermuten lässt, sondern etwa eine halbe Stunde außerhalb – was, wenn man den zweifelhaften Ruf der Stadt bedenkt, vielleicht auch nicht so schlecht ist. Wir befanden uns also im Nirgendwo neben einer Schnellstraße: unsere kleine, internationale Blase im trubeligen und aufregenden Thailand. Deshalb war es auch gar nicht so einfach für uns in die Stadt zu kommen: Taxis sind recht teuer und lohnen sich nur, wenn man in einer möglichst großen Gruppe unterwegs ist. Zum Radfahren ist der Weg zu weit. Uber, Grab und Motorbike-Taxis kann ich noch empfehlen, aber dann wird die Liste auch schon knapp. Dafür fährt ein öffentlicher, sehr günstiger Bus von einer nahen Bushaltestelle bis nach Bangkok (die netten Angestellten dort sind uns Gappies schon gewöhnt, sodass sie extra für uns auf dem Rückweg an der Schule halten), von diesem haben wir an den Wochenenden oft Gebrauch gemacht. 

Unsere Zimmer waren groß und schlicht eingerichtet mit Bett, Schreib- und Nachttisch, Stuhl und einem Schrank. Die Klimaanlagen sind unverzichtbar und Ausfälle dieser zum Beispiel bei gelegentlichen Stromausfällen waren schwer zu ertragen. Es gibt Gemeinschaftsräume und -bäder und eine kleine Küche in welcher man selber Mittagessen kochen kann. Frühstück und Abendessen isst man gemeinsam in der Schulkantine und am Wochenende werden sowohl die Gappies als auch die Boarder mit Cornflakes, Müsli, Milch und Früchten ausgestattet. Es gibt W-LAN auf dem gesamten Gelände und natürlich Zugang zu Druckern und Ähnlichem in den gut ausgestatteten Schulhäusern.

Lohn und Kindergeld

Ein weiterer interessanter Punkt ist auch unsere Bezahlung. Wir haben neben dem eben genannten freien Wohnraum und der Verpflegung etwa 350 € im Monat bekommen. Das ist ausreichend für längere Reisen, für wöchentliches Einkaufen und auch um abends auszugehen. Den Lohn bekommt man sogar für die kompletten zwölf Monate! Dafür haben wir aber auch viele Stunden gearbeitet, an langen Tagen von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends und an einigen Wochenenden. Darauf will ich gleich näher eingehen.

Als zusätzliche Unterstützung habe ich von meinen Eltern das Kindergeld überwiesen bekommen, sodass ich kaum auf meine eigenen Ersparnisse zurückgreifen musste. Die Beantragung war kompliziert und hat leider die ersten Monate in Anspruch genommen, wurde am Ende aber gewährt. Ich kann nur empfehlen sich Nachweise sowohl von der Stiftung als auch vom Arbeitgeber, der Schule, geben zu lassen!

So, jetzt hatten wir uns einigermaßen eingelebt auf der anderen Seite der Welt, aber wo genau waren wir hier eigentlich? Die „Regents International School Pattaya“ liegt im Osten Thailands und südlich von Bangkok. Allerdings befindet sie sich nicht in Pattaya, wie der Name vermuten lässt, sondern etwa eine halbe Stunde außerhalb – was, wenn man den zweifelhaften Ruf der Stadt bedenkt, vielleicht auch nicht so schlecht ist. Wir befanden uns also im Nirgendwo neben einer Schnellstraße: unsere kleine, internationale Blase im trubeligen und aufregenden Thailand. Deshalb war es auch gar nicht so einfach für uns in die Stadt zu kommen: Taxis sind recht teuer und lohnen sich nur, wenn man in einer möglichst großen Gruppe unterwegs ist. Zum Radfahren ist der Weg zu weit. Uber, Grab und Motorbike-Taxis kann ich noch empfehlen, aber dann wird die Liste auch schon knapp. Dafür fährt ein öffentlicher, sehr günstiger Bus von einer nahen Bushaltestelle bis nach Bangkok (die netten Angestellten dort sind uns Gappies schon gewöhnt, sodass sie extra für uns auf dem Rückweg an der Schule halten), von diesem haben wir an den Wochenenden oft Gebrauch gemacht. 

Unsere Zimmer waren groß und schlicht eingerichtet mit Bett, Schreib- und Nachttisch, Stuhl und einem Schrank. Die Klimaanlagen sind unverzichtbar und Ausfälle dieser zum Beispiel bei gelegentlichen Stromausfällen waren schwer zu ertragen. Es gibt Gemeinschaftsräume und -bäder und eine kleine Küche in welcher man selber Mittagessen kochen kann. Frühstück und Abendessen isst man gemeinsam in der Schulkantine und am Wochenende werden sowohl die Gappies als auch die Boarder mit Cornflakes, Müsli, Milch und Früchten ausgestattet. Es gibt W-LAN auf dem gesamten Gelände und natürlich Zugang zu Druckern und Ähnlichem in den gut ausgestatteten Schulhäusern.

Mein Arbeitsalltag

Es ist gar nicht so einfach einen typischen Tagesablauf zu nennen, da sich jeder meiner Tage komplett von den vorigen unterschieden hat. Ich habe sowohl bei den ganz Kleinen im Kindergarten, in der Grundschule, als auch in der weiterführenden Schule gearbeitet. Mein hauptsächliches Aufgabenfeld war jeweils der Musikunterricht, nur der Dienstag war mein „Additional Interest Day“ an dem ich im Sport- und Schwimmunterricht mitgeholfen habe. Unterrichtet wird von 8.40 bis 15.20 Uhr mit einer Stunde Mittagspause.

Danach folgen zahlreiche Nachmittagsangebote, z.B. diverse Sportarten, künstlerische Kurse und musische Angebote wie Orchester und Chor (in letzteren habe ich mich beteiligt, ich spiele Klarinette und singe leidenschaftlich gern). Im Musikunterricht war ich hauptsächlich als Unterstützung mit dabei. Da ich selbst früher Klavier gespielt habe, konnte ich den Kindern helfen, die richtigen Tasten auf den Keyboards zu finden oder Fragen zur Musiktheorie beantworten. In den jüngeren Klassen war der Unterricht noch sehr spielerisch und wir haben zum Beispiel viel gesungen. Ich habe aber auch jede Menge administrative Aufgaben übernommen und Material für den Klassenraum oder anstehende Events vorbereitet.

Von 4 – 9 Uhr stehen dann noch Boardingduties an, sowohl in den Häusern als auch in der Sporthalle. Jeder von uns Gappies hatte zwei Dienste pro Woche, die zwar meistens entspannt waren, aber eben auch extrem spät endeten.

Das Leben in Boarding war der zweite große Bereich unseres Alltages als Gappie. Ich war dem Secondary Girls Boarding zugeteilt und habe dort viel Zeit verbracht. Das gab mir die Möglichkeit die Mädchen besser kennenzulernen! In der Woche habe ich ihnen mit den Hausaufgaben geholfen und am Wochenende fanden verschiedene Ausflüge statt, die wir natürlich begleitet haben: Beispiele dafür sind eine Bootstour nach Ayutthaya, Ausflüge zum Wasserpark Ramayana und in ein Elefantenreservat oder auch Lasertag und Kino.

Eine Besonderheit für JGA´ler an dieser Schule ist natürlich, dass hier kein Deutsch unterrichtet wird. Es ist jedoch gut möglich sich anderweitig voll einzubringen, wenn man etwas Interesse und Eigeninitiative zeigt. Das war eine unserer Herausforderungen zu Beginn des Jahres und im Laufe der Zeit habe ich mir wirklich jede freie Minute mit Aktivitäten gefüllt!

Kontakte

Einer der für mich wichtigsten Aspekte dieses Gap Years waren die Freundschaften, die ich während dieser Zeit schließen durfte und die hoffentlich noch lange bestehen bleiben werden! Es ist einzigartig, so viele gleichaltrige, gleichgesinnte Menschen aus aller Welt kennenzulernen und diese haben das Jahr erst so besonders gemacht. Auch viele der Lehrer waren oft schon weitgereist, konnten inspirierende Geschichten erzählen und waren insgesamt sympathisch und aufgeschlossen. Durch die Internationalität an diesem Ort (jemand hat mal von 51 Nationalitäten gesprochen) ist jede neue Begegnung interessant und man kann man selbst sein, ohne für irgendetwas verurteilt zu werden. Genau aus diesem Grund habe ich zum Beispiel auch Pattaya lieben gelernt, auch wenn es keine Stadt ist, die ich Touristen weiterempfehlen würde, besonders hübsch ist sie nämlich nicht.

Das Verhältnis zu meinen engsten Kollegen im Music Department war sehr gut und persönlich, genauso wie zu den Mitgliedern des Boarding-Teams. Auch der Verantwortliche und Ansprechpartner für uns Gappies war sehr freundlich und hatte immer ein offenes Ohr für kleine oder größere Probleme. Zur Schulleiterin hatten wir eher wenig Kontakt, aber auch sie habe ich als Person sehr zu schätzen gelernt.

Mit den anderen JGA´lern habe ich mich persönlich kaum ausgetauscht, da sich die meisten auf der anderen Seite der Welt aufhielten. Mit der derzeitigen JGA´lerin an der Harrow School Bangkok haben wir uns jedoch einmal getroffen! Es war sehr schön, sich über unsere Erfahrungen und Erlebnisse austauschen zu können.

Feiertage, Events und weitere Höhepunkte

Im Laufe des Jahres haben wir an mehreren Festen und Feiertagen teilgenommen: manche davon waren Teil der thailändischen Kultur, andere wurden von der Schule organisiert. Einer der wichtigsten Anlässe war Loy Krathong zum Ende der Regenzeit, von dem mir besonders die wunderschönen bunten Kleider und die kleinen Schiffchen aus Blumen in Erinnerung geblieben sind. Dann kam das große Weihnachtskonzert, das mich absolut verzaubert und es geschafft hat, das sommerliche Thailand mit Weihnachtsstimmung zu erfüllen. Der „International Day“ im Februar ist der berühmteste Tag des Jahres: Schüler, Lehrer und Eltern kleiden sich traditionell, bringen landestypische Snacks und feiern die verschiedenen Nationalitäten mit Performances und einer riesigen Parade. Ich habe das erste Mal in meinem Leben ein Dirndl getragen! Weitere Höhepunkte waren ein Musical in Gedenken an den Holocaust, in welches ich involviert war, die Wasserschlacht zum Songkran-Fest, die Musik-Woche, das grandiose Sommerkonzert, „Round-Square-Week“ mit ihren zahlreichen Aktivitäten und Ausflügen, das „Regents Race“ bei 31°C und vieles mehr. Rückblickend wird mir erst bewusst, wie viel ich erlebt habe während dieses Jahres! Dabei habe ich einen der wichtigsten Aspekte noch nicht einmal erwähnt: das Reisen!

Ferien

Wann immer die Schüler Ferien hatten, waren wir frei zu reisen. Obwohl, gereist sind wir eigentlich sogar am Wochenende! Es ist auch einfach genial, so viele interessante, fremde Länder direkt vor der Haustür zu haben. Während meines Auslandsjahres habe ich Laos, Indonesien, Vietnam sowie zahlreiche Orte in Thailand besucht. Ich habe jede Chance genutzt, die sich mir geboten hat, denn wer weiß, wann ich so eine Chance ein zweites Mal bekommen werde, wenn überhaupt? Natürlich gab es immer auch Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt, aber am Ende sind es die schönen Momente, die einem im Gedächtnis bleiben: nachts im Dschungel unter Moskitonetzen liegen, vor den Gilis mit Wasserschildkröten tauchen, in einem Tempel von einem Mönch gesegnet werden oder in Chiang Mai über die Nachtmärkte tingeln und dabei leckerstes Essen probieren.

Besonders allein zu reisen war für mich eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte und die ich auch den folgenden JGA´lern wärmstens empfehlen kann. Sowohl auf Bali als auch in Vietnam war ich zum großen Teil auf eigene Faust unterwegs, unabhängig, kontaktfreudig und abenteuerlustig. Reisen zu zweit oder in der Gruppe hat jedoch auch seine Vorteile: der Geldbeutel freut sich über geteilte Transportkosten, viel wichtiger sind aber die Erlebnisse, die man mit seinen Freunden teilen kann.

Ich war weder in der Heimat, noch wurde ich von meiner Familie besucht, aber das war auch in Ordnung so, die Entfernung ist eben doch etwas größer als nach England. Wir haben einmal pro Woche geskypt! Auch in der Schule hätte man bleiben können, allerdings werden über die Ferien die Klimaanlagen ausgestellt und man muss sich selbst mit Essen versorgen. Ehrlich gesagt, so viel Zeit, wie wir auf diesem Schulgelände verbringen, hatte ich auch überhaupt keine Lust dazu, sondern wollte einfach nur raus.

Schwierigkeiten

Wirkliche Schwierigkeiten hat es eigentlich kaum gegeben, eher Herausforderungen. Ich lag zum Beispiel nächtelang wach, weil ich den Weihnachtsabend im Internat organisieren und dazu die Schüler in einen Chor verwandeln und mit ihnen proben sollte. Ich hatte einfach das Gefühl, dieser Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Irgendwie hat es dann funktioniert und wir hatten einen schönen Abend! Einige von uns haben sich leichte Mahnungen eingehandelt durch vorzeitiges Verlassen der Sporthallenaufsicht oder ähnlichen Dingen. Ansonsten gab es nichts, was wir nicht irgendwie hätten lösen können und das ist eigentlich ein Wunder.

Die letzten Wochen

Den letzten Wochen habe ich ja noch gar keinen eigenen Bericht gewidmet, deswegen kommt hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung: in diesem dritten Term hieß es nochmal durchpowern, zehn Wochen am Stück. Aufgelockert wurden diese durch einige der Ereignisse, die ich eben schon erwähnt habe, wie zum Beispiel das Sommerkonzert. Das wurde ein voller Erfolg und es war vor allem schön zu erleben, wie sich die gesamte Schule selbst gefeiert hat, als Belohnung für ein erfolgreiches Schuljahr.

Dann war auf einmal die letzte Woche erreicht und mit ihr eine ganze Serie aus sentimentalen „Letzten Malen”: letztes Mal Unterricht in dieser Klasse, ein letztes Mal Schwimmen vor dem Frühstück, die letzte Aufsicht und ein letztes Abendbrot in der Kantine. Viel zu viele Abschiede in zu kurzer Zeit, besonders die Abschiede von den anderen Gappies fielen mir sehr schwer.
Ich habe einige Referenzen von den Lehrern bekommen und auch den „IELTS“ hatte ich schon in Bangkok abgelegt, um das angesehene Sprachzertifikat mit nach Hause bringen zu können.

Fazit

Alles in allem bin ich überzeugt, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war hierherzukommen. Ich bin persönlich an den Herausforderungen gewachsen, selbstbewusster geworden und nun vor allem um viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher. Mein Blick auf die Welt hat sich etwas verändert und der Gedanke in einem anderen Land zu leben ist nicht länger unvorstellbar, sondern eher verlockend. Zunächst steht für mich jedoch das Studium an und darauf freue ich mich sehr. Ich habe mich für Zahnmedizin beworben, da mich der menschliche Körper und die Naturwissenschaften reizen.

Ich möchte außerdem diese Gelegenheit nutzen, mich bei allen Mitgliedern der Gudrun Frey Stiftung zu bedanken, deren ehrenamtliche Arbeit und anhaltende Unterstützung all dies erst ermöglicht haben. Ich freue mich auf das Abschlusstreffen!

Judith, 12.07.2018

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Abschlussbericht

Sligo Grammar School, Sligo, Irland

Einleitung

Aufregung, Hektik, schnell nochmal alle Seiten im Buch überfliegen. Dann teilt der Lehrer die Arbeitsblätter aus, verkehrt herum legt er sie jedem vor die Nase. Die letzten offenen Bücher verschwinden vom Tisch. Alle haben ihre Blätter, es wird gewartet bis das letzte Getuschel unterbunden wurde. Auf die Plätze, fertig, jetzt geht’s los. Sofort die Aufgaben lesen, sich einen Überblick über Umfang und Niveau der einzelnen Sequenzen verschaffen. Die ersten fangen eifrig anzupinseln, tief über ihr Blatt gebeugt befinden sie sich in einem Tunnel und blenden alles andere aus. Der gesamte angestaute Stoff der letzten Wochen ergießt sich nun über das Prüfungspapier. Andere Schüler wissen hingegen noch nicht so genau, welche Schublade sie für die Lösung der ersten Aufgabe öffnen müssen und knabbern nervös an ihrem Kuli herum. Doch auch sie erfassen meist irgendwann zumindest den Großteil der Aufforderung und können, unterbrochen von Schreibblockaden, die Zeilen füllen. Und dann gibt es noch die, die quasi seit der ersten Sekunde kopfschüttelnd die Blätter hin und her wenden, als könnten sie so die Antworten aus den Seiten wedeln. Den Kopf auf den Arm gestützt sitzen sie die meiste Zeit ab und versuchen hin und wieder einen unauffälligen Blick zum Nachbarn zu erhaschen.

Die Zeit wird langsam knapp. Hastig werden die letzten Wortgruppen und Gedankenfetzen hingekritzelt, nochmal gecheckt, dass auch alle Aufgaben abgearbeitet wurden…oder es zumindest versucht wurde. Dann ertönt die Klingel, alle müssen abgeben. Wer jetzt noch einen Stift in der hält, wird sich bald über die letzten 45 Minuten Konzentration ärgern, die er für umsonst aufgebracht hat.

Und dann ist es auch schon vorbei. Die Anspannung fällt ab, die eine Hälfte ist einfach froh, es endlich hinter sich gebracht zu haben, die andere vergleicht sofort alle Ergebnisse mit Buch, Banknachbar und wenn es sein muss auch mit dem Lehrer.

Es ist, als wäre es erst gestern gewesen. Genau die gleichen Bilder, dieselben Emotionen. Nur, dass ich diese Szenen jetzt nicht mehr als Schüler erlebe, sondern als Aufsichtsperson, als Lehrer. Irgendwo ist man froh, selbst nicht mehr diesem Stress ausgesetzt zu sein, aber ganz werde ich mich wohl nie davon befreien können. Ein bisschen Aufregung ist auch immer für den Lehrer dabei, vor allem, wenn man von jetzt auf gleich die Fronten wechseln musste und ohne große Vorwarnung in das Berufs- und Alltagsleben eines Pädagogen eintaucht.

Mittlerweile sind schon einige Wochen an meinem Einsatzort, der Sligo Grammar School, vergangen und die Routine ist halbwegs eingekehrt. Dass aller Anfang schwer ist, wissen wir alle, doch dass ein Anfang gleichzeitig auch ein Ende bedeutet, wollte ich lange nicht wahrhaben. Ich meine am Ende nicht im Sinne von Abschluss oder Beenden eines Kapitels, sondern ich begreife es als den Abschied von zu Hause, als das vorläufige Einlegen einer Pause und Verlassen von allem Gewohnten. Abschied nehmen von allen Personen, die einem wichtig sind, aber auch von Gewohnheiten und Aktivitäten, die in den letzten Jahren meinen Wochenablauf maßgeblich bestimmt und geprägt haben. Als dann die Tage des Abschieds kamen, wäre ich auch ehrlich gesagt bereit dazu gewesen, einen Rückzieher zu machen. Vor allem am finalen Abreisetag wäre ich am Berliner Flughafen am liebsten direkt wieder ins Auto gestiegen und ab nach Jena gefahren. Aber solch Feigheit war jetzt zum Glück nicht mehr möglich. Es gab nur noch eine Richtung, nach vorne.

Mit Leonard hatte ich dann auch bei unseren Aufenthalten am Flughafen und am Busbahnhof einen guten Gesprächspartner. Es war eine willkommene Ablenkung und auf jeden Fall einfacher, als allein zu reisen. Die Anreise klappte so weit problemlos. Dass auf die Pünktlichkeit irischer Busse meist kein Verlass ist, wurde uns gleich beim Warten auf den Bus nach Sligo bewusst. Aber mit 45 Minuten Verspätung konnten wir noch leben. Nach ungefähr Stunden Fahrzeit kamen wir erschöpft, aber sehr zufrieden mit uns auf dem Schulgelände an. Auf dem Hof begegneten wir gleich ein paar Schülern und dem Internatsleiter. Er war von der ersten Sekunde an sehr hilfsbereit und freute sich enorm uns begrüßen zu dürfen. Uns wurden unsere Zimmer gezeigt und den Rest des Abends war dann auch jeder damit beschäftigt, alles auszupacken und erstmal in Ruhe anzukommen. Solch einen aufregenden Tag hatte ich schon lange nicht mehr erlebt und so wurde ich am Abend dann von meinen Emotionen überrollt. Die neue Umgebung, fremde Leute, eine andere Sprache (und vor allem ein gewöhnungsbedürftiger Akzent); all das, verbunden mit dem Gefühl, irgendwie allein zu sein, machten die ersten Nächte nicht gerade einfach. Aber ich war und versuchte mit einer positiven Einstellung in meinen ersten Tag an der Sligo Grammar School zu starten.

Der Start

Am Morgen teilte man uns mit, dass die Deutschlehrerin heute noch nicht anwesend sei. Das war aber nicht weiter schlimm, da es genug anderes zu sehen und entdecken gab. Nachdem wir den Schulleiter kennengelernt hatten, wurden wir im Lehrerzimmer allen Lehrern vorgestellt und mit einigen kam man gleich ins Gespräch. Auch dieses Jahr gibt es anscheinend viele neue und auch junge Lehrer, die sich, genau wie wir, erstmal einarbeiten und alles kennenlernen müssen. Aber trotzdem bin ich davon begeistert, wie herzlich alle in das Kollegium aufgenommen werden. Es wird sofort Interesse an deiner Person gezeigt und dadurch fühlt man sich mehr als willkommen. Generell sind die Iren ein solch nettes und offenes Volk, sie helfen und unterstützen, wo sie können und nehmen sich immer Zeit. Alle sind sehr höflich aber zugleich auch unglaublich locker im gegenseitigen Umgang. Diese Atmosphäre spürt man auch im Lehrerzimmer. Wenn sich in der großen Pause das gesamte Kollegium im Lehrerzimmer auf einen Kaffee oder Tee trifft, kann man beobachten, wie eigentlich alle als gute Freunde miteinander reden. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man Direktor oder Buchhalter ist, alle pflegen einen freundschaftlichen Umgang und plaudern über Gott und die Welt. Situationen, die ich mir aus unserem deutschen Lehrerzimmer nie hätte vorstellen können. An dieses nette Klima kann man sich wirklich gewöhnen.

Am nächsten Tag trafen wir endlich die Deutschlehrerin der Schule. Sie ist eine ganz tolle Person, sie geht voll und ganz in ihrer Lehrerrolle auf und die Schüler lieben sie über alles. Mit ihr konnten, wie erstmal alles wichtige absprechen. Es wird also so sein, dass wir in einigen Stunden anwesend sind, um vor allem bei der mündlichen Arbeit zu helfen. Außerdem werden wir in der nächsten Woche unseren Plan für die Oral Slots erhalten. Jeder Schüler des fünften und sechsten Jahrgangs erhält nämlich wöchentlich eine zwanzigminütige Einzelstunde, in der wir sie auf die mündliche Abiturprüfung vorbereiten. Dabei geht es um das Reagieren auf allgemeine Fragen zur Person, das Erlernen eines Rollenspiels und das Präsentieren eines selbstgewählten Themas. Schon an unserem dritten Tag in Irland wurden wir von dem TY-Koordinator gefragt, ob wir denn einen Schulausflug der TY´s begleiten könnten. Es klang sehr interessant und wir sagten gleich zu. Es ging nämlich für eine Nacht zum Campen. Was wir nicht ahnten, dass das Wetter zum Campen nicht hätte, schlechter sein können. Bei strömenden Regen kamen wir im Park an und gleich ging es weiter in den Kletterwald. Ich wunderte mich ziemlich, dass er bei solchen Bedingungen überhaupt geöffnet war. Aber die Schüler hatten ihren Spaß und trotzten der Nässe und der Kälte. Für den Abend hatten die Lehrer Einweggrills besorgt, und so konnte man sich in Grüppchen sein eigenes Mahl zubereiten.

Für uns gab es Burger und zum Glück hatte es mittlerweile aufgehört zu Schütten, sodass wir in Ruhe vor dem Zelt essen konnten. Mit der Dunkelheit wurde es dann jedoch sehr schnell sehr kalt, und auch im Zelt konnte ich mich nicht wirklich einkuscheln, denn für einen Schlafsack war zwar gesorgt, wir mussten aber ohne Isomatte auskommen. Trotz mehrerer Schichten, die ich trug, kühlte man durch den kalten Waldboden so aus, dass ich die Nacht fast kein Auge zu machen konnte. Ich war so froh, als die Nacht um war und sich draußen langsam alles etwas aufwärmte. Nach dem Frühstück (Bohnen und Würstchen vom Grill) ging es dann in eine Art Team-Park. In verschiedenen Räumen waren Challenges in 3er bis 4er Teams zu bewältigen. Diese waren entweder physischen oder psychischen Charakters und erforderten einige Anläufe. Auch hier konnten die meisten begeistert werden und auch Leonard und ich robbten nicht nur einmal durch auf allen vieren durch den ein oder anderen schmalen Tunnel. Ziemlich geplättet und durchfroren von der Nacht waren wir dann doch froh, als es mit dem Bus wieder ins Internat ging und man sich nach einer heißen Dusche für einige Stunden ins Bett packen konnte. Auch zu dem nächsten TY-Ausflug wurden wir hinzugerufen. Es ging nach Dublin zu einer Messe für das Transition Year mit Ständen für diverse Aktivitäten und Sprachreisen. Ich hätte nie gedacht, dass so viel Wert auf das Übergangsjahr gelegt wird. Es gibt ein riesiges Angebot von allen möglichen Organisationen, die das Transition Year unterstützen und dir Schüler schienen auch recht interessiert.

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Die zweite Woche

Nachdem die erste Woche also noch mehr oder weniger ruhig verlief, begannen wir in der zweiten Schulwoche schon mit den Orals. Jeder von uns hat 20 Schüler zu betreuen. Ich war echt nervös vor meiner ersten Stunde, weil ich einfach nicht genau wusste, was man von uns erwartet bzw. ob ich überhaupt in der Lage bin, ihnen etwas Hilfreiches beizubringen. Aber es war echt in Ordnung. Das meiste ergibt sich sowieso aus der Stunde heraus. Man bekommt schnell mit, wo die Stärken und Schwächen liegen und was noch einmal wiederholt werden müsste. Da es die erste Woche war, erschienen viele der Schüler nicht zu ihrer Stunde, aber ich war zuversichtlich, dass sich alles einlegen würde. Nun hatten wir also erstmal unsere Grundaufgaben und waren damit vorerst gut beschäftigt. Jeder Tag der ersten drei Wochen war wieder aufregend, weil immer etwas Neues hinzukam, seien es neue Leute, die man kennenlernte oder auch der berühmte Schubs ins kalte Wasser.

Die dritte Woche

Eines Montagmorgens, es waren gerade einmal drei Wochen seit unserer Anreise vergangen, begegnete ich einem in Hektik befindlichen Schuldirektor. Er teilte mir mit, dass unsere Deutschlehrerin ganz kurzfristig ausgefallen sei, und unten im Deutschraum ein 2nd-year auf den Unterricht warte. Kurzerhand stand ich also vor 25 mir fremden Schülern, die es nun galt, zu bespaßen. Da Leonard an diesem Tag erst später anfängt, war er noch nicht im Schulhaus und ich war vorerst auf mich allein gestellt. Ich weiß nicht mehr genau wie, aber irgendwie schaffte ich es, mit Bankrutschen und anderen kleinen Vokabelspielchen alle bei Laune zu halten. Es klingelte und meine Anspannung fiel zunächst ab. Als sich dann aber keiner rührte, sondern mich alle nur mit großen Augen anschauten und meinten „wir haben eine Doppelstunde“, wurde ich erneut hektisch.

Doch auch die nächsten 40 Minuten konnte ich mit Wiederholungsübungen füllen und tatsächlich merkte ich, dass es trotz der Spontanität und des Fehlens einer Vorbereitung Spaß machte, den noch relativ kleinen Schülern einfache Dinge beizubringen. Trotzdem stand ich danach noch ganz schön unter Strom, vor allem weil sich herausstellte, dass wir alle Deutschklassen des Tages und wahrscheinlich noch der ganzen Woche übernehmen sollten.

Wir begannen also uns Gedanken über das weitere Vorgehen zu machen, was sich aber nun mal schwierig gestaltete, weil wir wenig Ahnung vom aktuellen Stoff der einzelnen Klassen hatten. Die ersten zwei bis drei Wochen, in denen wir noch nicht einmal in allen Unterrichtsstunden anwesend waren, hatten einfach nicht ausgereicht, um zu wissen, wie weit die Schüler im Stoff waren. Außerdem hatten wir null Erfahrung in Sachen unterrichten und wie man am besten vorgeht. Deshalb beschränkten wir uns vorerst auf Wiederholungen und das Lesen und Übersetzen einfacher Texte. Für mich persönlich waren die schönsten Stunden bei den beiden jüngsten Jahrgängen. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie machte es mir mehr Spaß und ich konnte mehr in der Lehrerrolle aufgehen.

Schwerer viel es mir bei dem fünften und sechsten Jahr. Vielleicht ist es der nur minimale Altersunterschied, vielleicht aber auch das Gefühl, mit meinen jetzigen Englischkenntnissen keinen für sie anspruchsvollen Unterricht zu gestalten. Es fiel mir schwer, etwas Geeignetes für sie zu finden, aber ich glaube sie wissen auch, dass es für uns junge „Lehrer“ keine einfache Situation war. Das Transition Year war kein großes Problem, sie arbeiteten zurzeit an Postern für ihr Projekt und das konnten sie die Woche weiterhin tun. Sehr anstrengend war das dritte Jahr. Es war, als müsste man einen Sack Flöhe hüten. Nichts als Unruhe herrschte im Klassenzimmer und ich wusste einfach nicht, wie ich diese Klasse unter Kontrolle kriegen sollte. Zu unserem Glück schickte man uns in einigen Stunden einen Lehrer mit in den Unterricht, der für Ruhe sorgen sollte.

Mitte der Woche schickte uns unsere Chefin zum Glück ein kleines Update, was den aktuellen Stoff betraf. Daran konnten wir uns ein bisschen orientieren und versuchten, im Stoff weiterzugehen. Insgesamt war die Woche eine gute Erfahrung und ich war schon stolz, ohne großartige Vorbereitung und Vorwarnung, alles einigermaßen beherrscht zu haben. Es war eine große Überwindung, auf einmal allein vor einer kompletten Klasse zu stehe, und als einzig wirkliche Konstante auf sein Deutsch vertrauen zu können. Die Woche zeigte mir, dass solch spontane Aktionen manchmal gar nicht so schlecht sind, um über seinen eigenen Schatten springen zu müssen. Die erste Feuerprobe war also bestanden. Trotzdem wünschten wir uns sehnlichst einen Vertretungslehrer, der glücklicherweise schon am nächsten Montag eintraf.

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Doch vorher kam erstmal das geschlossene Wochenende, das wir uns, wie wir fanden, auch verdient hatten. Alle Schüler mussten am Freitagnachmittag das Internat verlassen und zudem war auch der Montag schulfrei, sodass man drei volle Tage frei hatte. Solch eine Chance sollte man natürlich gleich nutzen und so buchte ich mir für zwei Nächte ein Hostel mitten in Dublin. Ich war ziemlich nervös, als ich am Samstagmorgen in den Bus stieg, auf dem Weg zu meiner ersten kleinen Reise allein. Vor allem hatte ich vorher noch nie Erfahrungen mit einem Hostel gemacht und war echt gespannt was mich erwarten würde. Doch eigentlich verlief alles nach Plan. Bis auf zwei ziemliche Regentage und eine Erkältung, die mich leicht außer Gefecht setzte, hatte sich das Wochenende gelohnt. Ich habe viel von der Stadt gesehen und allein die Hostel-Übernachtung war eine Erfahrung wert. Im Aufenthaltsraum lernte ich zwei Bolivianer kennen, die extrem aufgeschlossen waren und mich sogar fragten, ob ich am nächsten Tagen mit zu den Cliffs kommen wolle. Dankend musste ich ablehnen, weil ich ja eigentlich dort war, um mir erst einmal Dublin anzuschauen. Aber jetzt weiß ich, warum es sich bei solchen Trips immer lohnt, in ein Hostel zu ziehen. Trotzdem fand ich leider niemanden weiter, mit dem ich zusammen die Stadt hätte besichtigen können. Allein reisen funktioniert, vor allem wenn es nur ein bis zwei Tage sind, aber nach diesem Wochenende muss ich sagen, dass ich sowas ungern nochmal machen möchte. Die Erfahrung war es wert, keine Frage. Aber man fühlt sich doch recht einsam und wünscht sich immer jemanden an seine Seite, mit dem man lachen und sich austauschen kann. Ich werde auf jeden Fall zusehen, dass ich bei meinem nächsten größeren Ausflug nicht allein losziehen muss…

Nach einem aufregenden Wochenende starteten wir also mit unserer neuen Deutschlehrerin. Sie kommt ursprünglich aus der Schweiz, lebt aber schon 30 Jahre in Irland, was bedeutet, dass sie sowohl Deutsch als auch Englisch fließend spricht. Das macht die Kommunikation an einigen Stellen doch erheblich einfacher. Nun waren wir also diejenigen, die schon länger an der Schule waren und sich besser auskannte. Wir zeigten ihr vieles und erklärten, was unsere bisherigen Aufgaben waren. Nach einigen Tagen funktionierte auch alles sehr gut. Sie konnte mit den Schülern im Stoff weitergehen und ich war im Unterricht immer anwesend und konnte kleine Übungen übernehmen oder half bei Übersetzungen und der Aussprache. Ich komme wirklich gut mit ihr aus, sie hat zwar einen anderen Lehrstil, ist aber in ihrem Vorgehen genauso strukturiert und hat schließlich schon ein paar Jahre Berufserfahrung. Leider teilen viele Schüler meine Sichtweise nicht. Vor allem die Seniors im sechsten Jahr konnten sich mit einer Veränderung nicht so recht anfreunden. Jegliches Abweichen von ihrer vertrauten Methodik wurde mit einem skeptischen Blick oder abwertenden Spruch kommentiert. Lief etwas nicht so, wie es sich die Schüler vorstellten, wurde sofort abgeschaltet und es herrschte Unruhe. Aus dem Blick eines Lehrers kann man nun endlich einmal nachvollziehen, was es heißt, wenn sich die Klasse gegen einen richtet und loslegt zu quatschen, sobald man ihnen den Rücken zudreht. Die Vertretung tat mir echt leid und ich schämte mich teilweise für das oftmals arrogante Verhalten der Schüler ihr gegenüber. Sie tat wirklich ihr Bestes, alle zu motivieren und ihre Kooperation anzubieten.

Doch anscheinend wollen alle einfach nur ihre einzig wahre Lehrerin zurück, was mich wiederum auch beeindruckte. Erst jetzt wurde mir klar, wie viel Sympathie und Respekt ein Lehrer ernten kann und war begeistert von der Solidarität, die von den Schülern ausging. Leider waren sie aber so fixiert auf sie, dass sie keine Veränderung zulassen wollten. Aber trotz allem kommen wir mittlerweile recht gut voran und die Schüler bekommen alles an mündlicher und schriftlicher Arbeit. Umso besser funktioniert der Unterricht mit den Juniors. Das erste und zweite Jahr ist kein großes Problem, alle sind bei der Sache und arbeiten mit. Auch das chaotische dritte Jahr konnte langsam gezähmt werden und nach vier Wochen merkt man schon einen deutlichen Fortschritt in Sachen Disziplin. Schon gleich am Anfang meiner Arbeitszeit hier, versuchte ich so viel wie möglich vom Internatsleben mitzubekommen und den Tagesablauf hier zu verstehen. Ich gesellte mich des Öfteren zu der Night-Duty Person und „shadowed“, wie man hier so schön sagt. Die Matron im Internat übernahm dann zusammen mit mir die Samstagabend-Dienste. Ich war froh immer noch jemanden an meiner Seite zu haben und von Woche zu Woche übernahm ich an diesen Abenden immer mehr die alleinige Verantwortung, bis ich irgendwann allein für den Samstag eingeteilt wurde. Es ist aber trotzdem immer jemand noch im Haus oder zumindest telefonisch erreichbar. Es war super, dass ich langsam an die Aufgaben als M.O.D herangeführt wurde, denn am Anfang hatte ich echt Respekt alleine mit so vielen Schülern zu sein! Doch durch die allmähliche „Entwöhnung“ traute ich mir jedes Mal mehr zu. Außerdem sind die Wochenend-Dienste nicht ganz so stressig wie in der Woche, schließlich sind viel weniger Schüler im Internat, es müssen keine Handys eingesammelt werden und vor allem ruft am nächsten Morgen kein frühes Aufstehen oder Hektik. Aber auch wenn man am Wochenende mal was vorhat, ist das Tauschen kein Problem und so übernahm ich bis jetzt auch zweimal den Dienst in der Woche. Das bedeutet, abends alle ins Bett zu schicken, die Handys einzusammeln und für Ruhe zu sorgen, am nächsten Morgen wecken und die Anwesenheit prüfen. Da aber morgens und abends immer zwei Personen zeitüberschneidend eingeteilt sind, ist alles gut zu bewältigen.

Die fünfte Woche

Mittlerweile kenne ich auch die meisten Gesichter, was den Umgang mit den Mädels enorm erleichtert. Nach vier Wochen bekam ich dann auch eine TY-Activity zugeteilt, nämlich das wöchentliche Scrapbooking (eine Art Tagebuch) mit dem Transition-Year. Ganz spontan wurde ich angesprochen, ob ich diese abendliche Beschäftigung nicht übernehmen könne. Ich war gespannt, was auf mich zukam. Aber eigentlich ist es nicht weiter spektakulär. Im Grunde sollen die Mädels Tagebuch mit kleinen Einträgen und Bildern führen. Das Problem war nur, dass der Großteil dazu keine Lust hatte, und sich lieber mit anderen Dingen beschäftigte. Leider ist meine Autorität, gerade gegenüber 15- bis 16-Jährigen noch nicht so, dass sie unbedingt auf mich hören würden. Es war irgendwie ein frustrierender Abend, nicht für genügend Motivation gesorgt haben zu können. Als ich dann mitbekam, dass man für das Internat Halloween-Dekoration brauchte, überlegte ich mir gleich einige einfache, aber nette Dinge, die ich mit den TY’s in dieser wöchentlichen Stunde basteln könnte. Ich besorgte einige Materialien und war fest davon überzeugt, dass meine Halloween-Ideen gut ankommen würden. Leider erschienen diesmal viel weniger als letzte Woche, was mir gegenüber ein eindeutiges Signal war. Zum Glück machten wenigstens die verbliebenen gut mit und wir konnten eine kleine Menge an Deko-Artikeln herstellen. Ich hoffe, mir werden noch Dinge einfallen, wie ich alle dazu bewege, Spaß an der Sache zu haben. Aber irgendwo ist es schwierig, das Interesse dieser Altersgruppe zu wecken. Zumindest wollte mir bis jetzt noch keine zündende Idee kommen…

Langsam schlich sich wieder das Heimweh ein, das ich seit den ersten paar Tagen eigentlich ganz gut ausschalten konnte. Es war nun langsam Routine in den Alltag gekommen, darüber war ich auch sehr froh, aber es spielte sich nun mal jeden Tag dasselbe ab. Mir fehlte einfach die Ablenkung durch abwechslungsreiche Beschäftigungen am Nachmittag. In der Schule wurde ich nicht weiter gebraucht und andere Gappies gibt es auch nicht, mit denen man zusammen etwas unternehmen könnte. So hat man viel Zeit zum Nachdenken, manchmal zu viel. Aber so wie bei meiner Ankunft dachte ich mir: good things take time. So lange bin ich schließlich noch nicht hier und es werden sicher Gelegenheiten kommen.

Umso gelegener kam zu dieser Zeit ein Überraschungsbesuch aus Deutschland. Eines Morgens kam ich in den Klassenraum, und als ich meine Blicke nach einem freien Platz schweifen ließ, entdeckte ich zwischen all den Schülern ein bekanntes Gesicht. Ein guter Schulfreund hatte die Reise auf sich genommen, um mich in der Schule zu überraschen. Ich hatte wirklich keine Ahnung gehabt und freute mich riesig. Nach Schulschluss und am Wochenende zeigte ich ihm die Gegend, darunter auch meine bisheriger Lieblingsort Strandhill. Mit dem Bus ist der Küstenort in einer halben Stunde zu erreichen und perfekt zum Ausspannen geeignet. Nachdem ich das erste Mal dort war, machte ich am Wochenende immer mal einen Tagesausflug dorthin, um am Strand entlangzuspazieren und das beste Eis weit und breit zu genießen. Da die Möglichkeiten für Tagesausflüge hier in der Umgebung doch eher begrenzt sind, bietet sich Strandhill von der Entfernung gut an und es ist jedes Mal wieder ein tolles Erlebnis. Außerhalb Strandhills ist von weitem schon ein tafelbergähnliches Gebilde, der Knocknarea, zu erkennen. Eines schönen Samstagvormittags machten Leonard und ich es uns zur Aufgabe, diesen Berg zu besteigen. Nach ca. einer Stunde Aufstieg wurden wir oben mit dem wohl tollsten Panorama der Umgebung belohnt. Man hatte einen 360° Blick über die gesamte Bucht und konnte weit bis zum Horizont sehen. Dieser Ausflug hatte sich wirklich gelohnt.

Kurz vor den Ferien gab es dann in der Schule noch einen Tag der offenen Tür. Die Räume wurden Fächer entsprechend dekoriert und sogar die Schulband trat auf. Mit liebevoller Hand richteten wir den Deutschraum her und besorgten Materialien für die Kinder, um kleine Flaggen zu basteln. Außerdem besorgte ich kleine Snacks, wie saure Gurken, Stollen und Bockwurst. Das absolute Highlight für irische Schüler sind allerdings Gummibärchen! Alle lieben Haribos und nach kurzer Zeit waren sie schon vergriffen. Zwei Schüler des sechsten Jahres hielten, in Dirndl und Lederhose, für jede Eltern-Schüler-Gruppe, die vorbeikam, eine kurze Präsentation mit einigen einfachen Vokabeln und Bildern von Deutschlandreisen. Sie stellten die Lehrerin und auch uns kurz vor. Deutsch ist nämlich die einzige Fremdsprache, die an dieser Schule Sprachassistenten bekommt und ist deshalb auch recht attraktiv. Die Eltern schienen sehr interessiert und ich denke, dass wir einen sehr guten Eindruck von der Sprache Deutsch und dem Deutschunterricht machen konnten. Vor allem, weil die Schüler so von ihrer Lehrerin schwärmten.

Die neunte Woche

Mittlerweile ist also die neunte Woche für mich angebrochen. In der Zeit seit meiner Anreise habe ich vieles dazugelernt. Die Anfänge sind gemacht und der Weg hat sich deutlich geebnet. Mir war es vor allem erst einmal wichtig, in den Schulalltag zu finden, zu begreifen, welche Regeln und Abläufe es gibt. Es gibt bestimmt noch vieles, was dazu kommen wird, aber ich bin froh, dass die nötige Ruhe eingekehrt ist und ich mich jetzt auch nach „extra“-Dingen umsehen kann. Ein bestimmender Faktor ist dabei natürlich auch die Sprache. Am Anfang hatte ich doch hin und wieder einige Verständnisprobleme aufgrund des nicht zu unterschätzenden Akzentes. Aber das Verstehen funktioniert nun schon besser und man wird vertrauter mit landestypischen Floskeln, die man vorher einfach nicht kannte. Dabei hilft vor allem der schon angesprochene lockere gegenseitige Umgang im Lehrerzimmer, aber auch kurze Unterhaltungen mit Schülern bei den Einzelstunden, bei denen man gängige Phrasen aufschnappt. Außerdem habe ich das Gefühl, dass auch meine Sprachkompetenz sich allmählich verbessert. Sagen wir so, man versteht was ich meine und ich komme überall zurecht. Ich weiß, dass ich im Affekt oftmals untypische Satz oder Grammatikstrukturen verwende, für die ich mich im Nachhinein schäme, aber ich habe noch acht Monate vor mir, um auch das noch größtenteils auszubügeln. Generell geht es mir insbesondere darum, nicht bis ins letzte alle möglichen Vokabeln zu wisse, sondern mit meinem Umfang an Vokabular (dass sich auch schon deutlich erweitert hat), korrekte Sätze zu bilden und mich fließend mit einem Muttersprachler unterhalten zu können. Wenn ich das am Ende des Jahres geschafft hab, wäre ich mehr als zufrieden. Kleine Erfolgserlebnisse gibt es dabei jetzt schon, wenn man es nämlich geschafft hat, am Telefon eine Buchung für ein Hostel getätigt zu haben. Vor Telefongesprächen in Englisch hatte ich nämlich immer ziemlichen Respekt aber wie ich jedes Mal wieder feststelle: man wächst mit seinen Aufgaben. In diesem Sinne hoffe ich, dass weitere Herausforderungen auf mich warten. Ich bin mehr als gespannt auf den neuen Abschnitt bis Weihnachten, gerade weil es wieder einen Wechsel im German Department geben wird und es wieder eine kleine Umstellung sein wird. Bis zum nächsten Bericht wird es denke ich wieder einiges zu erzählen geben. Ich freue mich schon auf die neuen Erkenntnisse und Erfahrungen, die mich bis dahin erwarten und werde mein bestmögliches geben, die Schule so gut es geht zu unterstützen.

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Abschlussbericht

Language Assistant Teacher am Lord Wandsworth College (England)

Der Hinflug

Mein Hinflug am Sonntag, 2.9. mit British Airways hatte mehr als klasse geklappt: Wir haben den Schalter am anderen Ende des Terminals gesucht. Als wir ihn dann fanden, standen wir in der falschen Schlange. Als wir dann vorne waren, konnte mein 4. Koffer nicht ins System eingegeben werden und flog dafür umsonst mit – die 3 anderen waren im Vorhinein online bezahlt worden. Als ich (angezogen mit meiner dicksten Winterjacke, darunter meine Polar- Fleecejacke, und den Winterstiefeln), durch die erste Sicherheitsschleuse mit meinem Handgepäck (knallvoller Rucksack, 10 kg, Laptoptasche, 8kg) , durch war und am Ende der ewiglangen Schlange vor der 2. Kontrolle stand, hatte ein Aufseher mit mir Mitleid und winkte mich auf geraden Wege durch die letzte Kontrolle. Kaum war ich durch die nächste Tür, ging ein Alarm los, alle Türen gingen zu, und wir alle mussten jetzt aus irgendwelchen Gründen 40 Minuten warten…Glücklich in Heathrow gelandet, wartete meine neue Chefin, Head of German, auf mich und wir fuhren ins Lord Wandsworth College.

Lord Wandsworth entschied sich vor 200 Jahren, sein Landgut an eine Stiftung zu übergeben, welche die Gebäude als Schule für Kinder und Jugendliche nutzen sollte, die eines oder beide Elternteile verloren haben. Diese könnten hier wohnen, lernen und leben. (Historisch gesehen waren Waisenkinder oft ein schwieriges Thema). Im Laufe der Zeit wurde dieses Prinzip ausgebaut, Waisen erhielten bzw. erhalten ein Stipendium. Heute ist es eine „normale“ Schule und ein Internat, welche aber ihr ursprüngliches Ziel nicht aus den Augen verloren hat. Insgesamt sind etwa 600 Schüler im College, die sich aus Internatskindern (etwa 60) und aus Tagesschülern aus den umliegenden Ortschaften, zusammensetzen.

Die Ankunft

Das Ambiente ist unglaublich schön, so, wie man sich ein altehrwürdiges, englisches Landgut vorstellt. Die Landschaft drum herum besteht ebenfalls hauptsächlich aus Gegend. In meinen ersten drei Tagen, bis die Schule anfing, hatte ich echt viel Input: Die vielen neuen Namen und Ausdrücke. An meinem ersten Abend war ich bei meiner Chefin zuhause zusammen mit einigen anderen Lehrern. Meine Chefin ist gleichzeitig Deutschlehrerin, eine große Hilfe und unterstützt mich wirklich sehr dabei mich hier gut einzuleben. Alle Kollegen sind nett und hatten mich herzlich empfangen. Am nächsten Tag wurde ich hauptsächlich von Hand zu Hand gereicht und mir wurde alles gezeigt. Nachdem ich mich ein paar Male erfolgreich verlaufen hatte, bekam ich dann mein Fahrrad und plötzlich fand ich alles auf Anhieb.

Das Kollegium ist wahnsinnig nett und lustig. Ein Geschichtslehrer begrüßte mich mit den Worten „Grüß Gott“! Die Kunstlehrerin spricht ein wunderbar lustiges Englisch, und viele Lehrer sprechen ein gehobenes Englisch – ich werde sicher viel lernen! Am Abend gingen wir in einen Pub um die Ecke, in dem ich die trinkfesten Lehrer kennenlernte. Ein lustiger Abend mit vielen interessanten Gesprächen und dem kleinen Nebeneffekt, dass mir jedes Bier bezahlt wurde, weil sie wissen wollten, was ein Deutscher über das englische Bier sagt.

Der erste Tag

Am nächsten Tag war ich in der Schule unterwegs und nachmittags mit meiner Chefin einkaufen um Dinge für meine Wohnung zu besorgen.

Um zehn Uhr am nächsten Tag hatten wir ein Meeting des Modern Languages Department. Ich habe Pralinen vom Konditoren-Weltmeister aus Michelstadt (ein Michelstädter!) sowie Ritter Sport Schokolade dazu beigetragen und ansonsten gut zugehört. Es ging hauptsächlich um Dinge des letzten Jahres, aber ich fand es durchaus sehr interessant wie solche Lehrergespräche ablaufen.

Ein Spanischlehrer hatte meiner Meinung nach eine sehr gute Sicht der Lage und verdammt gute Vorschläge geliefert. Ich lernte ihn näher kennen und nachdem wir über seinen Lieblingskomponisten Bach gesprochen hatten mochte er mich umso mehr, weil ich tatsächlich einiges dazu sagen konnte. Er hat sich dafür eingesetzt, dass er mich auch bei den Juniors in Spanisch einsetzen kann und nicht nur für Deutsch, aber bis jetzt wurde das noch nicht genehmigt bzw noch kein Zeitpunkt gefunden, leider. Er fand es sehr cool, dass ich ein Jahr in Costa Rica verbracht habe, so we get along with each other. Apropos Englisch: auch er spricht ein wunderschönes Englisch mit sehr viel Witz, es macht richtig Spaß ihm zuzuhören und man lernt sehr viel dabei. Nach kurzer Zeit begann ich auch schon teilweise auf Englisch zu denken. Das fand ich echt super und das hat sich noch weiter gesteigert, deswegen bin ich ja hier! Mein Englisch und mein Humor wurden schon früh gelobt und ich habe von dritter Hand erfahren, dass meine Chefin sehr zufrieden mit mir war und ich generell einen guten Start hatte. Jeder Fachbereich versucht mich irgendwie für sich zu gewinnen, ich werde einfach mal alles ausprobieren und mich überall anbieten.

Die Wohnung

Meine Wohnung ist echt süß! Ich wohne in einem großen Haus an dem gerade gebaut wird, so werde ich morgens um acht automatisch auch ohne Wecker wach. Um 8:45 Uhr fängt nämlich die Schule an.

Ich habe eine eigene Wohnung unter dem Dach des Jungenhauses Hazelveare: Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer, sogar ein Arbeitszimmer und einen langen Flur mit 2 Eingangstüren, die immer offen bleiben, weil er ein Verbindungsflur zwischen den beiden Gebäudeteile ist und als Fluchtweg dient. Aber bisher musste noch keiner flüchten…Die Wohnung war etwas kahl, ich hatte auch nur einen Schrank, den normalerweise die Allerkleinsten in ihren Zimmern haben – und das für den Inhalt von 4 Koffern! Aber mittlerweile habe ich noch einen Schrank vom ‚Head of Furniture‘ bekommen und ich habe mir noch ein Kleidergestell gekauft. Waschen kann ich in der Waschküche mit drei Waschmaschinen und zwei Trocknern.

Dort habe ich auch die Möglichkeit, Wäsche aufzuhängen. Bettwäsche, Bettbezüge und Handtücher werden mir gestellt. Ich musste mir einiges Büromaterial für meinen Schreibtisch kaufen und Gummistiefel, schließlich sind wir auf dem Land. Den Kühlschrank musste ich füllen, nachdem ich das Sauerkraut gegessen hatte, was mir jemand als Willkommensgruß in den Kühlschrank gelegt hatte 🙂 Der Fernseher funktionierte nicht, was an sich kein großes Problem gewesen wäre, aber ich hätte schon mal gerne gesehen was in England so im Fernsehen läuft. (Mitte Oktober wurde er dann repariert.) Am Anfang kam tagelang nur eiskaltes Wasser aus allen Leitungen, was ich aus Costa Rica kannte, aber da waren die Außentemperaturen etwas anders….Aber beides wurde relativ bald repariert, was das Leben erleichterte!

Erster Schultag

Dann fing die Schule an! Das ist das Junior House: Hier leben die „jungen“, die so genannten First and Second Formers. Hier habe ich meine erste richtige duty gehabt und es hat echt Spaß gemacht. Die Kinder sind super freundlich und es war echt toll mit den Lehrern zusammenzuarbeiten. Eine der Lehrerinnen war sich nicht sicher, ob sie mich mal mit 25 Kindern alleine lassen konnte, aber sie hat mir dann doch vertraut und es hat gut geklappt. Da die Schüler meinen Namen noch nicht kannten, haben sie mich einfach Mr. oder auch Sir genannt. Mein Nachname ist sowieso das Lustigste hier, das kann kaum jemand ordentlich aussprechen: Bredschuläi 😀 Ich habe schon überlegt ein kleines Schildchen zu tragen, es sind nämlich schon die tollsten Varianten meines Nachnamens entstanden wie Präjura, Dracula und einfach ein gestammeltes Brredsch…

Das Junior House liegt hier sozusagen am Ende der Welt, es ist ein ziemlicher Fußweg zum Laufen, bis man zu den Unterrichtsgebäuden kommt.

Das Wunderschöne an Junior House ist, dass hier wirklich alles super ist und auch super organisiert ist. Jeder weiß wo ein Ansprechpartner ist, die Zeiten für Freizeit wie Sport, Clubs etc, Essen und Hausaufgaben sind super geplant und vor allem haben die Kinnärs hinter dem Gebäude jede Menge Platz und viele Möglichkeiten sich auszutoben, damit sie dann auch schön exhausted sind und die teachers on duty nicht mehr so viel zu tun haben :- )

Am nächsten Tag war mein erster richtiger Arbeitstag im Sinne von Unterricht. Ich zog mich ordnungsgemäß an, sprich Anzug, Hemd und Sakko. Zuerst fand ich es etwas seltsam mich morgens mit einem Anzug im Spiegel zu sehen aber ich finde es gar nicht mal so schlecht, man kommt sich dann gleich ganz anders vor und es sieht nebenbei noch ganz hübsch, manchmal sogar elegant aus. Für meine Klamotten habe ich mittlerweile viel Lob bekommen. Die ganze Kleidersache ist ziemlich reglementiert: die Schüler der Unter- und Mittelstufe tragen einheitliche Schuluniformen, die Oberstufe darf selbstausgesuchte Kleidung nach den Richtlinien der Schule tragen. Die Lehrer sollen so genannte „smart business cloths“ tragen, bei den männlichen Exemplaren heißt dies eben hauptsächlichAnzug und die Frauen tragen einfach etwas was nicht unbedingt nach Freizeitklamotte aussieht. Vergleichbar wie die Klamotten die man in den Banken trägt.

Im Rahmen meiner Vorbereitung fürs College habe ich mich intensiv auch mit folgendem Thema beschäftigt und dabei die lustigsten Seemannsknoten gelernt:
http://www.youtube.com/watch?v=8BqLPgQ13u0

Als erste Handlung an diesem Tage führte mich die Französisch- und Englischlehrerin noch etwas in der Schule herum, beantwortete mir Fragen und zeigte mir manche Gebäudekomplexe noch etwas detaillierter und weihte mich in die Mysterien der Kopiererbedienung ein. Generell ist sie eine wirklich große Hilfe und sie ist auch eigentlich meine erste Adresse bei Fragen. Auch nehme ich seit Oktober Unterrichtsstunden bei ihr für das IELTS Zertifikat, für die ich sie bezahle. Meistens sitzen wir auch zusammen im Office und machen unsere Arbeit. An diesem Tag hatte ich auch endlich meine „member of staff“ Karte bekommen, mit der ich manche Türen öffnen und die nur für die Lehrer zugänglichen Geräte bedienen kann.

Auch nur für die Lehrer zugänglich ist der staff room wo man sich trifft und auch das Mittagessen zu sich nimmt. Das Essen hier ist generell sehr gut, besser als der Ruf der englischen Küche. Freitags gibt es immer Fish and Chips. Für den Rückweg nehme ich mir immer eine heiße Schokolade mit. Auch habe ich hier immer Hunger weil man so viel zu tun hat und immer am rotieren ist, manchmal verbringe ich auch einen ganzen Tag damit einfach herumzurennen und Sachen zu erledigen wobei ich dann auch gleich meinen Sportteil abgehakt habe. :- ) Bild unten: Lehrerzimmer/Esstische

lehrerzimmer

Meine erste Deutschstunde

Anschließend begann meine erste Deutschstunde in einer 5th form, welche etwa einer deutschen Klasse mit 15-16 jährigen entsprechen würde. Das System wird ganz anders benannt als in Deutschland.

Meine Chefin/Deutschlehrerin stellte mich ein bisschen vor und klärte dann mit der Klasse die Formalitäten. Als dies beendet war durfte ich meine kleine Powerpointpräsentation über mich und meine Heimatstadt Michelstadt auf Deutsch halten. Die Klasse war sehr aufmerksam und nach jeder Folie beantworteten die Schüler Fragen der Lehrerin auf Englisch, weil es auf Deutsch zu schwierig gewesen wäre.

Aber das klappte nicht immer:
Frage von L. an die Klasse während meiner Präsentation:
„So guys, wo wurde Oliver geboren?“ Schüler: „Von Frankfurt.“

Auf eine Frage, an was er sich von meiner Präsi erinnert, sagte ein Schüler:
„Oliver wurde 815 geboren und die Stadt 1992 gebaut.“

Sie fanden Michelstadt sehr geschichtsträchtig, und es läge in einer schönen Landschaft. Nach meiner Präsentation verteilte L. Übungen und die Schüler sollten im Dialog bestimmte Themen besprechen wie z.B. welche Musik sie wann hören, wie die Ferien waren und ihre Familie beschreiben. Ich ging von Tisch zu Tisch, hörte zu, korrigierte wenn nötig und half aus bei Fragen über Vokabeln, Redewendungen oder Grammatik. Das hat mir echt viel Spaß gemacht und die Schüler waren sehr dankbar. Ich finde, dass es unglaublich lustig klingt wenn Briten Deutsch reden, das ist echt cool – Deutsch mit englischer Aussprache. Sprecht mal „Klassenzimmer“, „Schreibtisch“ und „Mülleimer“ mit der englischen Aussprache aus. 🙂

Immer wenn die Lehrperson die Anwesenheit kontrolliert, sollen die Schüler auf Deutsch antworten. Normalerweise könnte man hierbei einfach Ja oder Hallo oder Bin da sagen, aber in England ist alles natürlich ein bisschen anders. Anfangs sollten die Schüler sagen „Ja Frau XXXX, ich bin da.“ Im Laufe der Zeit hat sich das auf ein „Ja Frau“ herunter gekürzt. Nun bekommt sie 20 Mal „Ja Frau“ zu hören was ich sehr lustig finde, weil sich das mit der Weile recht bescheuert anhört. Einige Schüler haben das auch schon bemerkt und gucken mich dann immer sehr interessiert an wenn ich mir nach dem 12. „Ja Frau“ (mit britischem Akzent) das breite Grinsen verkneifen muss.

klassenzimmer-bregula

mein Haupt- Klassenzimmer

Witzig war auch folgende Situation:

Wenn die Schüler im Deutschunterricht einen guten deutschen Satz sagen, dann bekommen sie in ihrem Heft einen Smiley, generell sind besonders die Juniors smileysüchtig und würden fast alles dafür tun. Auch als kleine Belohnung habe ich immer diese kleinen Haribotütchen in meiner Tasche für besonders gute Leistungen. Ein Schüler plapperte immer öfter mal auf Englisch Blödsinn und das regte die zweite Deutschlehrerin auf bis sie sagte, er solle doch bitte mal einen „intelligent, usefull and daily sentence“ auf Deutsch zu mir sagen, welchen sie im Unterricht gelernt haben.

Er sagte: „Ein Bier bitte.“

Die Lehrerin: „Ja, dafür bekommst du jetzt einen Smiley!“

Warum sollen Schüler hier überhaupt Deutsch lernen?

Nach einer großen Pause in der ich erfolgreich meine ersten Kopien machte und im language department aushalf folgte die nächste Deutschstunde. Die Lehrerin unterrichtete die 2nd form, welche einer deutschen Klasse mit 11-12 jährigen entspricht. Zunächst jedoch ließ sie die Kinder raten wie man meinen Nachnamen schreibt. Ich muss sagen dass die Lösungen sehr kreativ waren:

  • Präjuly (Vorjuli, haha)
  • Preckula
  • Blejula
  • Bleygula
  • Blegula (getting closer, für viele Briten hört sich das deutsche, verschluckte r wie ein l an)
  • Bregulä (close but wrong)

Dienstags sollte ich mit einem Lehrer, der freundlicherweise angeboten hat mich zu fahren, nach Woking, wo ich meine national insurance number bekommen sollte. Diese ist im UK vonnöten, da eine Versicherungsnummer gebraucht wird um bezahlt zu werden. Wir trafen uns um 9 Uhr vor meinem Haus und ich war positiv überrascht, dass es sich um den Ehemann der Head of Math, handelte, der mich auch am Wochenende nach London Camden gefahren hatte. Diese Nummer ist nun wichtig für meine Bezahlung und meine Akte in London. In ein paar Wochen sollte ich diese hoffentlich kriegen und dann auf einen Schlag mein Gehalt bezahlt bekommen. Wir fuhren also zum Job Center in Woking, um alles zu beantragen. Auch fragte ich ihn wie ich am besten nach Basingstoke und Hook komme, und von dort nach London. Es fährt ein regulärer Bus, aber auch ein Zug. Eine Zugfahrt von Hook nach London Waterloo kostet 20 Pfund, so dass ich mir noch eine junior railway card bestellte.

In Woking angekommen kamen wir im Job Center auch gleich dran und ich musste eigentlich nur ein paar Formulare ausfüllen und meinen Reisepass kopieren lassen. Nach etwa einer halben Stunde konnten wir auch schon wieder gehen und während der Fahrt sprachen wir noch etwas weiter über Geschichte.

Jedoch ist es dann so gewesen, dass die Versicherungsnummer dann Ende September kam und ich mein Gehalt komplett für September bekam und vom Sekretariat erfuhr, dass das mit der wöchentlichen Zahlung, was auch im 2. Vertrag stand, den ich nochmal mit einer detaillierteren Stellenbeschreibung Ende September bekam, nicht richtig ist, denn es gibt nur monatliche Zahlungen. Mein Konto bei der Lloyds Bank hatte ich mit meiner Chefin gleich am Montag nach meiner Ankunft eröffnet. Dafür bekam ich eine EC-Karte, die gleichzeitig eine Kreditkarte ist, was ich so aus Germany nicht kenne. Und es gibt noch richtige Schecks in good old England!

Aber zurück zum Unterricht; bei einer neuen Klasse machte ich wieder meine Präsentation über mich und Michelstadt was sehr gut ankam. Ich war dieses Mal bei dieser Klasse sehr erstaunt wie viel sie wirklich verstanden haben, wenn natürlich auch nicht alles, das wäre dann das Maximum gewesen, aber dennoch konnten sie alle Fragen der Lehrerin echt gut beantworten und fanden es auch interessant. Die Schüler beantworten die Fragen dann auf Englisch, wie ich schon einmal erwähnt habe, weil es auf Deutsch zu schwierig wäre. Selbstverständlich versuche ich dabei so deutlich wie möglich zu sprechen, aber ich wurde schon sehr für meine klare, deutsche Aussprache gelobt. Meine Präsentation ist sehr gut angekommen und viele meinten es sei interessant gewesen. Da ich jetzt aber schon in allen Jahrgangsstufen war muss ich sagen dass das Niveau des Deutschen hier nicht gerade hoch ist, wobei die Schüler hier zwei exzellente Lehrerinnen für Deutsch haben!! Beide sind echt super und viele Schüler müssten sich wirklich mal etwas mehr anstrengen und das zu schätzen wissen, was sie hier geboten kriegen. Jedoch ist es für alle schwer, in 2–3 Unterrichtsstunden von nur 30–35 Minuten Dauer (eine englische Schulstunde) gut eine Fremdsprache zu lernen. Ich ging herum und half den Schülern so gut es ging bei ihren Aufgaben, teilte Blätter und Übungsbücher/Wörterbücher aus oder hielt small talk mit den Schülern auf Deutsch oder Englisch.

Jedenfalls war es zwar eine simple Aktion aber es hat dennoch Spaß gemacht weil man dabei sehr gut Umgangsformen und small talk üben konnte, s.o. Der englische Small talk ist sowieso ganz anders als in Deutschland, das wird bestimmt sehr nützlich das hier zu lernen, besonders gut komme ich auch mit dem Humor der Menschen hier klar und andersrum ebenso. Ich finde es einfach unglaublich witzig wie man mit der englischen Sprache Witze machen kann, find ich klasse! 😀 Das ist oft eine so coole Situationskomik die ich sehr mag oder einfach nur der typische, englische Sarkasmus, den man aber auch sofort versteht was in Deutschland manchmal nicht so der Fall war. Einmal stand ich zufällig neben dem Spanischlehrer und ein Haufen von Schülern bewarf ihn mit Fragen die er alle versuchte zu beantworten aber keine wirklich beantworten konnte. Eine Musiklehrerin und ich standen daneben und meinten dann ironischerweise, dass er einen guten Job gemacht hätte. Er begann zu lachen und meinte: 

„What a wasting of time, I didn’t do a great job, I couldn’t help any of them to find an answer for their question, haha. Welcome to Junior House, the daily madness where failure means success, because even if you don’t have a clue what to do the people are still thankful. Oh man I am getting old, Oliver, what do you think about that?“

„Well, sorry for you but in my point of view you tried it at least.“

„No, no Oliver, you have to say: „No Sir, you’re not old.“

„Oh, no, you’re not old, you look like a young smart man in it’s golden 20ies.“

„Thats my man!“

Von 16.30 bis 18.00 Uhr habe ich dann diese duty im Junior House zweimal pro Woche. Ich gucke dabei dass sich die Schüler wohlfühlen, nichts dreckig machen, nicht in den Korridoren zaubern oder rumturnen und bin generell Ansprechpartner, helfe beim Aufräumen und unterstütze die teachers on duty im Allgemeinen. Im House mit den ganzen jungen Schülern ist es oft hektisch aber schön. Die freuen sich immer total wenn man da ist und mal rumalbern kann oder auch einfach mal nette Konversionen zu führen. Vor allem habe ich ja als Assistant und der guten Erfahrungen des JH mit den Deutschassistenten einen guten Ruf. Nur manchmal muss ich einige (hauptsächlich die Jungs) daran erinnern, dass sie zwar mit mir auch mal einen Witz machen können, ich aber immer noch member of staff bin.

Mit den Schülern der 4th und 5th Klassen mache ich oft Einzelstunden. Um individuell besser mit ihnen zu üben hatte ich z.B. ein kleines Memoryspiel gemacht mit je einem Bild und einer dazugehörigen Beschreibung für Aktivitäten in ihrer Freizeit und Hobbies. Dies hat gut geklappt und dann habe ich natürlich, nachdem sie den Satz gesagt haben, einige fiese Fragen auf Deutsch gestellt, die sie dann beantworten sollten in einem deutschen Satz, der Sinn macht. Die Sätze zu formulieren war für viele recht einfach aber auf meine eigentlich recht simplen Fragen zu antworten war dann schon für viele zu schwierig. Aber sie haben ihr Bestes gegeben und ich bekam ein viel klareres Bild über die einzelnen Schüler und das Level, welches sie in Deutsch haben. Ich denke das war ganz gut und das werde ich mit dieser und anderen Klassen bestimmt noch öfter machen.

Hier ein paar Wortwechsel:

ich: You have to say „Ich spiele gerne mit der Gitarre, nicht: in der Gitarre.“

ich: Wie heißt du? Schüler: Am 8. Mai

ich: Wann spielst du Fußball in deiner Freizeit? Schüler: Ja.

Schüler: Sir, is there any big difference if I use other prepositions?“
„What do you mean? Like auf, um, ent, zer, ge and so on? Präfix and Suffix?“

„Exactly“
„Yes of course, there is a big difference, even if you are using the same verb.“

„Like what?“
„Lets take „führen“, to guide: there is always an other signification if you say: Ich führe jemanden, ich führe auf, ich führe ihn zum Platz, ich entführe meine Traumfrau..“

„Sorry I still do not get it, you have another example?“

„Or aufsetzen, umsetzen, zersetzen, gesetzt, entsetzen, setzen“

„There is a big difference if you say: um jemanden fahren or jemanden umfahren.“ (ich übersetzte alles)

„Aaaah now I see, thank you so much!!“

„Hey Oliver, whats hedgehog in German?“ “ Der Igel.“
„Oh really? Like the bird?“
„What? Ah, I see, no no, its I-G-E-L“

„Ooouuuhh, alright, but so I can remember it, the eagle-igel. Thank you.“
„Glad I could help you.“

office-language-department
Dies ist das Office im Languages Department und ich sitze vorne links.

Die nächsten Unterrichtsstunden waren dann in der 5th form, die manchmal etwas kompliziert ist. Aber ich habe es nun etwas besser unter Kontrolle und als mich einer der Schüler, der mich manchmal versucht zu veräppeln, fragte, was meiner Meinung nach die wichtigsten Gründe für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges waren, weil sie das gerade in Geschichte machen, konnte ich natürlich nicht an mich halten und laberte ihn auf Englisch zu. Ich begann zunächst mit einem kleinen Rückblick des Imperialismus und der Rivalität, mehr Kolonien als der andere zu haben, leitete über zum Chauvinismus der europäischen Länder, der Politik von Wilhelm I., und den Gesellschaftsgeschichten, den Hintergründen und der Flottenpolitik des Kaisers, Erzeugen von Feindbildern, das Scheitern des Bismarck- Außenpolitik, das Kaiserreich als Wirtschaftsmacht etc. Ich war noch nicht mal ganz fertig, die Basisinformationen darzustellen, da meinten die Schüler um mich herum schon, dass meine Informationen sehr deep“ seien und plötzlich waren fast alle still und hörten mir zu. Ich hatte ein besseres Image bekommen, da ich jetzt auch mal gezeigt habe, was ich so aus dem Ärmel schüttel ;D

Modern Foreign Languages Department

Der Modern Foreign Languages Department-Eingang, der hauptsächliche Arbeitsraum in dem wir uns treffen, unserer Arbeit nachgehen, plaudern, einen Kaffee/Tee trinken und arbeiten.

Das MLD ist nicht nur bemüht moderne Fremdsprechen schulisch zu lehren, sondern diese auch spielerisch in Aktionen und Projekten umzusetzen. Einige davon werde ich ebenfalls anbieten.

Ein Problem am Anfang war, dass ich auf meinem Handy keine gescheite Internet­verbindung habe und ich mit meinem Laptop nicht auf das Intranet der Schule zugreifen kann. Dies ist jedoch wichtig, damit ich auf die öffentlichen Informationen und Daten zugreifen kann. Es war jedoch die Simkarte defekt, und das Problem löste sich mit der neuen Simkarte. Jedoch ist die Internetverbindung generell schlechter als sogar bei uns im dicksten Odenwald. Damit ich genauer weiß was ich noch selbst gestalten kann (seien es Übungen oder Arbeitsblätter) muss ich eben wissen welche Materialien schon vorhanden sind und welche nicht. Meine Vorgänger hier haben schon ganze Arbeit geleistet und die beiden Lehrerinnen haben ja selbst natürlich auch zu jedem Thema Übungen und kleine Spielchen. Manchmal frage ich mich, was ich mir überhaupt noch ausdenken kann. Ich habe dann erstmal ein kleines Memoryspiel vorbereitet, mit welchem die Schüler ihre Hobbies sagen üben können. In den freien Stunden während der Schulzeiten bin ich hauptsächlich damit beschäftigt irgendetwas vorzubereiten, den Lehrern zu helfen und/oder Informationen zu sammeln, mich zu organisieren oder Ideen zu sammeln. Ich bin immer froh wenn ich helfen kann oder Aufgaben zugeteilt bekomme. Das können schon aufwendigere sein wie dabei zu helfen den Ausflug nach München um Juni 2014 (zu dem ich mitkommen werde) zu organisieren bis hin zu recht simplen Aufgaben wie Ordner rumtragen, Blätter austeilen oder neue Kaffeepads holen.

Nachmittags traf ich den Spanischlehrer der mich dann zur Essenshalle mitschleppte wo ich dann die große Ehre erhielt, den Job des „pie-guy“ zu spielen, soll heißen, dass ich eine kleine Zange bekam und den Kuchen und anderen Süßspeisen auf die Teller der Schüler legen durfte.

Essenshalle, meine Wirkstätte als Pie-Guy

D. war dankbar dafür weil sonst er das hätte machen müssen, so konnte er sich besser auf das Abhaken und Registrieren der anwesenden Schüler konzentrieren. Vielleicht werde ich das am Mittwoch in meiner nächsten duty für ihn oder den amtierenden Lehrer übernehmen.

Während meiner duty als pie guy fragte mich ein Schüler, den ich vom Deutsch­unterricht her kenne, ob er noch ein Stück Kuchen haben könnte. Ohne Kampf kein Mampf natürlich und ich fragte ihn, was denn die Hauptstadt von Deutschland sei und er antwortete selbstsicher: „Dublin!“

Sein Freund daraufhin: „What? Dublin? That’s from Ireland, the capital city of Germany is Berlin you geek!“

Aber ich fand’s so lustig, dass er trotzdem sein Stück Extrakuchen bekam. 😉 Nachdem ich dann also als pie guy die Kuchenstückchen verteilen durfte, bekamen wir auch noch etwas zu essen, bevor es dann zur „Prep“ ging. Für die preparation gibt es drei große Räume, in denen die Schüler leise und in Einzelarbeit ihre Hausaufgaben erledigen sollen. Nicht reden, nicht aufstehen, keine Sachen ausleihen (wer seinen Kram nicht beisammen hat, hat Pech gehabt), nicht lachen und bestenfalls nicht atmen. Wenn jemand eine Frage hat oder Hilfe braucht dann hebt er/sie den Arm und ich dackel dann zu ihm/ihr hin. Dies ist eigentlich meine richtige duty dort, während der prep auf die Kinder aufpassen und helfen wenn nötig. Nach der prep (Hausaufgabenzeit) bekam ich sogar von einigen Süßigkeiten weil ich so „awesome“ bin und fragten ob ich morgen wiederkäme, das war ja schon süß, anscheinend mögen die mich. 😀

Ich fand es allerdings nach vier Wochen in der 4th und 5th form ziemlich seltsam dass wir immer noch Hobbies und Freizeitaktivitäten durchnahmen. Aber ich wiederholte einfach die Fragen und ging auf Details ein. Dies hat gut geklappt und dann habe ich natürlich nachdem sie den Satz gesagt haben einige fiese Fragen auf Deutsch gestellt die sie dann beantworten sollten in einem deutschen Satz, der Sinn macht. Die Sätze zu formulieren war für viele recht einfach aber auf meine eigentlich recht simplen Fragen zu antworten war dann schon für viele zu schwierig. Aber sie haben ihr Bestes gegeben und ich bekam ein viel klareres Bild über die einzelnen Schüler und das Level welches sie in Deutsch haben. Ich denke das war ganz gut und das werde ich mit dieser und anderen Klassen bestimmt noch öfter machen.

In der Woche darauf half ich, im department eine Wand von ihrer alten Folie zu befreien und habe mit einer Lehrerin eine neue draufgetackert, als Vorbereitung für den Language Day Ende September. Das sieht jetzt richtig gut aus, allerdings verleiht der pinke und rosane Rand der Wand einen leicht „girly“ Ausdruck … Vorher hatte ich von dieser Wand die laminierten Fotos der language department Ausflüge nach Boppart, Paris, Berlin und Freiburg abgehängt. Damit man diese schnell wiederfindet und weiß, welche Fotos zu welcher Reise gehören, habe ich natürlich eine große Box genommen und alle Bilder je nach Ausflug sortiert und die dazugehörigen Reißzwecken in ein kleines Döschen getan. Die Chefin vom Department meinte dazu als ich ihr mein System erklärte, dass sich so etwas produktives nur ein Deutscher hätte ausdenken können. =) Nach dem Language Day habe ich die Fotos dann wieder aufgehängt.

An einem Nachmittag spielt die Lehrerschaft auf einem der Sportplätze Fußball. Ich sollte mitspielen, hatte mir extra aufgrund der Empfehlung meines Vorgängers Schienbeinschoner mitgebracht….Ich warnte gleich am Anfang einige der Lehrer, dass ich vorher in Deutschland nie Fußball gespielt und daher überhaupt keine Übung habe. Sie meinten nur, ich solle mit Spaß dabei sein und den Ball zu den Leuten mit gleichem Trikot spielen :- ) Ich merkte jedoch ziemlich schnell, dass der staff hier verdammt gut ist und ich eher wie ein Toast hinterherlief und versuchte den Gegner zu decken oder einen Stürmer zu blockieren.

Beides ist mir mehr oder weniger gelungen, da ich einfach viel zu schnell aus der Puste gekommen bin. Zwar konnte ich mal ein paar gute Pässe machen oder sogar mal jemanden erfolgreich blocken oder unterstützen, jedoch war ich nicht wirklich ein Hindernis, vor allem nicht für die Sportlehrer. Nach dem Spiel war ich völlig fertig und ich glaube ich hatte mich auch leicht erkältet weil es hier die erste Woche ziemlich warm war und dann plötzlich kälter wurde. Wir hatten in dieser Woche anfangs ziemlich viel unbritische Sonne, aber dann begann das englische Klischeewetter. Die nächsten Tage kroch ich dann mit Muskelkater von Zimmer zu Zimmer.

Am Freitagmorgen, 13.9. lud mich meine Chefin zu einem anglikanischen Gottesdienst ein. Zunächst war ich, noch recht verpennt, auf einen Schlag hellwach, als auf einmal ein donnerndes Orgelspiel durch die Halle dröhnte und mich zusammen mit einigen Dutzend anderen Schülern aufschreckte. Passend zu einer etwas schnelleren Musik schritt der Schulleiter wie der Imperator durch die Halle und alle standen auf. Vorne angekommen sagte er „everybody sit down, please“ und alle setzten sich fast zeitgleich hin, das hat schon einen guten Eindruck gemacht. Daraufhin folgte ein Lied auf der Orgel, ein klagendes Kirchenlied, welches von dem Spanischlehrer gespielt wurde. Im Anschluss daran hielt der Schulleiter eine aufbauende Rede, in welcher er die Schule beschrieb, die Ziele aller darstellte und den jüngeren Schülern gezielt als Herz legte, sich Ziele zu setze, hart dafür zu arbeiten und sich folglich gut zu organisieren, ‚because planning is the key to success‘. Ich habe es schon immer gewusst. 😀 Jaja, das ist ein sehr kluger Mann – schon unter den Römern war es bekannt, dass man mehr Schlachten durch intensive Vorbereitung und guter Planung gewinnt als durch Waffenstärke :- )

Nach der Rede drückte mir meine neben mir sitzende Kollegin ein Gesangbuch in die Hand mit dem Emblem der Kirche von England auf dem Buchcover. Sie zeigte mir die Seite und dann sangen wir ein paar Kirchenlieder, die ich natürlich nicht kannte, aber ich versuchte mitzusingen. Zum Schluss folgte die Schulhymne, welches ein Pilgerlied – aus dem 18. Jahrhundert glaube ich – ist, und von der Liebe zu Gott und dem Leben als Pilger handelt. Zwar kannte ich dieses auch nicht, aber die Melodie war recht einfach und so konnte ich es mir im wahrsten Sinne des Wortes schnell zusammenreimen.

Am Freitagabend der zweiten Woche war das so genannte „dining in“, was bedeutet, dass alle neuen Mitglieder im Lehrerkollegium der großen LWC- Familie endgültig willkommen geheißen und aufgenommen werden. Dies ist einer der top 5 der formellen Abenden, also schön schick machen! Es bestand eine Kleiderordnung aus: Abendkleidern für die Damen und ‚black tie‘ (=smoking) Kleidung für die Männer. Glücklicherweise hatte ich meinen Smoking in einem der vier Koffer mitgenommen und konnte mich dementsprechend in die gut aussehenden Menschen einreihen. ;D Generell muss ich das Kollegium des LWC sehr loben, ich habe selten unter so gebildeten Erwachsenen so einen starken Zusammenhalt und eine Freundlichkeit gesehen, schon gar nicht unter Lehrern. Das habe ich mir auch sehr zum Vorbild genommen, das LWC ist einfach eine klasse Schule!! Manchmal überlege ich mir ernsthaft, ob ich nicht nach einer gewissen Zeit als Lehrer in Deutschland mich im LWC als Lehrer für Geschichte, Englisch und Spanisch bewerben soll. Ich komme mit dem System hier einigermaßen klar, auch wenn ich vieles noch nicht verstehe und ja immer noch Befehlsempfänger bin, aber so komme ich mir eigentlich nicht vor und ich werde auch nicht so behandelt, im Gegenteil, die Lehrer sind oft sehr höflich und dankbar, wenn ich mit ihnen rede oder helfe. Des Weiteren bin ich ja auch andauernd von englischen Muttersprachlern umgeben, was ich sehr angenehm finde und meinem Englisch richtig gut tut. Verstehen tue ich mittlerweile eigentlich alles, nur ich kann mich noch nicht so gut ausdrücken wie ich es gerne hätte oder es im Deutschen könnte. Aber daran werde ich im Laufe der Zeit natürlich arbeiten. Die Tradition der German Assistants reicht mittlerweile schon sechs Jahre zurück, ich bin Nummer 6. Mir ist es sehr wichtig, diese Erfolgsreihe fortzusetzen und meine Chefin meinte, dass ich das garantiert super hinkriege und mit meiner momentanen Arbeitsweise sicher gut weiterführen werde, auch wenn mir natürlich manchmal Fehler und Missverständnisse über den Weg laufen aber ich versuche immer daraus zu lernen und es das nächste Mal besser zu machen.

Zurück zum dining in 😀

Bevor es losging regnete es natürlich. Wir gingen entlang der Hauptstraße zur dining/tea hall und stapften durch den Regen. Wie auf dem Bild unten sieht die dining hall normalerweise aus.

dinig-room

In dieser Dining/Tea Hall gibt es auch immer ein echtes englisches Frühstück: mit gebackenen Bohnen, gebutterten Toast, Marmelade, Ei, Orangensaft, Kaffee und Aufschnitt – einfach super!!!

Angekommen war ich überwältigt vom Anblick der dining hall die eine hochdekorierte Veränderung durchgemacht hat. Die Tische waren in Reihen aufgestellt worden und mit grünen und gelben Servierten gedeckt, weiße Teller und silbernes Besteck lagen fein säuberlich neben kunstvoll gefalteten Servierten zwischen großen silbernen Kerzenleuchtern, Namensschildchen (ich hatte meines am Anfang nicht gleich gefunden weil jemand seine Handtasche darauf gelegt hatte -.- ) und weiteren Dekorationen. Neben den Tellern lagen die Bestecke für drei Gänge. Doch bevor das Abendessen serviert wurde konnte man sich an einer kleinen karibisch dekorierten Bar Bier, Brot, Wasser oder einen karibischen Punsch holen. Letzterer schmeckte echt gut und ich gönnte mir zwei von diesen. Ich schlenderte zwischen den schwarzen Kollegen und bunten Kolleginnen umher und hielt immer mal wieder an, um mit bekannten oder neuen Gesichtern ein bisschen small talk zu treiben. Einer der Geschichtslehrer bat mich, seine Klassen zu besuchen, sobald sie das Jahr 1933 erreichen, weil er sich mit dem deutschen Nationalsozialismus nicht so auskenne und er gehört habe, dass ich in Geschichte doch ganz bewandert sei. Ich fand das sei eine großartige Idee und wir tauschten Emailadressen aus. Auch traf ich den lustigen Ehemann einer anderen Deutschlehrerin wieder mit dem ich mich super verstehe und der ein echt tolles, witziges Englisch spricht. Gott ich liebe das einfach wie die mit Englisch Wortspiele und Witze machen, das ist einfach so geil, wenn ich doch nur auch so reden könnte! Nach etwa einer halben Stunde begaben sich alle zu ihren Sitzplätzen und ich saß zufällig neben der Ehefrau von einem neuen Biologielehrer, mit dem ich im Junior House zusammen duty habe. Mir gegenüber saß ein anderer Lehrer mit seiner Frau und zu meiner Rechten ein junger, sympathischer Mathelehrer. Ich weiß, letzteres passt eigentlich nicht so zusammen, aber in diesem Falle stimmt es und er hat auch eine sehr nette und hübsche Freundin die mir schräg gegenüber saß. Mit allen hatte ich dann im Laufe des Abend echt schöne Gespräche und generell war der Abend einfach der Wahnsinn und echt fantastisch für mich, den werde ich auf jeden Fall in sehr guter Erinnerung behalten. Der nächste wird dann allerdings mein dining out sein…

Nach der Vorspeise (kräftigte Fleischsuppe) und dem Hauptgang (chili con carne mit Beilage – ausgerechnet, in Costa Rica hatte ich das 320 Tage 3 x täglich) und dem Nachtisch (ordentliche Portion Eis) folgten dann die Willkommensreden der alten Lehrer für die neuen Lehrer.

Einer der Lehrer, die ich kenne (er war mal im Pub dabei mit dem ich über deutsche Politik und Wirtschaft diskutiert habe, was viel Spaß gemacht hat), hielt dann erstmal ein paar Minuten lang eine Eröffnungsrede. Dann übergab er das Wort an die Kontaktlehrer der neuen Lehrer, welche dann eine zweiminütige Rede über ihren Schützling hielten und sie somit letztendlich offiziell willkommen hießen und damit jeder die neuen Lehrer nochmal richtig kennenlernte.

Die Reden der jeweiligen Lehrer für die neuen waren allesamt sensationell und echt gut geschrieben, einer hielt seine Rede in Gedichtform ab und ein anderer tat die ganze Zeit so als wüsste er nicht was er sagen wollte, was sehr lustig war. Insgesamt waren die Reden aber deshalb so außergewöhnlich und beeindruckend für mich weil sie sehr auf die individuellen Stärken der Person ausgerichtet waren, das Neue und Gute, was der Lehrer bisher fürs department gemacht hat und die neuen Ideen und die gute Arbeitskraft des neuen Lehrers wurden hervorhoben. Die Wünsche und speziellen Fähigkeiten der Person wurden sehr schön beschrieben, was ich sehr gut fand. Es ist mir generell aufgefallen, dass zwischen den Lehrern hier eine große Kollegialität herrscht und ein enger, freundlicher Kontakt und Umgang vorhanden ist. Die schulische Gemeinschaft der Lehrer wird hier sehr ernst genommen und generell ist hier eine exzellente Arbeitsmoral am Werk, was auch gefordert und unterstützt wird, was ich klasse finde. Genau das macht vieles angenehmer und einfacher im sozialen Bereich.

Auch für mich als neues Mitglied im Kollegium hielt meine Chefin eine kleine Rede, die ich echt schön fand, hier ist sie, natürlich hat sie sie auf Englisch gehalten:

„Oliver kommt aus der Nähe von Frankfurt aus einer Stadt namens Michelstadt und ist der neue Deutschassistent und wird sicherlich die gute Arbeit seiner Vorgänger fortsetzen. Er hat eine super erste Zeit hier gehabt und wir haben einen sehr guten Eindruck gehabt. Er konnte schon in seinen ersten Wochen viel gute Arbeit verrichten und konnte mit guten Ideen dem modern foreign languages department helfen. Schnell bestätigte er sein Interesse in Geschichte, Sprachen, Reisen, Kultur, Sprachgeschichte und wir können davon sicher profitieren. Ein lustiges Erlebnis was als er „Prideaux“ in jedem englischen Wörterbuch suchte und es nicht fand. Er hat einen schönen Humor und das language department freut sich sehr mit ihm zusammenzuarbeiten und dass er bei uns all die wertvolle Erfahrung sammeln kann um seinen Entschluss endgültig zu festigen, in Deutschland auch Lehrer zu werden.“

Zur Erklärung: Auf der Einladung zum Dining In stand „In Prideaux in case of rain.“ Ich dachte zunächst es wäre die vornehme englische Variante von „Im Falle von Regen findet die Feier im Saale statt.“ Folglich durchsuchte ich jedes Wörterbuch, weil ich es genau wissen wollte, konnte Prideaux jedoch nicht finden. Später erfuhr ich, dass es ein Personenname ist, nach dem das Gebäude benannt wurde, in dem die Feier stattfinden sollte…. witzig!!!!!!!!!

Nach dem Unterricht bietet die Schule eine große Anzahl an Aktivitäten an, ich selbst werde einige Clubs leiten und/oder mitgestalten.

Was werde ich in den Clubs machen? Also die Clubs sind sozusagen AG’s, die während oder nach der regulären Schulzeit von allen members of staff angeboten werden können. Jeder Club geht etwa eine halbe Stunde und hat maximal 16 Mitglieder. Laut Plan werde ich hoffentlich den German Football Club, den German-English Club für die Juniors, den German-English History Club für die Klassenstufen 8–10, den German conversation club und den Junior Languages Club (mit-)machen. Was machen wir da oder was ist die Idee dahinter?

Also im German Football Club werden wir Fußball spielen und vorher werde ich den Kinnärs ein paar deutsche Vokabeln beibringen, welche sie dann auch beim Spiel benutzen sollten wie passen, Ecke, Tor, Foul, Spieler, Sturm, Mittelfeld und so weiter. Auch würde ich dann ein paar Bilder von deutschen Nationalspieler zeigen und über diese dann sprechen (vermutlich wissen die Juniors darüber besser Bescheid als ich) und vielleicht auch mal einen Ausschnitt von einem Deutschlandspiel auf youtube ansehen, das ist bestimmt interessant für sie. Viele kennen einige deutsche Städte vom Fußball her wie Berlin, München, Dortmund und Frankfurt. Nachdem wir ca. zehn Minuten deutsche Fußballwörter und Ausdrücke gelernt bzw. allgemein über den deutschen Fußball gesprochen haben werde ich sie den Rest der Zeit spielen lassen.

Beim German-English Club für die Juniors werden wir über Deutschland und England reden im Allgemein wie Geographie, Strukturen, die Deutschen und Engländer an sich, selbstverständlich auch etwas aus der Geschichte und allerlei Wissenswertes über unsere Länder. Ich denke immer ein kleiner Clip zum Anfang, der dann ein bestimmtes Thema einleitet ist bestimmt ein guter Anfang.

Die nette Hintergrundgeschichte hiervon ist, dass eines Tages einige der Juniors begannen, mir alle möglichen Fragen über Deutschland zu stellen und als es immer interessanter wurde, meinte ein Schüler, den ich auch in Deutsch habe, ob ich denn nicht Lust hätte einen German-English Club anzubieten, in dem wir ohne Notendruck über alle Themen sprechen können die spannend für uns sind, weil er gar nichts über Deutschland wisse. Dies fand ich natürlich sensationell und sprach auch einige Tage später mit meiner Chefin und dem Chef vom Junior House. Beide meinten, es sei eine großartige Idee und vermutlich werden wir dienstags nach der Schulzeit den Club anbieten, hoffentlich gibt es für alle Clubs auch genügend interessierte Schüler – für mindestens drei würde ich es machen. Aber vermutlich wird es erst nach Weihnachten stattfinden, da jetzt schon alle Zeiten für die Clubs belegt sind.

Ein ähnliches Prinzip werde ich dann auch beim German-English History Club für die Klassenstufen 8–10 anbieten. Hier wird es hauptsächlich um Geschichte, Politik und Wirtschaft gehen, aber auch um alles andere, was für die Schüler von Interesse ist, da bin ich recht offen. Aber ich werde auch Wert darauf legen, dass ich aufzeige, dass Deutschland auch eine spannende Geschichte vor 1900 hat. Der German conversation club ist im Wesentlichen für Schüler, die Deutsch haben und ihr Deutsch noch weiter verbessern möchten in Gesprächen über bestimmte Themen. Es gibt viele interessierte Schüler, aber einen gemeinsamen Zeitpunkt zu finden ist echt unglaublich schwer.

Junior Languages Club

Der Junior Languages Club ist für Juniors die Deutsch nicht als Unterrichtsfach haben und es aus Spaß an der Freude mal ausprobieren möchten, sowie für alle andere Sprachen. Es gibt dann jeweils drei Fachlehrer der jeweiligen Fremdsprachen und mich, die sich Spiele und Projekte ausdenken und in dem Club können wir eigentlich alles machen was wir wollen, was Spaß macht.

Am 26.09 sollte der lang geplante International Language Day stattfinden. Einige der internationalen Schüler hatten Süßigkeiten, Kekse, vor allem Kuchen etc aus ihrem Heimatland mitgebracht, eingekauft oder wie in meinem Falle gebacken. Zur Feier des Tages hatte ich mir meine deutsche Krawatte angezogen und war das highlight des Tages. Man nannte mich den man of tie und ich bekam viel Lob dafür, was mich sehr freute. Eine mit dem Union Jack als Motiv habe ich natürlich auch. 😉

Die „deutsche“ Ecke war natürlich zuerst fertig und sah auch echt gut aus. Der eckige Kuchen ganz links ist meiner. =). Die Infoblätter über deutsches Essen sind ebenfalls von mir.

Ich hing einige von mir entworfene Infoposter an den Wänden auf und legte einige auf die Tische, die interessiert gelesen wurden und die ich auch später in MFL aufhängte. Die beiden großen Schokoladenkuchen mit einem Hariborand und ILD (International Language Day) aus Haribobären sind von mir. Die hatte ich einen Tag zuvor gebacken.

Auch hängten wir die Nationalflaggen von Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland vor die Fenster, damit sie schön leuchteten und an die Wände „Hallo, wie gehts?“ auf Blättern in 41 Sprachen.

Der Cake sale war schon auf vollen Touren als ich ankam und ich half dann weiter aus. Alles in allem dauerte es etwa eine halbe Stunde und wir hatten alle Hände voll zu tun die anstürmenden Schülerscharen mit Leckereien zu versorgen, besonders die Juniors und die Lehrer, die total durchdrehten beim Anblick von jede Menge Haribo, super Kuchen, Lebkuchen, Prinzenrolle, meinem Schokoharibokuchen, Smarties, Marmorkuchen und Plätzchen.

Am Ende der break war kaum noch etwas übrig, vor allem nachdem die Lehrer zugeschlagen hatten, und den Rest brachten wir dann ins Lehrerzimmer wo sich der übrige Stab dann vergnügen konnte und dies auch fleißig bezahlend tat. Von meinem Kuchen hatten wir uns für unser department dann noch etwas aufgehoben für schlechte Zeiten und Notsituationen. Die Head of MFL war begeistert von unserer Arbeit und dankte mir sehr für meine Backmühen, weil meine beiden Kuchen insgesamt 25 Pfund (ein Kuchenstück für 50penny) eingebrachten (alles in allem machten wir 129 Pfund). Nach dem Aufräumen hatte ich noch eine Stunde zum Besprechen der Planungen für das German Department und ging dann ins JH.

Zwei der Lehrerinnen fahren in den ersten Ferien auf Klassenfahrt mit der 4th form Französisch nach Toulouse und baten mich ihr bei den Vorbereitungen zu helfen. Sie hatten 40 kleine, rote Bücher besorgt in denen die Schüler Notizen und Vokabeln während der Reise aufschreiben können was sich in den letzten Jahren sehr bewährt hat. Auf die Innenseite des vorderen Covers sollte eine Kopie vom Reisepass, auf den Buchrücken die Adresse der französischen Schule und die ganzen Daten und Telefonnummern, auf die Vorderseite den Namen des Schülers und dann noch einen kleinen Infotext für Notfälle, nach der Art „Ich bin ein englischer Austauschschüler, bitte helfen Sie mir.“ Sie erklärten mir also was ich wie wo aufkleben, kopieren und schneiden sollte und fragte, ob ich das in drei Tagen hinbekommen könnte. Das wäre okay, weil noch fünf Schüler ihre Pässe einreichen müssten. Da ich schwer einschätzen konnte, wie lange es dauern würde, diese Büchlein zu machen und den Infotext für jeden der über 40 Schüler, sagte ich: vielleicht schaffe ich es bis morgen. Überrascht zog sie die Augenbrauen hoch und meinte das wäre absolut fantastisch wenn ich das so schnell machen könnte. Also beendete ich noch schnell die anderen Aufgaben, die ich machen sollte und begann dann die Reisepässe, Infoblättchen und Datenblätter zu kopieren, zurecht zu schneiden und aufzukleben. Nach 90 Minuten hatte ich alles erledigt und trug alles fertig zu den Lehrerinnen ins Klassenzimmer. Das war ein sehr lustiger Moment für mich, weil sie völlig überrascht aufblickten und es kaum fassen konnten, dass ich schon alles erledigt hatte, wofür sie bis zu drei Tage eingeplant hatte. Das ist eine der Hauptaufgaben von Assistants, die Aufgaben zu erledigen, wofür die Lehrer viel Zeit brauchen und keinen Nerv haben :- ).Aber ich habe viel bei dieser Aufgabe gelernt. Sie meinten, das sei halt wieder mal typisch deutsch, haha. Als dann am nächsten Tag die restlichen Schüler ihre Pässe brachten, konnte ich es ganz fertig machen.

Unter der Woche habe ich hier sehr viel zu tun, meine to do Listen füllen sich ständig und meistens bin ich zehn Stunden am Tag schulisch beschäftigt. Jeden Tag bin ich von 08:45 bis 15 Uhr im department und arbeite meistens danach noch bis 17:30 dort weiter, dann gibt es Abendessen und dann gehe ich nach Hause wo ich bis 22 Uhr weitermache. Montag und Donnerstag bin ich von 16:30-19 Uhr im Junior House, aber auch danach versuche ich bis 22 Uhr so vieles wie möglich zu erledigen. Es klappt nicht immer aber ich versuche alle ganz nach deutscher Gründlichkeit und Effizienz zu erledigen :- ). Dies wurde hier auch schon wohlwollend zur Kenntnis genommen und die head of department meinte, nachdem ich eine ganze Seite mit Aufgaben für sie nach zwei Tagen gemacht und auf ihren Schreibtisch gelegt habe, dass ich zu effizient bin :- ) – hat mich aber sehr gefreut.

Allerdings packt mich spät abends dann noch mal der Hunger, weil es ja um 17.30 h schon Abendessen gibt, und dafür brauche ich dann den gefüllten Kühlschrank, auf eigene Kosten, was etwas blöd ist wegen der komplizierten Vorratshaltung und der eingeschränkten Kochmöglichkeiten und Kochfähigkeiten, aber ich habe noch keine Möglichkeit gefunden, mir von den anderen Mahlzeiten etwas mitzunehmen.

Der Unterricht allgemein macht mir sehr viel Spaß, natürlich stehe ich noch nicht ganz alleine vorne und unterrichte richtig, aber ich bekomme sehr viel mit und mache eigene Erfahrungen und bekomme viele Tipps von den Lehrern. Klar wäre es das highlight für mich, wenn ich eines Tages selbst eine Klasse unterrichten könnte, aber damit werde ich erstmal warten. Bisher habe ich den Unterricht aber schon selbst gemanagt, wenn die Lehrerin nicht da war und ein Vertretungslehrer geschickt wurde, der kein Deutsch kann. Dann habe ich die Sache in die Hand genommen, die Aufgabenblätter verteilt, Beispiele an der Tafel erklärt, bin herumgegangen und habe geholfen. Am meisten profitiere ich von genau diesen Dingen, wenn ich es selbst machen kann und meine Ideen und Pläne in den Klassen klappen. In den Klassen meiner Chefin schickt sie meistens mich und 2–3 Schüler ins „cupboard“, einen kleinen Raum in dem wir dann Sprechen üben und individuelle Übungen machen wie über bestimmte Themen sprechen, auf Fehler und gute Fortschritte eingehen, wie lerne ich Vokabeln, Fragen beantworte und vor allem versuche, die Schüler zum Reden zu bringen, dabei ihnen beim Finden von Wörtern und der Aussprache helfe. Dies macht dann auch oft viel Spaß, wenn die Schüler lustige Fehler machen, am liebsten sind mir allerdings die Antworten die oft einfach gar keinen Sinn machen wie folgende Beispiele: (kein Scherz, das ist alles passiert :D).

„Was hast du letztes Wochenende gemacht?“ – „Am 8. Oktober.“

„Was ist dein Lieblingsfach?“ – „Oft am Wochenende mit meinen Freunden.“

„What is „boyfriend“ in German?“ – „Jungfraufreund“ Haha 😀 Mannfreund hatte ich auch schon. ^^

„Wie geht es dir?“ „Ich bin sehr gut!!“ „Ja das glaub ich dir, das bist du.“

Hierbei ist es natürlich auch wichtig den Schülern zu zeigen, dass Deutsch nicht so schwierig ist wie es oft gesagt wird und dass sie auch Fortschritte machen. Hier ist viel Loben und sensibel auf die Schüler eingehen angesagt, ihnen ihre Stärken zeigen, sie vor allem nicht totkorrigieren (außer wenn sie Ick sagen, weil das hört sich einfach schrecklich an), sie fordern und fördern. Leider wird hier vor allem in Deutsch nach einem sehr strengen und engen Muster/Lehrplan unterrichtet was ich unglaublich störend finde. Es ist wichtiger, die Themen im Buch abzuhandeln (besonders in der Upper six und der 5th form, die GCSE macht) als dass wirkliche Sprachkenntnisse vermittelt werden. Für mich gehört zum Beispiel eine gewisse Flexibilität im Umgang mit Sprache(n) dazu, es ist ja ein finde ich literarisch- künstlerisches Fach das im Gegensatz zu Mathe sehr frei und spielerisch sein und gelehrt werden sollte. Für die Gespräche der jeweiligen Themen (wie Hobbies und Freizeitaktivitäten, Beruf, Familie, Medien etc.) gibt es vorgeschriebene Fragen mit dazu passenden Antworten, welche die Schüler einfach auswendig lernen und welche im Examen abgefragt werden. Sobald ich aber etwas von diesen Fragen abweiche, anders formuliere oder ergänzende Fragen stelle kommt keiner mehr damit klar und es wird als zu schwierig abgestempelt. Bei solchen Dingen hilft mir dann nur noch mein Lösungsbuch für diese Situationen weiter:

Ich habe mit einigen Schülern gesprochen und viele haben das Gefühl, dass sie wegen diesem System nicht weiterkommen und meiner Meinung nach lernen sie wie sie die Prüfungen bestehen, aber sie lernen nicht Deutsch. Zumindest ist es auch ein recht großes Problem der Mentalität, dass viele Schüler einfach nicht die Notwendigkeit sehen eine Fremdsprache zu lernen. Selbstverständlich gibt es auch echt viele gute Schüler in Deutsch aber auch hier ist das Problem vorhanden, dass man von den Vorschriften sehr eingeschränkt wird. 

Es ist schon häufiger passiert, dass wenn ich Übungen oder Erklärungsblätter entwerfe häufig vom Lehrer gesagt bekomme, dass ich das so nicht machen kann weil es nicht den Vorgaben, dem Vokabular und Level der Schüler entspricht und somit zu schwierig sei. Selbst nachdem ich das Buch gecheckt habe um genau dies zu vermeiden ist es manchmal immer noch nicht dem System entsprechend, was ich sehr anstrengend finde und teilweise auch nicht nachvollziehen kann, weil ich es in einer Art Kindergartendeutsch geschrieben habe, was mir dann schon teilweise peinlich ist, dies als ein „Erklärungs- und Übungsblatt“ abzugeben. Womit ich auch ein Problem habe und noch nicht so ganz die Balance gefunden habe, ist der komische folgende Umgang der aber auch mit dem oben genannten Problem zu tun hat: den Schülern wird gesagt, dass von ihnen erwartet wird hart zu arbeiten, viel zu lernen, ordentlich ihre Aufgaben zu erledigen und sich anzustrengen. Das finde ich ja ganz gut und schön und würde ich auch so machen, aber andererseits werden dann anspruchsvollere/ergänzende Aufgaben (auch für die höheren Klassen) als zu schwer abgestempelt und für die kleineren eine Art Kuschelpädagogik gemacht um sie ja nicht zu überfordern. Ich kann ja verstehen dass man versuchen sollte gerade bei den 1st und 2nd-formers zu vermeiden, dass sie den Eindruck haben, dass Deutsch zu schwer ist und sie ihren Spaß verlieren, aber ich meine, wie soll man denn eine Sprache bei so geringer Stundenzahl lernen, wenn man daraus keine Herausforderung, keinen ergänzenden, individuellen Lernprozess macht, der Spaß macht und einen gewissen Grad an persönlicher, kreativer Freiheit dabei hat? Ich hoffe, dass ich in Zukunft damit besser klarkomme und/oder dass ich dazu passende Ideen bekomme. Es ist ja nicht so, dass ich damit überfordert wäre oder so aber es ist einfach echt störend. 😀

links: Ist das nicht cool? So komme ich mir schon gleich viel wichtiger vor. ^^

Aus meinem Alltag

Von vielen Schülern habe ich schon nach unseren individuellen Gesprächen ein sehr gutes feedback bekommen, was mich sehr gefreut hat. Viele kommen mit Fragen und Anregungen zu mir weil ich ja zwischen Schülern und Lehrern stehe. Sie begrüßen es, dass sie mich alles fragen können, sei es persönliches, geschichtliches, sprachliches oder was auch immer. Und vor allen Dingen teilen sie die Ansicht, die ich habe über das System im Fremdsprachenunterricht, leider kann ich es nicht für Französisch und Spanisch sagen. Viele Schüler nervt es, das man wochenlang das gleiche Thema macht und man immer nach dem gleichen Prinzip verfährt. Viele Schüler meinten, dass ich die Sprache lustig rüberbringe, ihnen Selbstvertrauen gebe und dass ich einigen für ihre Fragen oder Themen extra Blätter mit Übungen und Erklärungen machte ohne das es jemand verlangt, fanden sie super.

Die 1st formers ticken immer aus, wenn sie mich sehen und freuen sich auf Deutsch und einige aus der 4th und 5th form meinten ich sei ihr Lieblingsassistant weil sie sich verstanden fühlen, sie meine Erklärungen gut finden und ich nicht langweilig sei.

Mein Arbeitsplatz im office vom Modern Languages Department. Mein Läppi, meine Tasche, die Kuchenform in der mein THX Kuchen war, meine Mappen, Handy, Notizbuch, Blätter und viiiiiiel Arbeit.

Jeden zweiten Tag bevor ich gehe schaue ich im PC- Drucker und im großen Kopierer nach, ob noch genügend Papier da ist, genügend Laminierungspapier, Teebeutel, Milch und buntes Papier- wenn nicht, weiß ich, dass ich am nächsten Morgen welches besorgen muss. Auch wenn die Arbeit hier anstrengend ist und es immer sehr viel zu tun gibt macht es mir sehr viel Spaß aber natürlich freue ich mich auch immer auf das Wochenende, wenn ich in Ruhe arbeiten oder reisen kann. Für die Wochenenden gibt es immer mehrere Alternativen, was ich tun kann. Entweder bleibe ich das Wochenende über in meiner Wohnung, wasche meine Wäsche, arbeite, plane etc. Oder ich fahre sonntags mit einem von der Schule organisierten Trip mit, das ist meist sehr kostengünstig. Oder ich fahre an einem der drei Tage oder an allen allein zu irgendwelchen Orten, um diese zu besuchen. Wenn man hier alleine auf Reisen gehen will, ist das einzig komplizierte an der Sache, dass man aus der Schule herauskommen muss, da wir hier ja mitten im Nirgendwo leben. Folglich brauche ich immer ein Taxi, welches mich dann für 16 Pfund nach Hook bringt. Von Hook und Basingstoke kann man aber nahezu alles gut mit einer Direktverbindung oder einmal umsteigen erreichen. Einmal in der Woche bekomme ich für solche Fahrten 25 Pfund von der Schule erstattet.

Soweit ich bisher mit den anderen Assistants mich austauschen konnte, erhalte ich ein gutes Gehalt für meine Arbeit, habe aber auch das größte Arbeitspensum.

Bis heute habe ich das meiste Geld für Sightseeing ausgegeben und folgendes besucht:

  • Hook, Basingstoke, die ganzen typischen Sehenswürdigkeiten in London: Tower, Buckingham Palace, Sherlock Holmes Museum, Victoria and Albert Museum, National History Museum
  • Vorbereitungsseminar des Goethe-Institutes in Manchester
  • Hampten Court und Camden, DofE Expedition nach New Forest
  • 3 Tage sightseeing London und die Harry Potter Studios,
  • Manchester, Longford, Stafford und Birmingham
  • meine erste große Reise ging von London nach Canterbury, Rye, Dover (während dem Sturm Christian!!), Folkestone, Hastings, Battle, Brighton, Portsmouth, Bournemouth und Winchester.

Der Eingang zum National History Museum und die Bakerstreet 221.

Bisher bin ich trotz manchmal echt komischen Erfahrungen richtig glücklich hier am LWC und es ist wie gesagt eine exzellente Schule. Die etwas kritischen Punkte, die ich oben angesprochen habe, haben die anderen Schulen /Assistants ebenfalls, wie ich nach Gesprächen mit den anderen Assistants herausgefunden habe. Ich gehe jeden Tag mit Freude in die Klasse. Ich mag meine Kollegen sehr, weil ich fast immer etwas von den Gesprächen und Witzen mit ihm mitnehme. Die Schüler sind wie gesagt auch sehr nett. Klar gibt es einige, die versuchen herauszufinden wie weit sie es mit mir treiben können, aber keiner war bisher richtig unhöflich oder gemein, ganz im Gegenteil, mit den Juniors komme ich super klar und auch mit den Älteren meiner Klassen.

Am dritten Oktober gestaltete ich eine Infoseite über den deutschen Nationalfeiertag und hing diese im Department auf. Dabei fragte ich mich, was ist eigentlich der englische und spanische Nationalfeiertag? So kreierte ich ebenfalls Infoblätter über die Nationalfeiertage von England, Spanien und Frankreich und hing diese in den dementsprechenden Klassenräumen auf.

Auch gaben mir meine Deutschlehrerinnen mehr von ihren Lehreraufgaben, beide ließen mich Essays, Vokabeltests und Listening Exams korrigieren. Ein listening/written exam durfte ich sogar selbst gestalten, was gut geklappt hat. Dies hat mir auch gezeigt, dass sie mir mehr und mehr zutrauen und wissen, dass ich einen Job gut machen kann wenn ich eine gute Erklärung und Einführung vorher erhalte. Für meine Chefin führte ich die „Vocab- League“ ein. Die 4th & 5th form schreiben jeden Montag einen Vokabeltest und ich habe dann die Ehre, diese zu korrigieren. Dies macht mir immer viel Spaß, weil es immer 50 % frustrierend und 50 % amüsant ist. Die erreichten Punkte gab ich dann in ein bestimmtes Programm ein. Es gibt die Premiership, die Championship, 1st and 2nd League. Je nach Punkten kommen sie dann in diese Tabelle auf die Plätze und die ersten in jeder Tabelle und die die aufsteigen bekommen Süßigkeiten und einen Smiley. Diese Tabelle bekommen die Schüler dann gezeigt und können ihre Ergebnisse und die Anzahl der Wörter sehen. Das ist für die Schüler echt motivierend, sie mögen besonders meine Kommentare bei Fehlern oder fehlerfreien Tests.

Auch habe ich wie einige meiner Assistant-Kollegen ebenfalls einen Adventskalender, allerdings nur für die Juniors, gestaltet. Dieser bestand aus kleinen rotweißen Säckchen in Form einer Weihnachtsmannmütze und darin war je ein Zettel. Auf dem Zettel stand jeweils eine deutsche Weihnachtstradition und am Ende waren zwei Quizfragen, bezogen auf den kleinen Infotext. Wer mir die beiden richtigen Antworten in einer Email schickte bekam am nächsten Tag Schokolade oder Haribo von mir – sehr begehrte Rohstoffe an dieser Schule und super Motivationsmittel!

Das hat wunderbar funktioniert und die Juniors waren sehr eifrig bei der Sache, einige haben mir sogar erzählt, dass sie mit dem neu erworbenen Wissen über Weihnachts­bäume, Stollen, Adventskalender, Krippen, Gänsebraten, Weihnachtsmärkte, Plätzchen und vieles mehr bei ihren Eltern damit angeben konnten!

Zwar lief das echt gut und das freute mich sehr, hatte allerdings den Nebeneffekt, dass ich fast täglich 20–30 Emails mit dem Betreff „Question“ oder „Haribo?“ erhielt…

Generell kann man sagen, dass hier fast alles via emails geregelt wird und es ist immer noch manchmal recht unübersichtlich für mich, unter den 50 emails am Tag zu unterscheiden, welche jetzt wichtig für mich sind und welche nicht. ^^

Ebenfalls für Weihnachten hatte ich die folgenden vier Projekte neben meinem Adventskalender mit den Traditionen ausgearbeitet. Ich gestaltete eine Powerpointpräsentation nochmal über deutsche Weihnachtstraditionen, welche ich dann in der jeweils letzten Deutschstunde vor den Ferien halten würde. Ich nutzte dafür die Informationen, die ich für den Kalender gemacht habe und brachte einige schöne Bilder und Stichpunkte auf die Folien. Ich wollte den Schülern ein paar hübsche Bilder über deutsche Weihnachtstraditionen zeigen und nebenbei einige interessante Fakten erwähnen. Mir persönlich war/ist es immer wichtig, dass, wenn ich etwas mache/schreibe/präsentiere, ich Informationen liefere, die neu und eventuell unbekannt sind und man nicht einfach in Wikipedia nachlesen kann. Ich hatte Folien über Weihnachten an sich (woher kommt dieses Wort), wann die deutschen Kinder ihre Geschenke bekommen, den Weihnachtsbaum den King Albert nach GB brachte, the Stollen, die Weihnachtsmärkte, Christmas Eve und die Traditionen des Erzgebirges. Am Ende folgte dann ein Quiz mit fünf Fragen über die Traditionen.

Die Juniors „got really excited about it“, da ich das Quiz wie eine Fol ge aus Wer wird Millionär gestaltete. Ich hatte das bekannte Logo auf Deutsch als Hintergrund auf die Folien kopiert, die Fragen in der bekannten Anordnung auf die Folien geschrieben und den berühmten Soundtrack als Hintergrundmusik installiert. Das hat ri chtig Spaß gemacht, da ich am Anfang dann auch eine kleine englische Ansage hielt und die Juniors natürlich sofort mitspielten und ein klasse Publikum abgaben.

In dieser Ansage klärte ich sie auch über die ganzen, tollen Preise auf die es zu gewinnen gab wie den neuen BMW, Haribo oder Schokolade, eine Kreuzfahrt in der Karibik oder oder….. Die meisten entschieden sich jedoch für Haribo, was ich bei den ganzen Möglichkeiten nicht wirklich nachvollziehen konnte… . 🙂

Dann kamen nacheinander die fünf freiwilligen Kandidaten nach vorne und setzten sich.

Wir hielten einen kurzen Smalltalk auf Deutsch was sie mit den Millionen Pfund alles so machen würden. Wie in der TV- Serie hatten die Kandidaten die drei Joker; sie konnten mich nach einer falsche u der richtigen Antwort fragen, sie konnten einen ihrer Freunde im Publikum fragen oder den Lehrer „anrufen“. Während der Fragen versuchte ich natürlich durch die unfairsten und gemeinsten Kommentare die Juniors zu irritieren was aber nur selten klappte. 😀

Wenn sie die Frage richtig beantworteten, gab es den typischen „Richtig-Sound“ und
einen riesen Applaus seitens der Klasse. Als meine beiden Lehrerinnen meine Präsi zum ersten Mal sahen, waren sie genau so begeistert von den Folien und vom Quiz wie die Schüler und spielten auch mit wenn sie „angerufen“ wurden. Ich sah später, dass sie sich während meiner Präsentation Notizen gemacht haben über viele Sachen die ich erwähnt hatte, die sie nicht wussten, womit ich mein Ziel erreicht habe: auch die Lehrer haben etwas gelernt, haha. Eine der beiden kam nach meiner ersten Präsentation zu mir und war hellauf begeistert über meine Präsi. Sie meinte, dass keiner der Assistants vorher solch einen Aufwand für die Weihnachtstraditionen auf sich genommen hat und dann noch so kreativ umgesetzt hat. Sie wollte es für jede ihrer Klassen zum Abschluss haben.

In der je letzten Stunde der 1st und 2nd form hielt ich ebenfalls die Präsi mit anschließendem Quiz. Als ich den Raum der 1st form betrat, saßen auf einmal 30 Schüler vor mir und ich dachte zuerst ich hätte mich im Raum geirrt.

Aber es waren beide Deutschklassen zusammen und als ich meinen laptop installierte kamen noch einige Schüler (ich glaube es waren 10) aus den Französisch- und Spanischklassen hinzu. Dies war ein Moment in dem ich recht nervös wurde, diese Präsi vor 40 Schülern und den Lehrern zu halten. Aber es lief fantastisch und als ich nach fünf Freiwilligen fragte meldeten sich natürlich fast alle und ich musste aus 40 nun 5 heraussuchen was vermutlich der schwierigste Teil des Ganzen war. Aber es hat richtig Spaß gemacht!

Und da ich auch den Nikolaus erwähnte, komme ich nun zum nächsten Projekt.

Da die Aktion meine Vorgängers hier noch in Erinnerung ist, dass er am sechsten Dezember je einen Schuh der Juniors mit einem Schokoriegel etc füllte, hatte ich die Idee auch Nikolaus zu spielen- aber auf andere Art und Weise. Ich sprach also mit dem Chef vom Junior House, und wir entwickelten den Plan, dass ich am Abend des 06.12. als Nikolaus verkleidet (einer der Lehrer lieh mir hierfür sein Weihnachtsmannkostüm) ins Junior House kommen würde und den Juniors aus einem Sack etwas candy geben würde, während sie nach der prep ihre Abendversammlung haben. Ich kam also am 6. ins JH und als die Versammlung anfing, zog ich mich im Matrons Room um. Zugegebenermaßen bin ich vieeeel zu dünn für einen richtigen, dicken Nikolaus, aber das Kostüm glich das aus. Es war einfach soooo cool die verwirrten Blicke der Juniors zu sehen als ihnen gesagt wurde, dass man einen Gast erwarten würde und es dann tumultartige Züge annahm, als ich im Kostüm und mit dem Sack die dining hall betrat.

Trotz des langen weißen Bartes wurde ich allerdings sofort aus mir unerklärlichen
Gründen erkannt und als sich der Applaus gelegt hat, erklärt ich kurz die Tradition des 6. Dezember in Deutschland und dann konnte es losgehen. Unter dem Decknamen „Santa Olli“ ging diese Aktion in die Geschichte der Juniors ein und ich lief von Tisch zu Tisch und jeder konnte sich von den Schokoriegeln und Haribos die ich vorher für 150 Leute besorgt hatte etwas heraussuchen, die Lehrer und Matrons natürlich auch. Am Ende gab es einen stürmischen Applaus und eine der Schülerinnen rannte später zu ihrer Mama beim Abholen und fragte, ob sie mich mit nach Hause nehmen dürfte :- )

Die anderen Weihnachtsprojekte fanden im Rahmen des „Junior Languages Club“ statt. Dieser wird von den Fachlehrern, den prefects und mir organisiert, um den Schülern die Fachsprachen und neue Fremdsprachen spielerisch näher zu bringen. Ich organisierte Texte von französischen, spanischen und deutschen Weihnachtsliedern welche wir dann alle gemeinsam sangen. In der nächsten Woche bastelten wir Weihnachtskarten für die Eltern mit Merry Christmas in allen Sprachen darauf, welche am Lord Wandsworth College vertreten waren (41) und in der letzten Stunde dekorierten wir Plätzchen mit Zuckerperlen, Streuseln etc. Das Wort „Plätzchen“ den Juniors beizubringen war wie man sich denken kann sehr amüsant und am Ende konnten sie es aber. Ich zeigte ihnen, als sie alle zusammen in der Küche fertig zum Kekse dekorieren saßen, als Inspiration einige Bilder von den typischen, deutschen Weihnachtsplätzchen und los gings. Sie produzierten so viele Kekse, dass es für alle Juniors und auch noch Lehrer reichte, fantastisch! Im Club bereitete ich auch kleine Infoblättchen vor wie man in 12 verschiedenen Ländern Weihnachten feiert und die Schüler sollten versuchen herauszufinden welcher Text zu welchem Land/Flagge gehört, das fanden sie sehr interessant. Als Junior Trip organisierte ich einen Ausflug zum deutschen Weihnachtsmarkt nach Winchester mit.

Im Department hing ich eine Lichterkette aus Deutschland auf und zwei Dekoketten welche ein bisschen Weihnachtsatmosphäre rüberbrachten. Im working room/office im Department hatte ich einen Adventskranz mit elektrischen Kerzen aufgestellt um den sich beim meeting alle versammelten. Am letzten staff meeting bekamen wir auch alle kleine Geschenke, was toll war.

Während der Vorweihnachtszeit waren hier alle enorm gestresst, müde, überarbeitet
und dann kamen auch noch die iGSCE und MOCK Examen hinzu. Auch für mich bedeutete das zusätziche Arbeit zu meinen normalen Assisant Aufgaben (beispielsweise wie bekloppt Kopien machen, die Schüler koordinieren, den Lehrern bei allem helfen, organisieren, Stunden vorbereiten, die Junior Trips und Sunday Trips als Begleitperson begleiten, Papier und Karten holen, die Clubs vorbereiten, mein Englisch und Deutsch verbessern, überall in der Schule meine Hilfe anbieten, Vertretungen übernehmen, Ressourcen und Materialien, die Küche mit Milch, Tee, ungesundem Süßkram und Kaffee holen, unterrichten, das allgemeine Mädchen für alle sein und sich einfach überall einbringen).

Ich muss allerdings auch zugeben, dass mich die 10 Stunden Arbeit im Department
pro Tag jetzt nach ca. vier Monaten doch ziemlich geschafft haben. In den letzten zwei Wochen vor den Ferien war ich so müde wie noch nie hier. Diese Angespanntheit sprang auch oft auf die Schüler über, manchmal benahmen sie sich völlig irrational und ich war überrascht was für einen Blödsinn manche anstellten oder einfach nur unaufmerksam waren bzw. frech wurden. Am Ende des Terms ist einfach die Luft draußen, was ich verstehen kann, aber das setzt niemals die Benimmregeln außer Kraft. Es war die Zeit in der ich zum ersten Mal ernste Verwarnungen, Bestrafungen und Drohungen verteilen musste, und manche musste ich auch leider umsetzen. Es war anfangs sehr schwierig für mich die „natürliche Lehrerautorität“ zu meinen Gunsten zu nutzen und wenn ich mit Folgen drohen musste, diese auch konsequent durchzusetzen. Diese Maßnahmen habe ich in den ersten Monaten eigentlich nie gebraucht, natürlich gab es immer mal wieder Schüler die genervt haben aber das habe ich immer unter Kontrolle bekommen. Die Schüler wollen auch immer mit einem klarkommen, Spaß haben und etwas lernen, manche sind dann allerdings etwas over-excited wie man hier sagen würde und beginnen unangemessene Dinge zu tun. Ich musste lernen, mir nicht alles gefallen zu lassen und nur mit Humor zu antworten, manchmal muss man auch wirklich eine schlagfertige Antwort geben und zeigen, wer hier das Kommando hat. Klar bin ich kein richtiger Lehrer hier aber trotzdem member of staff. Meistens haben die Schüler alles getan/nicht getan worauf ich sie freundlich hinwies und viele meinten sie mögen die Art wie ich mit ihnen umgehe. Immer ein Lächeln im Gesicht (während der prep aber manchmal auch böse gucken :D) immer mal einen Witz machend vorbeilaufen und helfen wo ich kann. Mit einigen Juniors habe ich eine sehr gute Beziehung und dann kann man auch mal richtig gute Witze machen. Oder ich lasse immer die beiden selben Schüler in der prep zusammen sitzen und lernen, weil ich weiß , dass es funktioniert ohne das ich eingreifen muss. Auch mit einigen Mädels komme ich sehr gut aus und es ist super wenn man mit den Schülern auch mal richtig herumalbern kann, ohne dass sie den positiven Respekt verlieren, den man sich erst verdienen muss. In der prep gehe ich herum, frage und versuche zu helfen (was ich in Latein und Mathe allerdings leider nicht oft kann) was keiner der anderen Lehrer macht. Ansonsten sitze ich an meinem Tisch und arbeite ebenfalls. Ab und zu gucke ich durch den Raum und schaue ob alles in Ordnung und vor allem ruhig ist. Es ist ein ewiger Prozess bis alle sich hingesetzt und präpariert haben. Bisher musste ich aber nur ein paar Mal lauter werden, damit sich alle endlich hinsetzen.

Die Arbeit mit den Juniors macht trotz manchen Tagen an denen man sich einfach nur pausenlos an den Kopf greift wirklich sehr viel Spaß und wir kommen gut miteinander aus.

Auch die Zusammenarbeit mit meinen Lehrerkollegen hier im Department ist immer noch hervorragend, es klappt alles problemlos und es macht mir immer noch sehr viel Spaß, auch wenn es super anstrengend ist. Ich erhalte immer Rat, Unterstützung und Hilfe wenn ich Fragen oder Vorschläge habe, von den Lehrern und ich bin richtig froh, dass meine Ideen für Projekte, Übungen etc immer positiv aufgenommen werden und ich die Chance bekomme, es zumindest wie geplant mal zu versuchen! Dies wird auch von den Lehrern geschätzt, da sie vieles an mich abgeben können, was ich recht schnell machen kann, wofür sie aber sonst viel Zeit brauchen. In diesen Wochen war ich zusätzlich sehr damit beschäftigt die 5th- formers auf ihre German exams vorzubereiten. Ich bot ihnen an, sich in meinen Freistunden mit mir im Klassensaal zu treffen und das freie Sprechen für das mündliche Examen zu üben, sowie im klassischen Frontalunterricht an der Tafel bestimmte Redewendungen, Wörter und speziell den deutschen Satzbau zu üben.

Einige nahmen mein Angebot tatsächlich in Anspruch und es freute mich sehr, dass ich somit zum ersten Mal alleine ohne Lehrer vor einer halben Klasse (12 Schüler) stand. Ich konnte nun auf meine Art und Weise nach einem selbst ausgedachten Plan unterrichten. Das hat mir (und nebenbei auch den Schülern) super viel Spaß gemacht und war eine großartige Erfahrung für mich, nun mal selbst vorne zu stehen. Es war sehr interessant für mich herauszufinden, was die Schüler irritierte und wie ich als Muttersprachler die deutschen Besonderheiten erklären konnte. Das ist gar nicht so einfach und man muss oft Unklarheiten und Ausnahmen im Deutschen anders angehen als ich anfangs gedacht hatte.

Hier ein Beispiel: ein häufiges Problem bei der German wordorder welches mir genannt wurde, war eine allgemeine Verwirrung wann sich der Satzbau wie änderte und welche Wörter das warum wie bewirkten. Natürlich hatte es zu meiner preußisch-deutschen Vorbereitung vor England gehört, mich so gut wie möglich in Deutsch als Fremdsprache einzulesen, Tipps und Erklärungen zu finden welche ich benutzen konnte und anschauliche Grammatikerklärungen parat zu haben. Diese setzte ich nun ein und fand recht schnell heraus, dass ich nach den ersten zwei Versuchen 12 Schüler mit großen Fragezeichen auf den Gesichtern vor mir sitzen hatte. Ich persönlich fand diese Erklärungen richtig gut, aber es war immer noch zu theoretisch, zu abstrakt für die Schüler. Das Phänomen über das wir sprachen war ein Verwandter der Inversion, nämlich dass das Verb an das Ende des Satzes verbannt wurde, wenn die Bindewörter obwohl, weil, dass in der Mitte benutzt wurden.

Ich zeigte ihnen aber auch, dass und, denn, aber keine Veränderung im Satzbau bewirkten was andererseits auch für sie hilfreich war.

Auf der Suche nach einer bildhaften Erklärung hatte ich eine lächerlich- geniale Idee. Ich schrieb also einen Beispielsatz an die Wand ohne Satzbauänderung und dann einen mit Satzbauänderung mit weil in der Mitte. Vor das erste Wort des zweiten Satzes versuchte ich eine gruselige Fratze an die Tafel zu malen, welches am Ende wie eine ungeschickte Mutation aus einer Pizza, einem Apfelbaum, einer halben Medusa und einer Säge aussah… Diese Bestandteile wurden von meiner Klasse aus meinem rekordverdächtigen Bildniss herausgedeutet. Ich denke das ist das Ende meiner Karriere als visueller Designer…

Warum tat ich das? Ich wollten den Schülern visuell klarmachen, dass sich eben bei obwohl, weil, dass das Verb an das Ende des Satzes verkriecht. Durch dieses Wort hatte ich die Idee eine Gruselfratze vor den Satz zu machen. Ich unterstrich weil blau, das „Gruselgesicht“ und das Verb rot und so war die Idee des „Verb – Scarer“ geboren. Symbolisch gesehen gruseln obwohl, weil, dass das Verb ganz weit weg an das Ende des Satzes. Diese Methode funktionierte phänomenal und durch diese bildhafte Erklärung konnten sie sich die Versinnbildlichung besser merken und verknüpften dies beim Schreiben und Reden was mich zugegebenermaßen auch stolz machte. Am Ende der Stunde ließ ich von den Schülern alles noch einmal zusammenfassen und aufschreiben. Als sie zur nächsten Stunde gingen, kam einer der Schüler noch einmal zu mir und meinte, dass er selten so viel Spaß beim Deutschlernen gehabt habe und er auf einmal motiviert war mehr für Deutsch zu lernen und mehr machen möchte. Nach den Ferien werden wir nach einer freien gemeinsamen Stunde suchen für eine individuelle Deutschstunde. Dass er mich gelobt und nach einer Einzelstunde mit mir gefragt hat, hat mir gezeigt, dass ich etwas richtig gemacht habe und auch die Klasse zeigte sich sehr dankbar. Als mich meine Chefin später fragte wie die Stunde war, erzählte ich ihr alles und auch die Idee des Verb Scarers. Sie fand diese Idee absolut fantastisch und bat mich, ein Poster dafür zu machen und es in ihrem Raum aufzuhängen. Ich tippte also meine Beispielsätze ein und suchte nun nach einem Bild eines Verb Scarers.

Da ich in meiner Schulzeit Mathelehrer immer ziemlich gruselig und unheimlich fand, wollte ich zunächst ein Bild von Mathelehrern nehmen, aber das würde bestimmt gegen eine Staff Policy verstoßen, und so entschied ich mich ein Bild eines besonders hässlichen Orks aus Der Herr der Ringe zu nehmen. Dieser Kerl diente ebenfalls so gut seinem Zweck wie ein Mathelehrer und wurde von den Schülern am nächsten Tag sofort verstanden. Jeder hat halt etwas, wovor ihm gruselt….

Ebenfalls busy war ich mit den Vorbereitungen für die Fahrt des German Departments nach Freiburg diesen Dezember in der ersten Ferienwoche. Sowie nach München Ende Juni, den ich als vierter member of staff (auch auf Wunsch der Juniors) begleiten werde, juhuu! Für München gestaltete ich einen Plan für die vier Tag mit möglichen Aktivitäten, Kosten, Adressen und Alternativprogrammen. Die Sehenswürdigkeiten markierte ich alle auf einer Google Map Karte und ließ die Entfernungen und Transportmöglichkeiten für alles berechnen. Diese gigantische Datei schickte ich dann zu der Haupt-Organisatorin, die dann nach Belieben damit herumspielen und die Tage dementsprechend planen konnte. In einem Worddokument schrieb ich eine große Zusammenfassung und am Ende gestaltete ich eine Powerpointpräsentation über München und die Orte die wir besuchen werden, um den Juniors einen Eindruck vom wunderschönen München zu geben. Daraufhin waren die 40 Plätze nach einer Woche voll bei 70 Bewerbungen. Der Job war erfolgreich. 😀

Da unsere Deutsc-Chefin mit den interessierten 3rd, 4th and 5th- Formers im Rahmen eines Schüleraustausches nach Freiburg im Dezember fuhr hatte sie noch mehr um die Ohren als ohnehin schon und so „zwang“ ich sie, mir alles an Aufgaben bezüglich des Austausches zu geben, die sie mir geben konnte. Man konnte sehen, dass ihr eine zusätzliche Bürde genommen wurde, als ich mir alles aufschrieb was noch getan werden musste (zwei Seiten) und auch alles in drei Tagen erledigen konnte… drei Tage bevor sie mit der Klasse nach Freiburg flog. Dies beinhaltete jede Menge Kopien der Reisepässe, Unterlagen der Gastfamilien für die englischen Schüler, Sicherheitsbestimmungen, Programme, Vokabelblätter und und und. Auch gestaltete ich für jeden der Teilnehmer ein kleines, rotes Büchlein in welches sie Vokabeln und Notizen schreiben konnten, sowie einen kleinen Notfallzettel für den Geldbeutel. Ich habe schon von der Head of Department lachend gesagt bekommen: „Well, sorry Oliver, but I think you are too efficient for this department.“ Das fand ich super!

Auch drei Wochen vor den Ferien begann ich mit meinem persönlichen Projekt des „German of the week“. Da es null Landeskunde und/oder Geographie, Geschichte etc über Deutschland im Deutschunterricht gibt, hatte ich die Idee, jeden Montag der 4th, 5th form, einigen klugen Juniors, meiner einzigen Schülerin für German A-levels, dem German und History Department eine Seite über einen besonderen Deutschen zu geben/schicken. Es ist echt schwierig, interessante, nicht so bekannte Fakten über die besonderen Leistungen einer Persönlichkeit wie Albert Einstein, Martin Luther, Franz Beckenbauer und Alexander von Humboldt auf eine Seite auf Englisch zu bringen. Jedoch kam es bei den Schülern sehr gut an und bei den Lehrern auch was ich echt super fand, da sie dadurch einige berühmte, deutsche Persönlichkeiten besser kennenlernen und ich nebenbei auch. Bevor ich die Blätter austeile gebe ich der Klasse eine kurze Zusammenfassung ob/was die Person mit England zu tun hatte, ob es eine Gemeinsamkeit/Einfluss auf GB gab, beispielsweise, dass Humboldt ein großes Vorbild von Darwin war und Einstein von Newton fasziniert war und gleichzeitig „Verzeih mir, Newton“ sagte.
Dies werde ich auf jeden Fall weiterführen, ich habe ein gutes Gefühl dabei, die Schüler fanden es auch insofern praktisch als dass sie dann etwas zum Lesen während ihrer prep haben, mir macht es Spaß und es fruchtet.

Es gingen vor den Ferien noch zwei Träume für mich persönlich in Erfüllung: Ich hatte endlich die Erlaubnis, einen Raum, eine Zeit, einige interessierte Schüler und Material für meinen German-English-History-Club!!! Yaay!! Eigentlich sind es zwei: für die Juniors und einen für die 3rd, 4th und 5th form. In beiden nahm ich thematisch je das gleiche durch, aber auf unterschiedlichem Niveau, aber auf Englisch, sonst wird es zu kompliziert. Das war es was ich schon immer machen wollte, mit interessierten Schülern auf Englisch über die Geschichte unserer Länder reden. Ich begann mit Deutschland und wir sprachen über die deutsche Geographie, Symbole und Bundesländer. Diese Infos stoßen bei beiden Klassen auf großes Interesse, da viele nicht wirklich viel über den Kontinent wissen was sie nicht gerade im Unterricht lernen. Auch haben wir in diesen Clubs den großen Vorteil nicht an den Lehrplan gebunden zu sein, so können wir über jedes Thema sprechen was uns interessiert , was wir auch ausgiebig taten. Wir sprachen über Personen, Gemeinsamkeiten in der deutsch-englischen Geschichte, was passierte zum Beispiel 1066 in Deutschland und 1848 in England, warum Deutschland kein geeintes Land für so lange Zeit war und vieles mehr wie berühmte Städte, Fußball und bei allem verzichtete ich über die NS-Zeit zu reden – das würde später kommen. Selbstverständlich werden wir auch Themen und Stunden über England haben. Das wird sich sicher noch entwickeln!

Ebenfalls führte ich mit Erfolg den German Football Club weiter. Am Anfang übten wir einige Fußballwörter auf Deutsch (z.B. gilt das Tor nur, wenn ich danach ein lautes, begeistertes „TOOOOOOR“ höre) und der Spieler, der die meisten deutschen Wörter richtig verwendet bekommt einen Smiley im Language department, was sehr erfolgreiche Ideen waren.

In den letzten Tagen vor den Ferien organisierte ich für die Juniors eine End of Term
– Christmas Party. Mir wurde eine Halle zur Verfügung gestellt und darin würden wir
für eine Stunde uns die Seele aus dem Leib tanzen. Ich bat die Juniors mir ihre Lieblingssongs zu mailen und fügte selbst auch einige in verschiedenen Sprachen hinzu. Die effektivsten deutschen Lieder waren Amadeus und 99 Luftballons. Im Spanischen La Macarena und die Lieder von D. Guetta als französischen DJ. Der Gangnam Style und wie gesagt die Lieblingslieder der Juniors spielte ich ebenfalls. Die Lehrer und der Head of Junior House waren sehr beeindruckt, auch, weil ich es schaffte, die verflixte Diskobeleuchtung zum laufen, bzw. blitzen/blinken zu bringen und nach We will rock you als Einstieg konnte es richtig losgehen. Es war eine große Freude für mich fast alle Juniors schreien, singen und tanzen zu sehen, zu den Liedern die ich abspielte. Als die Fete vorbei war, halfen mir sogar alle, alles wieder aufzuräumen und die Stühle zurückzustellen. Als ich aus meiner DJ-Ecke herauskam, kamen einige Juniors auf mich zugerannt, umarmten mich und als ich mich mit 4 Juniors nicht mehr halten konnte, fielen wir alle um und es kamen immer mehr und bildeten dann einen Haufen wie beim Fußball. Zwar war das für einen member of staff nicht wirklich angemessen, aber das verzieh mir hier jeder und schließlich kam dann auch der Head, rettete mich und schüttelte mir die Hand: „Fantastic job, Olli, you are a great man, that was the best Christmas Party for the Juniors we have ever had! We had a lot of fun!“.

Da ich ein unglaublich gutes Term hatte, schrieb ich ganz nach englischer Tradition einige Weihnachtskarten an einige Lehrer und erhielt auch selbst welche.
An dieser Stelle auch vielen Dank an das JGA-Team für die Weihnachtskarte und den kleinen Adventskalender, ich habe jetzt eine elektronische Kerze darin und es verziert nun mein Arbeitszimmer.

An den letzten Schultagen erhielt ich auf einmal auch Weihnachts/Grußkarten von
einigen Familien meiner Deutschschüler, was mich außerordentlich freute! Auch gab es massenweise free hugs zum Abschied.

Ich habe einige neue Ideen für das nächste Term an denen ich nach Weihnachten arbeiten werde, nachdem ich meine ganzen Übungsessays für IELTS geschrieben und meine to do Listen abgearbeitet habe.

Es hält außer mir nur noch eine Assistant über Weihnachten hier in England die Stellung halten. Vom 16.–21. Dezember waren wir zwei in Cambridge, Leeds, York und Liverpool. Da sie auch sehr in Geschichte interessiert ist, war das eine Reise ganz nach meinem Geschmack. Es war toll die ganzen berühmten Colleges in Cambridge zu sehen, das Royal Armoury Museum in Leeds, das Tropial Garden Center und die Markthalle. Die zwei Tage im historischen York war das highlight für mich persönlich- und die Stadt war auch fantastisch!! Soooo viel Geschichte, zum Greifen nah, die unglaubliche Kathedrale, das Yorkshire Museum in dem ich mehr über die Rosenkriege (Edward III) lernte und mir endlich merken konnte, dass die weiße Rose die von York war. 😀 Auch auf der 5 km langen Stadtmauer zu laufen, durch die engen, verwinkelten Gassen mit den herrlich schiefen Fachwerkhäusern… toll! Und das alles in diesem einzigartigen, mittelalterlichen Flair. Auch die Entstehungsgeschichte des Names York ist faszinierend und beschreibt super die Geschichte der Stadt. Liverpool hingegen ist sehr modern und sehr schön anzusehen, es war ein tolles Gefühl im Heimathafen der Titanic herumzulaufen und auch der Geschichte des Hafens im Maritime Museum näher zu kommen und den Spuren der Beatles im Beatles-Museum und Elvis zu folgen. Alles in allem waren es großartige Tage und eine erfolgreiche Reise. Silvester werden wir zwei auch in London verbringen.

Ich finde wir sind hier allgemein eine super Truppe und wir Assistants haben weiterhin sehr viel Kontakt untereinander. Im März werde ich (sofern alles mit der Planung klappt) die Assistant in Schottland besuchen und im April geht es mit allen Interessierten zur kornigen Mauer…

Ich bin sehr glücklich, dass ich Teil vom LWC bin und es auch mein Zuhause und Arbeitsplatz nennen kann. Ich genieße es, der German Assistant zu sein und mein persönlicher Wunsch, Lehrer zu werden hat sich gefestigt. Ich konnte die Erfahrungen sammeln, die ich wollte und ich bin hier sehr glücklich. Nach den Ferien werde ich (wenn hoffentlich alles klappt) je zwei meiner Freistunden im Spanish und History Department verbringen und dem Unterricht als Assistent beiwohnen. Besonders auf die Geschichtsstunden freue ich mich sehr!! Ich werde in die verschiedenen Klassen mal reinschauen und bei die Lower 6 besuchen wenn die NS-Zeit durchgenommen wird. Ich bin vorbereitet! =)

Heimweh hatte ich nie und wollte eigentlich auch nie nach Hause, ich möchte die einzigartige Chance die ich hier habe voll nutzen und komme selbstständig hier sehr gut klar. Kontakt mit meiner Familie und Freunden in Deutschland habe ich immer mal wieder meistens am Wochenende in Facebook und Skype. Ihnen allen noch schöne Festtage!! Ich werde am 24. und 25. hier kräftig feiern, und essen. 😀

Bericht für den Zeitraum Ende Dezember 2013 bis Ende Februar 2014, Ende der Ferien am 23.2.2014

An den Tagen vor Heiligabend (also eigentlich Heiligabende, da in Deutschland am
24. und hier ja am 25. Christmas Eve gefeiert wird und ich an beiden Tagen feierte) hatte ich eine fantastische Reise in den Norden mit der anderen hiergebliebenen Assistant. Unsere Ziele waren Cambridge, Leeds, York und Liverpool. Da wir zwei die einzigen waren die über die Weihnachtsferien in England blieben, bot es sich an, zusammen etwas zu unternehmen. York stand schon seit Anfang an auf meiner to-visit-list für England und so hatten wir einige Tage vorher unser Programm und Übernachtungen ausgearbeitet. In Cambridge sahen wir uns die ganzen berühmten Colleges an und gingen in paar der Büchereien. Unser eigentliches Ziel war es, die Magna Charta anzusehen, die sich angeblich in Cambridge befinden soll, jedoch sich erfolgreich vor uns versteckte. Wir konnten sie nicht finden und seltsamerweise wusste auch keiner der Angestellten wo das vermutlich wichtigste Dokument der englischen Geschichte sich befand. Zwar war dies ein kleiner Dämpfer (weil ich das unbedingt sehen wollte) aber dafür konnten wir eben in einige der weltberühmten Colleges und Unis gehen. Cambridge besteht eigentlich nur aus der gigantischen Uni die in die verschiedenen Colleges (wie St. Johns und Kings College) unterteilt ist. Man bewirbt sich also nicht allgemein an der Uni, sondern an dem jeweiligen College. Jetzt weiß ich wie meine zukünftige Bildungsanstalt aussieht, hihi. Nachmittags ging es nach endlosen Runden in der Altstadt zurück zum Bahnhof und wir fuhren nach Leeds. Bei der Planung haben wir gesehen, dass Leeds auf dem Weg nach York liegt. Da die Sehenswürdigkeiten online ganz hübsch aussahen, beschlossen wir der Stadt für zwei Tage einen Besuch abzustatten. Das einzige was ich vorher von Leeds gehört hatte war der Fußballverein. In Leeds wollten wir dann die alte Markthalle besuchen, die Shoppingmeile, das Rathaus, the Tropical Garden Center (eine Art Indoor- Zoo für tropische Tiere) und das Royal Armoury Museum. Letzteres war definitiv das coolste der Programmpunkte und wirklich sehr interessant!! Auf fünf Stockwerken sah man Rüstungen, Waffen und alle Arten militärischer Errungenschaften der verschiedenen Jahrhunderte und sogar die Schwerter aus Der Herr der Ringe, was mich persönlich sehr in einen fanatischen Zustand versetzte. Recht amüsant auf der anderen Seite waren die zahlreichen Stationen, um etwas selbst auszuprobieren und die Rüstungen vom dicken Heinrich 8. Diese waren einfach nur riesige Bälle aus Metall und es sah recht ridiculous aus. Zum selbst ausprobieren gab es beispielsweise eine kleine Anlage, mit der man herausfinden konnte, ob man es im Mittelalter zu einem guten Bogenschützen gebracht hätte. Man zog also an einer Bogensehne und der Computer errechnete, ob man den Feind getroffen hätte und wie stark die Zugkraft war. Ich fand das super, weil es in den Filmen immer so mega einfach aussieht einen Pfeil abzuschießen. Hier kann ich nun verkünden, dass ich von der maximalen Reichweite eines englischen Langbogens 200 Meter beim ersten Versuch erreichte. Der Feind stand auf der Skala bei circa 450 Metern, also war ich nicht gerade eine große Gefahr und auf der Skala erschien das Kommentar: Have you had breakfast?

Das konnte ich mir natürlich nicht gefallen lassen und beim dritten Versuch konnte ich einen Treffer erzielen, auch wenn ich mir dabei fast den Arm auskugelte. Auch konnte man bei einer anderen Station versuchen, ein Luntenschlossgewehr aus dem englischen Bürgerkrieg zu laden. Wie man sich denken kann, hat das keiner von uns hinbekommen und wären vermutlich in den ersten drei Minuten der Schlacht selbst erschossen worden. 🙂

In den oberen Stockwerken gab es eine ganze Abteilung über Jagdwaffen, welche für mich eher wie Kunstwerke aussahen als Werkzeuge zur Jagd. Armbrüste vollständig aus Silber und Elfenbein und Gewehre aus Hirschgeweihen, also eher Statussymbole als Waffen. Ganz oben gab es eine sehr faszinierende Abteilung über moderne Kriminologie und das moderne Militär, also die Ausrüstung der englischen Armee in Afghanistan etc. Insgesamt ein unglaublich lehrreicher Ausflug (und dabei noch gratis Eintritt, was sehr oft der Fall ist) den ich wärmstens weiterempfehlen kann!! Auch ist Leeds an sich eine sehr schöne Stadt mit tollen Gebäuden am Fluss und im Stadtzentrum. Nach den zwei Tagen (an denen wir uns in Leeds auch wunderbar und hoffnungslos verlaufen hatten beim Versuch das Hotel zu finden und wir uns dann ziemlich spontan zum Zeitvertreib im Kino den neuen Hobbit ansahen) ging es am Morgen weiter via Zug nach York. York war und ist einfach der Hammer!!!!!!

Für mich als absoluten Geschi-Fan war es ein Traum in diese geschichtsträchtige Stadt zu gelangen, die in der englischen Geschichte besonders ab dem späten Mittelalter eine zunehmend bedeutende Rolle spielte. Englische Geschichte ist einfach der Hammer!!

In York sahen wir uns selbstverständlich die große, berühmte Kathedrale (die dort the Minster genannt wird), ebenso wie die wundervolle, mittelalterliche Altstadt mit herrlich schiefen Fachwerkhäusern. Am ersten Tag besuchten wir das Jorvik Museum (Jorvik war der Name der Wikinger für die Stadt und es ging um die Anfangszeit der Wikinger in Englands Norden), an den nächsten zwei Tagen das Museum of York (sehr zu empfehlen!!!), die alte Stadtmauer und den historischen Marktplatz.

Für die letzten beiden Tage ging es nach Liverpool. Dort sahen wir den echt hübschen Hafen und folgten auf den Albert Docks den Spuren der Beatles im Beatles Museum. Bei Nacht sah der Hafen mit den vielen Hochhäusern und Schiffen noch schöner aus. Am nächsten Tag besuchten wir dann noch das Liverpool Maritime Museum. Wie man mich kennt hätte ich mich Tage darin aufhalten können, da es um die allgemeine Seefahrtsgeschichte ging und um die Entwicklung des Hafens von Liverpool, der wie wir gelernt haben der populärste Hafen Englands war für die Auswanderer in die Neue Welt. An diesem letzten Tag fuhren wir dann auch wieder zurück nach London und von dort ging dann jeder seinen Weg weiter nach Hause.

Am 22. Dezember ging ich nach Basingstoke um übelst shoppen zu gehen, da meine Vorräte recht aufgebraucht waren. Bei dieser Gelegenheit stattete ich dem Frisör auch mal einen Besuch ab und hatte endlich einen hair cut, der den Stürmen standhielt.

Am 23. Dezember war ich dann wieder in meiner tollen Wohnung im LWC und bereitete mich auf die Heiligabende, Schule und Neujahr vor. Am deutschen Heiligabend skypte ich mit meiner Familie und kochte mir ein super Festabendessen, bestehend aus Hirschgulasch, Rotkohl und Semmelknödeln aus dem CarePaket meiner Eltern Anfang Dezember. Gott war das gut!!!!! Was auch sehr gut war, war das Fernsehen an Weihnachten, da die lustigsten Filme kamen. Am 25. hatte ich ein schönes Abendessen mit dem Staff im Junior House und wir spielten witzig- bescheuerte Weihnachtsspiele.

Nach Weihnachten (und einigen echt coolen Weihnachtskarten von Lehrern und einer Flasche Wein von einem Schüler) blieben mir noch einige freie Tage in denen ich für die Schule etwas machen konnte, bevor es ans Planen für Silvester ging. Wenn wir zwei schon die Ferien über in England blieben, wollten wir uns auch das viel gelobte Feuerwerk in London ansehen. Mit uns würde ein Deutschassistent sein, den ich beim Seminar des Goethe-Institutes in Manchester kennengelernt hatte und mit ihm würde ich dann auch noch drei weitere Tage in London bleiben. Zwar haben wir fünf Stunden gewartet aber die 10 Minuten Feuerwerk haben sich wirklich gelohnt! So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen und trotz kaltem Regen (Überraschung…) war es echt super. Nach dem Feuerwerk war es in diesem Sinne auch interessant als die bestimmt mehrere tausend Menschen in einer einzigen bewegten Masse über die Brücken in der Innenstadt zu den U-Bahnen gingen. In den nächsten Tagen hatten wir ein sehr intellektuelles Programm (Forbidden Planet, den Comedy Cellar, Museum of London, nett essen gehen, British Museum) in London und es hat sehr viel Spaß gemacht!!

Am sechsten Tag des neuen Jahres ging der Schul-Spaß wieder los und vormittags gab es ein großes Staff-Treffen, an dem die neuen Ziele für das Jahr besprochen wurden und es allgemeine Infos gab. Erster Schultag war am Dienstag darauf und es war schön alle wieder zu sehen, sogar meine naughty 5th formers. 🙂 Nein, also meine 5th form (10. Klasse) ist wirklich toll. Die Schüler sind in dem Alter in dem sie wissen was in Ordnung ist und was nicht, so kann man auch mal richtig gute Witze und auch guten Unterricht mit ihnen machen. Generell kann ich sagen, dass mein Verhältnis zu den Schülern sehr gut ist und es mir sehr viel Spaß macht mit ihnen zu arbeiten. Natürlich gibt es immer mal Schüler in allen Jahrgangsstufen die nerven oder mal eine Linie überschreiten, aber ich hatte bisher nur geringe Probleme. In der Prep gibt es auch immer mal gute und schlechte Tage. An manchen sind die Juniors richtig toll und man will sie einfach nur knuddeln und an anderen Tagen wünscht man sich ….was anderes……

Auch half ich von Mittags bis 22 Uhr beim großen Junior Concert aus. Die vier Lehrer des Musik Departments waren mit dem Proben, Organisieren, Stimmen von Instrumenten, Ruhig halten, Disziplin wahren, spielen und singen üben mit/von 48 Juniors leicht überfordert, nicht zu vergessen etwa das Verwalten von ca 80 Instrumenten in einem Raum, da manche Schüler mehrere Instrumente spielen. Die Head of Music schrieb mir am Tag zuvor eine email, ob ich nicht aushelfen könnte, da komischerweise kein anderer Lehrer aushelfen konnte…. . Als ich ankam waren die Lehrer schon voll im Stress und baten mich um einen meiner momentanen Lieblingsausdrücke hier zuverwenden, um „crowd control“. „Crowd control“ ist das mega streng geheime Codewort unter den Lehrern für „auf Juniors aufpassen“. Von 13 bis 19 Uhr war ich in der Halle, hielt die Juniors während der (General-)proben ruhig, trug monströse Cellos und Tubas umher (einer der kleinsten Juniors spielt das größte Cello und das sieht einfach unglaublich aus, witzigerweise bekommt er immer die Bassnoten, da er mit dem Arm nicht nach ganz oben kommt) und half wo ich sonst noch gebraucht wurde. In der (halben) Stunde vor dem Konzert wurden die Juniors ziemlich nervös und bekamen Lampenfieber. Während die Lehrer alles aufbauten und sich mit einer ständig verstimmenden Klarinette herumärgerten, versuchte ich mich auf meine Weise nützlich zu machen. Da einige Juniors auch ihre Eltern, viele Lehrer (including Schulleiter and company) erwarteten, wurden sie sehr nervös und ich versuchte sie zu beruhigen und einige auch zu ermutigen. Ich ging also von Grüppchen zu Grüppchen, sprach mit den Schülern, sagte ihnen dass sie viel geübt haben, das schaffen würden, gute Spieler seien (was auch stimmte) und sie sicher ihre Eltern, Lehrer und natürlich mich stolz machen würden! Viele brauchten einfach nur einen kleinen Schubser in Richtung Selbstvertrauen wenn sie Solostücke spielen und/oder singen oder zusammen spielen sollten. Das hat super funktioniert und ich war echt froh dass sie dadurch etwas beruhigt oder abgelenkt wurden, da ich manche auch einfach fragte was sie spielen würden oder wie ihr Instrument gespielt wird. Mich hat es beispielsweise immer gewundert wie man eine Posaune spielt?! Jedenfalls half ich nach dem Konzert mit, alles wieder hin und wegzuräumen und die Spuren der Feierlichkeiten zu beseitigen. Die Head of Music bedankte sich sehr herzlich bei mir, würde mich zu jedem Musikausflug einladen, erklärte mich zum Ehrenmitglied des Musikdepartments und schenkte mir eine Flasche Weißwein. Anschließend gingen wir dann noch in den Pub. ^^

Was ich sehr spannend finde ist, dass ich mir irgendwie automatisch angewöhnt habe mit den verschiedenen Jahrgängen anders zu reden. Wenn ich mit den 10. Klässlern so reden würde wie ich es manchmal mit der 5. Klasse mache, würden sie mich recht seltsam angucken. Andererseits muss man sagen, dass man mit manchem 10.ten wirklich besser so redet wie mit einem Fünftklässler. ^^ Der Humor der Lehrer und Schüler ist recht unterschiedlich und da ich zwischen diesen beiden Stufen stehe habe ich in dieser Hinsicht eine gewisse Narrenfreiheit. Als Lehrer braucht man ja eine professionelle Distanz zu den Schülern, schließlich ist man kein Vaterersatz, kein lieber Märchenonkel oder ähnliches. Ich habe hier schon von Juniors (und auch 5th formers) gesagt bekommen, dass ich ihr Lieblingsassistent sei und für einige Juniors sei ich wie eine Art großer Bruder, zu dem man mal rennen kann, wenn man ein Problem oder eine Frage hat. Nur muss ich dabei aufpassen, dass es nicht zu privat wird und ich ebenfalls für mich die professionelle Distanz behalte. Jedoch hatte ich bisher damit keine Probleme, ganz im Gegenteil. Momentan bin ich sehr glücklich und zufrieden wie die Dinge hier laufen, also mit Lehrern, Schülern und mit meiner Arbeit. Zwar habe ich eigentlich rund um die Uhr zu tun in vielen verschiedenen Bereichen, aber ich finde meinen Job hier als Assistant einfach suuuuper!! Um ehrlich zu sein, ich würde sogar länger hier bleiben als nur das eine Jahr, um noch mehr involviert zu werden und noch mehr Erfahrungen zu machen. Aber das ist leider nicht möglich. Wenn ich in 10 Jahren meine Ausbildung abgeschlossen habe, werde ich mich auf jeden Fall hier bewerben!!

Allerdings gab es in der ersten Ferienwoche auch einige seltsame Geschehnisse. Beispielweise hatten aus irgendeinem Grund die matrons von dem Haus in dem ich wohne einen kleinen Ausraster wegen der Waschmaschinen. Das Resultat von diesem Vorfall war, dass mich meine Chefin am nächsten Tag fragte, ob ich einer der Jungs gewesen sei, der eine der Waschmaschinen geschrottet hat. Ich fand das recht unverschämt und sprach mit ihr und den matrons darüber. Ich wollte in der Zukunft lieber direkt gefragt und angesprochen werden, wenn es etwas gäbe, anstatt über eine dritte Partei es gesagt zu bekommen. Ich stellte klar, dass ich es nicht gerade freundlich fand über mehrere Ecken bescheid zu bekommen, dass etwas passiert sei, wenn ich damit in Verbindung gebracht würde. Wie auch immer, das Resultat von der kaputten Waschmaschine ist nun, dass alle members of staff nur noch am Sonntag ab 16 Uhr die zwei restlichen Maschinen benutzen dürfen und die 80 Schüler im Haus von Montag bis Freitag. Ich bin gespannt wie lange diese neue Regelung hält, ich bin mir sicher, nicht lange. Ich hatte sowieso immer nur am Sonntag meine Wäsche gewaschen, weil man mir das am Anfang so sagte, aber an diesem Wochentag meine einzigen Handschuhe und den dazu passenden Schal gewaschen, weil mir beides in den Matsch gefallen war und weil Matschflecken ganz übel rausgehen, habe ich sie gleich in die Maschine getan und würde das auch immer wieder machen, weil dies eine begründete Ausnahme ist bzw. war. Und weil ich der einzige ‚Ungewöhnliche‘ war an diesem Tag, haben die Matrons messerscharf geschlossen, dass ich die Maschine beschädigt habe. Wir konnten das höflich klären und jetzt ist das Verhältnis wieder besser. Ich habe gezeigt, dass ich mir nicht alles gefallen lasse und das hat auch Wirkung gezeigt.

Doch nun zurück zum alltäglichen Schulwahnsinn: in den Wochen im Januar und Februar gab es weniger Projekte als während der (Vor-) Weihnachtszeit, aber wesentlich mehr akademische Schularbeit zu erledigen. Auch kommt hinzu, dass ich 10 Tage aufgrund einer heftigen Bronchitis außer Gefecht und somit nicht im department war. Nichtsdestotrotz sind meine Tage im department immer noch extremely busy und ständig kommen neue Aufgaben hinzu. Meine to do Listen füllen sich regelmäßig und das wiederum schneller als ich es abarbeiten kann. Daran habe ich mich aber schon gewöhnt und es gab auch noch keine Komplikationen, da ich die Aufgaben, Übungen etc immer pünktlich abliefern konnte. Meine Chefinnen meinten schon, dass meine deutsche Produktivität/Effizienz dem department sehr zugute käme, hihi.

In der ersten Woche haben auch meine Stunden mit einem jungen Musiklehrer ihre Regelmäßigkeit gefunden. In den ersten end of term Ferien ist er mit einem Freund zwischen München, Salzburg und Wien hin und her gereist und war fasziniert von Kultur, Land und Leuten. Dies war der Moment in dem er beschlossen hat, mehr Deutsch zu lernen und so kam er eines Tages zu mir ins department und fragte, ob ich ihm einige Deutschbücher zum Üben leihen könnte. Im Laufe des Gespräches einigten wir uns darauf, dass ich ihm Deutschstunden gebe und er mir Gitarrenstunden. Er hat in Deutsch damals GCSE gemacht und kennt noch die Grundlagen, würde es aber gerne perfektionieren. Und ich kann behaupten, dass er mein bester Schüler ist, haha. Wir können schon über politische Fragen diskutieren und viele Themen behandeln.
Aber bei ihm, als auch bei den Schülern gibt es die ewigen drei Probleme beim
Däutsh lernen:

  • -die Artikel, welche Nomen warum welches Geschlecht haben, was für Tipps und Tricks es dabei gibt und wie sich diese ändern im jeweiligen Gebrauch und Verlauf der
  • FÄLLE!!! Im Englischen ist es abhängig von der Position des Verbs was für ein Sinn der Satz macht.

Im Deutschen brauchen wir für die unterschiedlichen Situationen die Fälle, damit der/die andere versteht von was wir reden. Da die Regeln für den Gebrauch nicht immer eindeutig sind, ist es am besten Signalwörter auszugeben, nach denen ein bestimmter Fall zu 98% immer folgt. Folglich gestaltete ich Infoblätter zum Austeilen und große Poster für die Klassenzimmer. Besonders in der 5th form stieß das auf Dankbarkeit. Wenn sie sich aber bedanken wollen, haben sie oft Schwierigkeiten die richtigen Wörter zu finden mit der – Word order!!! Der deutsche
Satzbau verbaut hier vielen Schülern den Satz. Fairerweise muss man ja dazusagen, dass die Regelung Subjekt Prädikat Objekt im Englischen genauso gilt wie im Deutschen, allerdings gibt es im Deutschen mehr grammatikalische Freiheiten, noch Raum und Zeit einzubringen. Ich fand Deutsch als Sprache schon vor meinem Jahr in England einfach super, aber hier sehe ich vieles von einer anderen Perspektive was ich aber großartig finde!! Ich finde es linguistisch gesehen sehr interessant wie man Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und man ist ehrlich öfter mal für einen Moment ratlos wenn man nach dem Unterschied zwischen mir und mich gefragt wird. Wann benutzt man warum was? Ach, ich würde gern noch Deutsch studieren, aber das geht nun wirklich nicht, ein 4. Fach …. Aber vielleicht kann ich irgendwie noch eine Zusatzausbildung für DaF machen?! (Nachtrag: ich studiere ja mittlerweile Geschi, Englisch, Bildungswissenschaften fürs Lehramt an Gymnasien und werde ab dem 3. Semester für 2–3 Semester Deutsch als Fremdsprache in zusätzlichen Modulen/Lehreinheiten dazu nehmen. Je nach Hauptfächern sind das variierte Inhalte vom Studienfach Deutsch)

Aber zurück zum Thema: Folglich gestaltete ich zu verschiedenen Aspekten (Bindewörter, das Verb als 2. Position, mehrere Verben in einem Satz, gemischte Sätze, verschiedene Zeiten usw…). Ich kreierte also Übungssätze in falscher Word Order und die Schüler sollten diese dann mit mir in einer 1:1 Session korrigieren. Das war eine super Idee, da es bei vielen Schülern Klick machte und ich voller Stolz sagen kann, dass die Essays danach in Sachen word order spürbar besser wurden. Wir alle waren sehr zufrieden damit und nach den Ferien würde ich einige eigene Stunden nochmals über word order halten. Darauf freue ich mich schon, da es meine erste Unterrichtsstunde vor der komplette 5th form Klasse sein wird!! Zusätzlich zu den Übungen besprach ich auch mit einigen Schülern inhaltliche und organisatorische Punkte für ihre Mock Examen (Vorbereitung für die GCSE Examen). Ich versuchte letzte Fragen zu beantworteten, die allgemeinen Gemüter zu beruhigen und bei Bedarf weiteres Vokabular für Einleitungen, Meinungsäußerungen und Schlussfolgerungen zu geben. Vor allem wollte ich das Niveau etwas aufpushen um Sätzen wie folgende zu verhindern:

  • Ich habe ein Buch gegessen.
  • Ich bin in Restaurant geschwommen.
  • Ich bin schwimmen gefahren.
  • Ich habe ein Nickelkanin.
  • Ich habe einen Tisch für einen Ober besucht.
  • Ich mag Rugby weil es toll ist.
  • Wir spielen Tennis weil es Spaß macht.
  • Ich liebe Motorboote, sie sind groß.
  • Der Schüleraustausch wurde zum Schilleraustausch.

Besonders bei den besseren Schülern in Deutsch wollte ich versuchen, solches zu vermeiden:

  • Ich hasse die Nachrichten und Kindersendungen weil sie furchtbar und schlecht sind.
  • Ich mag keine Leberwurst, Leberwurst ist schrecklich.
  • Meine Lieblingssendung ist Gigantische Knall Planung (The Big Bang Theorie), das ist wunderbar und lustig, herrlich und faszinierend.
  • Mein Lieblingsfilm ist Findet Nemo, es ist ein Thriller und gut gegen böse.
  • Ich habe Orangeria getrunken und das Essen war kalt und spät, aber es war sehr gut.

Im Laufe des Januars erhielt ich auch fünf neue Schüler für jeweils eine Unterrichtsstunde in der Woche. Einmal habe ich zwei Jungs (beide sind eigentlich echt super in Deutsch, haben jedoch ihre Mockexamen ziemlich verhauen) denen ich beim listening und reading helfe. Dann habe ich zwei andere Jungs (reading, writing und die beiden haben einfach das Vokabular eines Fünftklässlers und brauchen dringend Hilfe einfache Sätze zu bilden), sowie zwei Stunden eine Schülerin (in meiner 4th form die auch Vokhilfe braucht). In meinen 35 Minuten mit ihnen versuche ich dort zu helfen wo es weh tut und wo allgemeine Unsicherheit herrscht.

Meine Chefin hatte mich vorher gefragt, ob ich wirklich die fünf Schüler (mit all der Arbeit für Vorbereitungen, Fragen, Planung, Ausarbeitung etc) zusätzlich zu meinem für meine Assistant-Verhältnisse recht vollen Stundenplan hinzufügen möchte. Die extra Arbeit war mir durchaus bewusst und ich habe nun fünf freie Stunden (in denen ich anderes arbeiten oder vorbereiten könnte) weniger aber das ist es mir wert. Ich meine, dass ist doch der eigentliche Grund warum ich hier bin oder nicht? Den Schülern die entweder sich mit Deutsch sehr schwer tun oder sehr gut sind zu helfen, ich halte diese Stunden für einen sehr wichtigen Teil meiner Aufgabe als Assistant hier!!! Alle wussten das glücklicherweise sehr zu schätzen was mich zusätzlich sehr gefreut hat.

Jedoch muss ich sagen, dass ich nicht gerade viel Hilfe bekommen habe, Unterrichtsstunden für die jeweiligen Personen auszuarbeiten. Für die Lehrer hier ist es alles ein selbstverständlicher Ablauf und sie haben hunderte Quellen zur Verfügung von denen sie GCSE-qualifiziertes Übungsmaterial herbekommen können, die ich nicht habe. Von daher gab es das alte Problem, dass mir eine (neue) Aufgabe zugeteilt und von mir erwartet wurde, es sofort den ganzen Vorstellungen und Vorschriften entsprechend zu machen. Zwar hatte ich jede Menge Ideen, aber keine lehrtauglichen Beispiele oder Erklärungen vorher erhalten und so habe ich mir selbst etwas einfallen lassen. Wie man sich denken kann stimmten diesen Übungen nicht zu 100% mit den mir unbekannten Vorgaben überein und meine Chefin fragte mich ob ich wirklich verstanden habe, was sie möchte, was ich mit den Schülern tun soll. Natürlich hatte ich verstanden, was sie von mir wollte, aber wenn man mir nur sagt: „Entwerfe eine Übung für GSCE- reading für die zwei Level 3- Schüler.“, dann suche ich zwar nach Beispielen, finde aber kaum welche, weil ich keinen Zugang zu den Prüfungsmaterialien habe oder nicht weiß, wo ich suchen soll. Leider habe ich nicht nach Details gefragt, weil ich ja Ideen hatte… Aber es ist dann echt frustrierend, wenn ich die selbstkreierte Übung dann zeige und ich als Antwort bekomme: „Ich glaube du hast nicht wirklich verstanden was du tun sollst.“ In diesem Moment wurde ich dann etwas säuerlich und fragte, wie ich denn das gesamte System hier verstehen und Übungen entwerfen soll, wenn mir kein Mensch genau sagt was und wie ich etwas tun soll, nur DASS ich etwas tun soll. Ich brauche keine Korrekturen oder Führung, ich brauche einfach eine gute Erklärung als Einführung in ein Thema oder in diesem Falle die Übungen für die Schüler und dann kann ich es selbst für später tun!! Präzise Erklärungen und Beispiele haben normalerweise auch eine präzise Umsetzung zufolge. Wenn man hier keine Zeit hat mir etwas genauer zu zeigen wie man es sich vorstellt, soll man mir entweder Material digital schicken oder es lassen, wenn man es mir nicht gescheit erklären kann. Dies ist bisher mein einziger, wirklicher Kritikpunkt an meiner Arbeit und dieses Thema hatten wir ja schon mal. Ich habe jetzt beschlossen, ich muss mir eine Liste machen, mit Punkten, die ich abfragen muss, wenn ich einen Auftrag bekomme.

An dieser Stelle muss ich auch eine recht amüsante Unterhaltung erwähnen, welche meine persönlichen Arbeitszeiten und Arbeitsaufwand wesentlich verändern würde, was mir in dem Moment nicht notwendig vorkam aber was ich später sehr begrüßte. In der Woche vor den half term Ferien fragte ich meine Chefin in unserem meeting ob ich irgendetwas anders machen sollte, etwas lassen sollte oder ähnliches. Ich wollte nur wissen, ob sie zufrieden mit mir ist und ich etwas verbessern könnte, da ich so effektiv und hilfreich für sie und das department wie möglich sein möchte. Als ich in dem Gespräch aufzählte, was ich alles an unterrichtsspezifischen und außerschulischen Aktivitäten und Projekten (plus die fünf neuen Schüler für Einzelstunden) als Aufgaben hatte, meinte sie ich hätte zu viele Stunden und würde viel zu viel arbeiten. Diese Aussage überraschte mich etwas, da ich mit dem großen Arbeitspensum bisher keine Probleme hatte und alles pünktlich oder früher abgeben konnte. Inmitten des Gesprächs kam dann noch die Head of MFL hinzu und gab mir einen humorvollen Anschiss, dass ich wirklich zu viel arbeiten würde und ich etwas runterschrauben solle. Schließlich würde ich alles mehr als rechtzeitig erledigen, die Lehrer seien sehr zufrieden mit mir, ich sei eine große Hilfe. Ich solle aber bitte meine Bemühungen und deutschtypischen Arbeitstiereigenheiten etwas drosseln, z. Bsp. wenn ich in meiner Wohnung bin, nur noch 90 Minuten für die Schule und nicht am Wochenende arbeiten. Zunächst war ich etwas ablehnend gegenüber diesem statement, aber sie konnten mich überzeugen und es hat mich jetzt auch wesentlich entspannter gemacht.

Ansonsten kann ich aber nur wiederholen, dass ich mit meinem Lehrerkollegen im department super gut auskomme und immer noch sehr glücklich am LWC bin! Ich habe immer noch kein Heimweh und nicht deswegen, weil es mir zuhause nicht gefällt!
Seit Beginn des Jahres habe ich auch immer noch eine Stunde mit der einzigen Schülerin in der Oberstufe die in Deutsch A- level Prüfungen ablegt. Auch hier klappt es sehr gut und ich bin sehr zufrieden mit ihr. Meistens bin ich mit den Themen einige Wochen hinter meinen Kollegen und ich konzentriere mich auf das Sprechen mit ihr über die jeweiligen exam topics.

Alles in allem kann ich von meiner arbeitstechnischen Seite sagen, dass ich hier unglaublich viel dazulerne (nicht nur, dass sich mein Englisch immens verbessert hat und ich im pädagogischen Bereich viel Erfahrung sammle) und ich sehr dankbar für die ganzen Eindrücke, Einblicke und Erfahrungen bin!!

In diesen letzten zwei Monaten konnte ich auch meine Clubs weiter ausbauen, was ich suuuuuper fand!!!! Zunächst leite ich den German Football Club weiter während der Mittagspause an Freitagen. In den ersten paar Minuten bringe ich den Juniors (unter ihnen auch welche die nicht Däutsh als Fach haben) ein paar Fußballwörter bei, dann gibt es die Teameinteilung und anschließend mögen die Spiele beginnen. Soviel zur Theorie. Bisher fand der Club auf dem kleinen Spielfeld hinter dem MFL department statt und meistens bin ich mit den pünktlichen Juniors zeitgleich dort oder auch etwas später, weil ich nur 20 Minuten für Mittagessen und Sachen zusammenholen (Pfeife, Trikots, Ball und Namensliste) habe. In der Praxis sieht es meistens so aus, dass ich von Anfang an den Fußball mir schraubstockartig unter den Arm klemmen muss, damit dieser mir nicht geklaut wird und dann unkontrolliert gespielt wird. Es ist wirklich eine wertvolle und wichtige Erfahrung für mich diesen Club zu leiten. Ich habe wesentlich mehr Selbstvertrauen, Auftreten und Planung gewonnen, kann auch mal rumbrüllen und Anordnungen erteilen. Ich habe gelernt mit den Schülern (besonders den jungen Juniors) in den verschiedenen Situationen richtig umzugehen und weiß, wann was für ein Statement angebracht ist. Um Bismarcks „Zuckerbrot und Peitsche“- Strategie anzusprechen: ich finde, das ist eine wirkungsvolle Methode. In manchen Situationen muss man einfach mit der oralen Peitsche auftreten und den Juniors sagen wann sie was wie zu tun haben, oder auch einfach wann sie die Klappe halten sollten. Natürlich muss man dabei aufpassen, dass man dabei nicht unhöflich wird (freundlich aber bestimmt) und die Schüler nicht denken man „mag sie nicht“. Ich habe keine Schüler die ich nicht mag, manche sind nur etwas schwieriger oder nerviger als andere. Aber es gibt vier Juniors die permanent Ärger machen wenn ich sie treffe und daran muss ich arbeiten. Wenn ich die Schüler außerhalb der Schule oder des Unterrichts treffe ist es ein anderer Sachverhalt als während des Unterrichts oder eines Clubs. Witze mache ich eigentlich sehr oft mit ihnen oder wir necken uns. Im Unterricht albere ich zwar auch mit ihnen herum, aber dann eher auf der sachlichen Ebene, um ihnen einen Fehler zu zeigen oder die richtige Schreibweise näher zu bringen. Beim Football Club muss ich kontinuierlich darauf achten, dass die Juniors während und vor dem Spiel nicht zu overexcited werden, alle Sportschuhe tragen, den Fußball nicht mit einer Kanonenkugel und Fußball nicht mit Rugby verwechseln. Ich habe gelernt den Club und die Schüler zu organisieren, konsequent zu sein und dafür zu sorgen, dass es nicht außer Kontrolle gerät. Dies kann sehr leicht passieren wenn man 16 Juniors betreut die es alle lieben Fußball zu spielen. Zuerst versammle ich alle um mich herum, sage wer wohin die Tore schiebt und wer in welchen Teams ist. Hierbei gibt es keine große Diskussion und wenn das getan ist gibt es Deutsche Vokabeln und dann wird gespielt bis (hoffentlich nicht) der Arzt kommt. =)

Das Spiel geht dann meistens 20–30 Minuten und das Tor zählt nur wenn ich danach vom Team ein lautes TOOOOR!! höre. Gelegentlich wird das Spiel von mir durch Nebenkommentare von der Seite an gewisse Spieler wie – Jack, have you had breakfast? What was that? –  Are you kidding me? What kind of girly shot was that? – Into the out, are you crying now or what? – A foul? You wanna hav a hug? gewürzt.

Ein schöner Club ist es wenn ich sehe dass sie fair spielen und alle Spaß haben, dann bedanke ich mich bei ihnen und so ein Lob ist sehr effektiv, sie bedanken sich auch nun jedes Mal nach dem Club. Sie haben schon gesagt, dass sie nicht wollen, dass ich nach dem Schuljahr gehe. Auch wenn sie manchmal nerven sind die Juniors echt süß. ^^ Mir macht es immer viel Spaß, ich lerne aber auch die große Verantwortung verstehen, beispielsweise wenn jemand sich weh tut oder verletzt wird. Letzteres ist aber zum Glück nur einmal vorgekommen, da ist ein Schüler unglücklich gestolpert und hat sich die Ellenbögen aufgekratzt. Ich habe mir das persönliche Maximum von 16 Juniors gesetzt, mehr wird für mich dann zu unübersichtlich.

Ich selbst spiele nicht mit (was wäre ehrlich gesagt auch recht peinlich für den deutschen Fußball, da ich ohne meine Brille den Ball nicht einmal erkennen würde). Zum Glück bin ich aber nicht alleine, meistens habe ich einen freiwilligen Helfer aus der Upper 6, der Oberstufe, dabei, der mir hilft alles im Auge zu behalten. In der zweiten Woche nach den Ferien hatte ich aber auf einmal die blöde Situation, dass, ohne dass es mir gesagt wurde, die Juniors neue Clubs wählen durften. Somit hatte ich die für mich recht gruselige Situation, dass ich auf einmal 25 Juniors auf dem Feld hatte die natürlich alle meinten sie hätten sich für den Club eingetragen, obwohl es auf jeder Liste nur 14 freie Plätze gibt …. . Da ich natürlich auch die Liste leider leider (sowas kommt leider leider öfter mal vor, dass ich vergessen werde) nicht zugeschickt bekommen hatte, konnte ich leider leider nicht überprüfen wer wirklich darauf stand. Dies zog einige Probleme nach sich, da ich nun viel zu viele Spieler hatte und mich nicht auf alles konzentrieren konnte, zumal ich die ersten 15 der 30 Minuten alleine war, bis dann später ein U6er auftauchte. Ein weiteres Problem war dann, dass unter den Spielern auch einige Chaoten dabei waren und für Unmut sorgten. Es folgten unangebrachte Spielzüge, Äußerungen und fouls, die ich leider aber nicht alle mitbekam. Ich hatte mich entschieden, die Gruppe nun in 2 Gruppen aufzuteilen, so dass ich wenigstens alle halbwegs im Blickfeld hatte und sie alle mit dem gleichen Ziel beschäftigt waren. Zumindest war so die Theorie. Mitten im Spiel tauchten dann noch sechs weitere Juniors auf, die (Überraschung…) auch meinten sie hätten sich eingetragen. Ich schickte sie jedoch wieder weg, sonst hätte ich 31 fußballspielende Juniors gehabt was mich absolut überfordert hätte. Ich war echt froh als es dann vorbei war und am selben Tag schrieb ich einige Emails an die jeweiligen Verantwortlichen mit der dringenden Bitte um die Liste. Was mich geärgert hat, war, dass mir keiner geantwortet hat und ich erst dann die Liste bekam, als ich sieben Tage später zum Head of Co- Curricular ging und ihn direkt nach der Liste fragte die ich dann bekam. Es waren 12 Namen auf der Liste… Wie auch immer, in der Woche danach schrieb ich den Mitgliedern eine E-Mail und der Club am folgenden Freitag war wieder richtig super!! Ebenfalls bekam ich Unterstützung dem jüngsten Sohn der Head of MFL der mich gefragt hatte, ob er in meinem Club als Assistant des Assistant für sein DofE volunteering aushelfen könnte. Diese zusätzliche Hilfe nahm ich dankend an, da er auch in meinem history club ist und wir uns gut verstehen.

Die anderen beiden Clubs, die ich leite sind der German English History Club für die Juniors und für Schüler der 3rd, 4th und 5th form. Mit letzteren habe ich zusammen ein Programm entworfen mit Themen über die sie/ich gerne sprechen würden und das hat hervorragend geklappt. Nun bereite ich für die Clubs jeweils immer etwas vor und versuche es so unschulisch, informativ und unterhaltsam wir möglich zu machen. Das hat bisher gut geklappt und ich bin sehr happy damit und meine Mitglieder auch. Wir redeten über Etymologie von Wörtern im Deutschen und Englischen die einen gemeinsamen germanischen Ursprung haben, ein bisschen über unsere Familiengeschichte(n), deutsche Symbole, Geschichte, z. Bsp. die Tatsache dass die Deutschen das A4 Papier Standard entworfen haben. Momentan habe ich fünf Mitglieder und es hört sich verdächtig nach mehr an in der Zukunft. ^^ Diese beiden Clubs machen mir unglaublich viel Spaß und ich kann richtig unterrichten und ich habe über Umwege erfahren, dass die Schüler in beiden Clubs es amazing finden und sich jede Woche darauf freuen. Das hat natürlich mich wiederum wahnsinnig gefreut zu hören und diese Clubs sind auch meine persönlichen highlights der Woche. Für beide Clubs habe ich dann jeweils die gleichen Themen, nur auf unterschiedlichen Levels. Das Anpassen des Themas und meines Stiles an das Niveau der Schüler vor mir, meine ich gut hinzukriegen. ^^ Wir haben sehr viel Spaß dabei und werden es auch bis zum bitteren Ende weitermachen. 🙂

Auch habe ich mit meinen Germans of the week weitergemacht, was mir viel Spaß macht, sehr gut für mein Englisch ist und ich lerne auch viel über diese berühmten Persönlichkeiten dazu! Seit den Ferien hatte ich Otto von Bismarck, Alexander von Humboldt, Friedrich II von Preußen und King Albert. Meine Deutschklassen haben mir schon gesagt, dass sie es auch interessant finden (Ziel erreicht :D) und ich sende die Germans auch per Email an einige interessierte Lehrer. Der Geschilehrer mit dem ich öfters zusammenarbeite, druckt meine Germans für seine 5th form und Upper 6. Neben den Clubs habe ich wie gesagt auch wieder mit Gitarrenstunden bei dem Musiklehrer angefangen. Ich habe leihweise von der Schule eine Gitarre bekommen zum Üben.

Im Unterricht habe ich bisher auch mehrere Male in der Klasse meiner Chefin eigene Stunden selbst halten dürfen, dabei saß sie hinten im Saal und hat sich amüsiert. Alles hat gut geklappt und danach haben wir besprochen wir es war für mich, für sie und die Klasse. Mein hauptsächliches Problem waren weder die Schüler noch die Unterrichtsinhalte, sondern eher dass ich öfters die Zeit vergaß. ^^ Up to now hatte ich in meinen Stunden eher Sachthemen, die Grammatik kommt später noch mal, da werde ich einige Stunden über die word order halten.

Parallel dazu habe ich aus den beiden Schulbüchern die Seiten mit den Vokabeln der jeweiligen Kapitel kopiert, beidseitig gedruckt und zusammengetackert, damit die 5th formers ihre ganzen Voks zusammenhaben. Einige der 5th formers nennen mich allerdings nur „Bregula“ ohne Mister, so nennen sie sich oft gegenseitig, also nur den Nachnamen, was ich generell nicht sehr gut finde. Aber sie haben das schon sehr reduziert als ich ihnen dafür ein evil eye gegeben habe. Mit einigen habe ich mich auf Mr. B. geeinigt, da sie sich bei meinem Nachnamen echt die Zunge brechen.

Ich bin bei den Sonntagsausflügen mit den Juniors drei Mal ins Kino gegangen (Mandela, Robocop, 12 years a slave) und zusammen mit dem Geschichtslehrer in dessen Geschistunden ich manchmal bei bestimmten Themen wie Bismarck und Nationalsozialismus teilnehme und einigen anderen Lehrern in Monuments Men – war richtig toll mit den Lehrern mal was zu machen!!

Jedes Wochenende reise ich irgendwo hin für ein oder zwei Tage, entweder alleine oder zusammen mit anderen Assistants. Beispielsweise war ich mit einer Assistant und deren französischen Kollegin in Bristol und Bath, das war echt sehr schön. Die römische Geschichte von Bath hat mich wie man sich denken kann gepackt.

Mit einer anderen Assistant traf ich mich in Oxford. Es ist eine wirklich faszinierende Stadt mit wundervoll viel Geschichte, jedoch war ich gesundheitlich schon etwas angeschlagen und im Laufe des Tages wurde ich leider krank. An diesem Tag in Oxford war es mega windig, es regnete und war deshalb auch richtig kalt. Das alles war nicht gerade förderlich und am Ende des Tages fühlte ich mich wie ein Zombie. Als ich wieder zuhause war hatte das Fieber schlagartig zugenommen, mir tat alles weh, ich hatte grauenvollen Husten, Schnupfen, Kopfweh, die typischen Grippeerscheinungen und alles, was man nicht gebrauchen kann. Ich schrieb meinen Chefinnen eine E-Mail dass ich die nächsten Tage nicht kommen würde, weil ich krank sei. Die nächsten Tage entwickelten sich zu den nächsten zehn Tagen….ich war total ausgeknockt und erst sechs Tage später war das Fieber gänzlich verschwunden. Zwar schrieb ich auch emails an die matrons, jedoch erhielt ich von denen keine Antwort. Meine Eltern schickten mir glücklicherweise ein Eilpaket mit Medikamenten, die ich benötigte. Als ich fragte ob mir jemand das Paket bringen könnte, bekam ich als Antwort, dass ich es mir doch selbst holen könnte, da würde ich mal raus an die Luft kommen, es seien ja nur 100 Meter… die Pförtner würden ein einzelnes Paket nicht von ihrem Haus zu mir hoch tragen. Das fand ich nun echt nicht gerade entgegenkommend und hilfreich, da dies am fünften Tag meiner Krankheit war und ich mich wegen den Gliederschmerzen und meiner sonstigen Verfassung kaum bewegen konnte. So quälte ich mich aus dem Bett und holte das Paket selbst ab, was mir nicht gerade half, da es draußen schüttete. Da die zehn Tage Krankheit meine gesamte Planung auf vielen Ebenen völlig durcheinander brachten, kam ich auch nicht dazu meinen (diesen) Bericht fertig zu schreiben und musste das auf die half term Ferien vertagen. Ich habe eigentlich nur geschlafen und Kleinigkeiten gegessen, weil ich völlig am Ende war, kaum etwas zu essen in der Wohnung hatte und daraus nicht noch kreativ was kochen konnte. In den zehn Tagen habe ich drei Kilo abgenommen und wog am Ende 58 Kilo bei 180 cm. Ich habe meine Chefinnen nach meiner Genesung darauf angesprochen, dass ich es ziemlich unmöglich fand, dass kein Mensch mal geschaut hat, wie es mir geht. Sie hatte mir auf meine Krankmeldung geschrieben: wenn du was brauchst, sag bescheid….aber als ich es ihr dann sagte, sagte sie, ich solle mir das Paket selbst holen und die Matrons haben überhaupt nicht geantwortet auf meine Bitte nach einem Essen. Wenn man krank ist, fragt man nicht dreimal nach, wenn man schon eine Absage bekommen hat. Wir vereinbarten, falls ich noch einmal krank werden sollte, dass ich am vierten Tag einen Arzt hier sehe und mir Essen/Medizin etc in meine Wohnung gebracht wird.

Jedenfalls war ich nach zehn Tagen wieder da und stürzte mich auf den Stapel an Aufgaben die für mich liegengeblieben waren. Ich schaffte, alles innerhalb drei Tagen aufzuholen, und konnte mich wieder auf die aktuellen Angelegenheiten konzentrieren. Es waren noch zwei Wochen bis zu den nächsten half term Ferien und neben meinen Assistantaufgaben die ich im letzten Bericht erläutert hatte kamen im department noch ein paar Verpflichtungen hinzu. Ich hing die Fotos von dem Freiburg Trip an die Wand und plante, wie ich den restlichen Platz später nutzen würde, wenn die deutsche Gruppe im Mai rüberkommen würde. Im department gibt es auch einen Monitor, der vorher nicht genutzt wurde. Jetzt wurde ich zum Monitorcaptain befördert und werde darauf Infos und Bilder hochladen, sobald mir jemand aus dem IT-department gezeigt hat wie es geht. Eines der vielen Vorteile eines Assistants ist, dass man recht flexibel in seinen Aufgaben ist, überall gerne gesehen ist, als Hilfe eingeteilt wird und ein unglaublich breites Spektrum an Aufgabengebieten hat. Und genau das finde ich sooo mega cool!! Es wird nie langweilig!

Weiterhin bereitete ich für meine 5th formers eine Vokabelliste für eine Bildbeschreibung für GCSE Deutsch vor. Dabei machte ich eine einfachere und eine anspruchsvollere Variante, je nach Level des Schülers. Für die verschiedenen Kapitel im Buch habe ich Bilder herausgesucht welche die Schüler dann mit den Vokabellisten beschreiben sollen. Zuvor habe ich jedoch für die 4th und 5th formers eine Übung für die Fragewörter gestaltet, das war eine gute Idee, da ungefähr sämtliche Wörter verwechselt wurden und es nicht gerade hilfreich ist, wenn sie „wie“ mit „warum“ in einem essay verwechseln. Zur gleichen Zeit gab es auch einen Klassenwechsel im department: die 1st formers wählen 1,2 oder 3 Fremdsprachen für ihr erstes Jahr am LWC. Diejenigen die im ersten Halbjahr Spanisch haben wechseln für das zweite Halbjahr zu Deutsch und andersrum. Jetzt habe ich eine neue süße Deutschklasse und ich hielt die gleiche Präsentation die ich ganz am Anfang des Jahres hielt, für die neuen. Gott, es schien so unglaublich lange her zu sein, dass ich diese Präsi zu Beginn hielt… Die Hälfte meiner Zeit hier ist ja schon fast vorüber, kaum zu glauben! Eigentlich möchte ich hier gar nicht mehr weg, ich fühle mich hier so sehr wohl und liebe meine Arbeit als Assistant hier!!! Die Head of MFL meinte schon: „Sorry Oliver, we cannot let you go.“ Aber ich muss: mein Rückflug ist für den 16.7. gebucht!

Die Head of MFLdepartment, hat es einfach unglaublich drauf und solch eine Chefin kann man sich eigentlich nur wünschen!! Ich arbeite sehr gerne für sie/mit ihr zusammen. Neulich beispielsweise habe ich mitbekommen, dass sie versuchte am PC einige Bilder in word zu bearbeiten was aber nicht klappte. Ich bot mich an und machte die Bilder größer, formatierte sie, ordnete sie auf einer Seite an, druckte, laminierte und schnitt sie aus. Sie meinte ich hätte ihre U6- Stunden des Tages gerettet da sie es nicht hinbekommen hätte und bekam dafür einen Französisch- Merit (eine super Auszeichnung für akademische Leistungen der Schüler) und einen Lutscher, hihi.

Einige Juniors haben auch schon einen Narren an mir gefressen, besonders gewisse sieben Juniors mit denen ich sehr gut klarkomme. Was mich gefreut hat, war, dass mich einige Juniors als den großen Bruder den sie sich zu Weihnachten wünschen bezeichnet haben, haha. Das fand ich zwar echt süß und sagte ihnen, dass ich da bin, wenn ich etwas für sie tun kann, aber aus arbeitstechnischen, vertraglichen und pädagogischen Gründen sie mich leider nicht als großen Bruder zum nächsten Geburtstag mit nach Hause nehmen können. ^^ Zwei kleine Gruppen bei den Jungs und Mädchen haben mich besonders ins Herz geschlossen und es fällt manchmal echt schwer die gewisse professionelle Distanz zu den Schülern zu haben wenn sie auf einmal mit äußerst persönlichen Fragen oder Anliegen zu mir kommen oder mich sofort umarmen wenn sie mich sehen. Bisher hat das noch nie Probleme gegeben, ganz im Gegenteil, aber ich muß immer ein Auge darauf haben.

Mit der neuen first form habe ich dann als erstes Projekt „Haustiere“ genommen. Glücklicherweise hatte ich dieses schon für meine ersten firstformers vorbereitet. Das ist ein toller Vorteil als Lehrer: einmal das ganze Material vorbereitet kann man es immer wieder verwenden – ich habe mir sagen lassen, einige Lehrer nehmen das selbe Material ihr ganzes Berufsleben lang :- )). Was ich jetzt auch viel öfters tue, besonders in meinen Stunden im cupboard, ist die Schüler zu loben und weniger zu korrigieren, außer sie sagen „Ik“ anstelle von Ich, dass kann ich einfach nicht aushalten. ^^ Aber auch auf der anderen Seite Anschisse zu verteilen, Drohungen wahr zu machen wenn die Schüler es auf gute Weise nicht raffen, um während der prep, Unterricht und Clubs die Kontrolle zu behalten. Und da ich als Assistent nicht den Status eines 100%-Lehrers habe, genieße ich es außerordentlich mit den Schülern und Lehrern herumzualbern und zusammenzuarbeiten.

Zu guter letzt muss ich sagen, dass das Klischee, dass England ein sehr regnerisches Land ist, kalt, grau, feucht und matschig ist, kein Vorurteil ist, sondern es einfach eine Tatsache ist. In den letzten Monaten haben in England schwere Stürme gewütet und der englische Norden, Summerset und Cornwall wurden heftigst überflutet. Meine Schule hat es für mehrere Wochen auch stark erwischt und für mehrere Tage war hier alles überflutet, allerdings nur draussen, lediglich das Math- department wurde leicht angeschlagen weil es in einer Vertiefung liegt. Die Straßen waren einfach „weg“, man sah nur noch fließendes Wasser…

Half term Ferien

In den half term Ferien vom 14.–23. Februar verbrachte ich sieben unglaubliche Tage in Cardiff. Wir reisten nach Caerphilly Castle (solch eine massive Burganlage hat man noch nicht gesehen), Swansea und Rhossili (solch einen Strand hat man noch nicht gesehen) und nahezu alles was es in Cardiff zu sehen gibt.

Hier noch ein paar Eindrücke meiner Reisen

Links: Im Beatlesmuseum bei der Zitatabteilung; rechts: York Minster
rossili-beach-wales
Der wunderschöne Rhossili Beach in Wales
cardiff-castle
Cardiff Castle
caerphilly-csatle

incredible Caerphilly Castle!!! Well, a part of it

Auch wenn ich über das Gesamtgeschehen nicht immer den Überblick habe, bestätige ich aber, dass sich hier wirklich alle abarbeiten und viel Mühe geben. Mit meinen Schülern und Kollegen komme ich weiterhin sehr gut aus. Insgesamt kann ich nur wieder sagen, dass das LWC eine tolle Schule ist! Mittlerweile kennen wir uns auch schon recht gut, deswegen klappt das Arbeiten und miteinander Spaßhaben ebenfalls sehr gut. Ich freue mich sehr, dass ich über das Jahr hinweg mit einigen der 80 Lehrer eine „Freundschaft“ aufbauen konnte, was ich auch jedem wärmstens empfehle. Auch nach neun Monaten hier bin ich immer noch der Ansicht, dass ich im besten MFL-department Englands gelandet bin. Dies liegt nicht nur an der Tatsache dass die Lehrer hier in ihren jeweiligen Fächern absolute Vollprofis sind, sondern auch weil sie mir große Freiheiten lassen, wie ich Übungen und Stunden gestalten kann. Natürlich muss ich das mit dem Buch vorher checken ob ich das richtige Niveau treffe aber den Dreh habe ich mittlerweile raus. In der Abarbeitung der vielen verschiedenen Aufgabengebiete habe ich auch fast vollständig freie Hand. Das einzige was manchmal immer noch etwas seltsam ist, ist die Kommunikation hier. Wie schon erwähnt, läuft hier sehr vieles über emails ab und ich kann manchmal immer noch nicht wirklich unterscheiden, was jetzt für mich wichtig zu wissen ist, was mich betrifft und was nicht. Dadurch entstehen ab und zu folgende Situationen: ich bekomme 50 E-Mails am Tag und lese oder „lese“ diejenigen durch von denen ich denke dass sie wichtig sind. Nicht alle davon sind aber relevant für mich. Man könnte hier eigentlich seinen ganzen Tag damit verbringen E-Mails zu lesen und zu beantworten. Manches lese ich dann eben nicht (oder bekomme es auch gar nicht mit) und auf Fragen meinerseits kommt dann manchmal die Antwort „Hast du denn die email von soundso nicht gelesen?“ Zugegeben komme ich mir dann manchmal etwas seltsam vor, weil ich wegen der schieren Fülle von Mails deren Inhalt nicht immer kenne. Auf der anderen Seite versuche ich natürlich so kommunikativ wie möglich zu sein und mich mit allen abzusprechen um mögliche Missverständnisse und Informationslücken zu vermeiden. Meistens verkehre ich dann auch via email weil man es dann einfach schriftlich hat und das klappt auch gut. Wie man sich denken kann schicke ich nicht wegen jeder Tätigkeit eine email los, wenn ich mal etwas für nicht so wichtig erachte, wurde aber schon gefragt warum ich keinen informiert habe. Ein komisches System, aber ich wüsste auch nicht wirklich wie man es besser machen könnte. Höchstens jede Mail an alle schicken :- )

Nichtsdestotrotz macht mir meine Arbeit hier immer noch sehr viel Spaß, ich lerne pädagogisch, englischtechnisch, technisch (ich kann jetzt auch die großen Bürokopierer verarzten und säubern) und für mich persönlich viele Lebensweisheiten und Erfahrungen hinzu. Mit der Quantität des Arbeitspensums hier komme ich bisher auch gut zurecht. Es ist zugegebenermaßen (auch für einen wie mich :- ) ) recht viel, aber damit komme ich klar. Hier habe ich deutlich die Bedeutung von „man wächst an seinen Aufgaben“ gespürt und mein Selbstbewusstsein und meine Selbstsicherheit haben deutlich zugenommen. Nicht nur im Sinne von Unterrichtsmaterialien ausarbeiten, meine MFL- Aufgaben erledigen und Aufsicht haben, sondern auch beim Unterrichten an sich und wenn ich mit Schülern alleine bin oder Junior House duty habe. Ich trete mittlerweile anders auf und ich bin auch wesentlich konsequenter geworden bzw. habe meinen persönlichen Umgangston mit den Schülern nun entdeckt und kenne meine Linie zwischen Anspruch an mich und an die Schüler, Witz und Spaß beim Lernen und in gemeinsamer Zeit haben und welche Äußerungen und Taten die Grenze des Angebrachten überschreiten, bei denen ich einen Anschiss verteilen muss. Die Lehrer (und Schüler) meinten, dass meine größte Stärke mein sehr gutes und positiv lockeres Verhältnis zu den Schülern sei. Ich weiß, dass ich teilweise nicht streng genug bin, womit ich aber klarkomme. Beispielsweise in den preps bei den Juniors: wenn Schüler wieder Unsinn machen, wie: eine Flotte aus Papierschiffen basteln, mit Pinseln fechten üben, lauthals wegen irgendetwas anfangen zu lachen, laut völlig sinnlose Fragen stellen, sich auf den Tisch legen um ein Buch zu lesen oder ein vorzeitiges Dinner auf der Tischtennisplatte im Raum eröffnen, dann muss ich meistens erstmal selbst über diese kreativen Aktionen lachen. Jeder anderer Lehrer hätte dafür eventuell einen ordentlichen Anschiss verteilt. Meistens sorge ich einfach nach solch einer Aktion, mehr oder minder einfach, für Ruhe und dann geht es im Normalzustand weiter. Es ist immer eine Wahnsinnsaufgabe (im wahrsten Sinne des Wortes) mit den Juniors zu arbeiten, aber ich finde es einfach klasse!!! Ich komme sehr gut mit ihnen aus und es macht mir viel Spaß.

Die Schüler sind fast nie das Problem, eher sind es teilweise die Eltern, die dicke Luft oder Unsicherheiten verursachen. Ich hatte einmal die sehr seltsame Situation, dass mich meine Chefin angesprochen hat ob es stimme, dass ich einen Schüler „sweetie“ genannt habe, ein Elternteil habe dies gesagt. Ich war doch recht verblüfft und zugleich ziemlich sauer, dass jemand dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat. Zwar komme ich sehr gut mit den Juniors aus, vielleicht zugegebenermaßen etwas zu gut, aber ich bin schon immer genug ausgebildet gewesen und mittlerweile erfahren genug, um zu wissen, was in Ordnung ist und was nicht. Ich würde einen Schüler weder in einer Email, noch verbal „Süßer“ nennen. Die Schüler kennen mich inzwischen und wissen wie ich ticke. Ich sagte ihr, dass ich mich nicht erinnern kann, das eventuell aus Versehen zu einem Schüler gesagt zu haben, bewusst schon gar nicht, und ich es nicht in Ordnung finde, dass Eltern das über mich sagen. Sie glaubte mir und konnte meinen Ärger auch nachvollziehen, sie hat auch fairerweise versucht mich zu schützen und wollte mir nur bescheid geben. Ich bat sie, die Eltern zu fragen, ob sie irgendwelche Beweise dafür hätten und wollte auch mit dem Sohn sprechen. Ich fand später heraus, welcher Schüler gemeint war und sprach mit ihm. Ironischerweise hatte auch er keine Ahnung warum sein Vater das gesagt hatte und es kam auch keine email an meine Chefin mit Beweisen zurück. Das war aber auch der einzige Vorfall den ich in diesen Monaten in Bezug auf meinen Umgang mit den Schülern hatte.

Zu meinen MFL Aufgaben ist einiges Neues hinzugekommen. Zusätzlich zu meinen bisherigen Aufgaben kam, den Toner bei den ganzen Druckern/Kopierern wechseln, auf dem großen Monitor im Flur powerpoints und Infos anzeigen lassen, langsam aber sicher die tausend Ordner in den Regalen ausmisten um Platz zu schaffen und den großen Tisch im Office sauber und frei zum Arbeiten zu halten. Meine Arbeit hier ist immer noch „well appreciated“ und die Head of MFL meinte schon, dass sie mich eigentlich fest einstellen müsste. Es wäre einfach der Hammer wenn ich noch ein Jahr länger bleiben könnte!! Ich könnte noch viel mehr involviert werden (auch in anderen departments, so wie ich jetzt schon im Geschi und Spanisch department mitarbeite) und mehr Aufgaben übernehmen, da ich fast die ganzen Systeme und Abläufe jetzt schon kenne. Ich würde es sofort tun! Aber….

Jetzt genieße ich die letzten 2,5 Monate hier als German Assistant und bereite alles für die letzte Zeit und schon für meinen Nachfolger vor, um ihm einen einfachen und guten Einstieg zu ermöglichen. Mit ihm bin ich schon fleißig in Kontakt, habe öfter mit ihm geskypt und ihm ein dickes „German Assistant Survival Book“ geschickt, an dem ich schon die ganze Zeit ziemlich von Anfang an gearbeitet/geschrieben habe, bestehend aus zwei Teilen, mehr folgen noch. Ich bin mir sicher, dass er ein weiterer guter Assistant und eine große Hilfe für das MFL sein wird. Ich werde versuchen ihn so gut ich kann vorzubereiten, damit er einen (noch) besseren Job als ich machen kann!

Aber zurück zu den Geschehnissen im März/April: mit Erfolg führte ich meine Clubs weiter und hatte auch im Unterricht ein gutes Gefühl. Speaking of my Clubs: einfach fantastisch ist mein German English History Club! Es macht mir, und den Schülern nebenbei auch, unglaublich viel Spaß. Dieser Club ist mein persönliches highlight der Woche. Er hat sich insbesondere dadurch einen guten Ruf verdient als dass wir eben Themen besprechen die nicht (unbedingt) im Lehrplan stehen müssen und wir viel durchnehmen was sich die Schüler wünschen. Der Ablauf ist meistens so: wir kommen hinein und dann gibt es eine Runde small talk über die vergangene Woche, LWC- Gossip und welche neuen Fortschritte meine „Patienten“ machen. Als ich eines Tages im Spaß von einem Schüler gefragt wurde, ob es deutsches Bier und Drogen in meinem Club gäbe, meinte ich, dass wir genau das Gegenteil machen, nämlich versuchen, davon wegzukommen. Seitdem bezeichnen wir uns im Club selbst als Selbsthilfegruppe (deswegen Patienten) und jeder hat seine kleinen Problemchen. Besonders lustig ist es dann immer wenn man Anspielungen auf einzelne Schüler machen kann, die ich reichlich liefern kann. Das ist auch eine tolle Erfahrung, dass es unter den Schülern als cool gilt, wenn der Lehrer Witze über einen macht, natürlich keine fiesen! Aber keine Sorge, ich kriege auch öfter mal mein Fett weg. =)

Das erste inhaltliche Thema ist dann zuerst Etymologie: hier hat sich ein völlig neues und unglaublich faszinierendes Feld für mich eröffnet, die Wissenschaft der Wörter in ihrer Geschichte und ihre Ursprünge. Meistens habe ich dann drei, vier Wörter die ich an die Tafel schreibe und die Schüler sollen dann herausfinden woher das jeweilige Wort kommt. Anschließend gibt es das eigentliche Thema, das war in der Vergangenheit zum Beispiel deutsche Städte, wichtige deutsch/englische Ereignisse der Geschichte, Persönlichkeiten, Sprachgeschichte, Gesellschafts-(kritische) Artikel, das Analysieren von historischen Prozessen und das Diskutieren mit den Schülern über ihre Fragen. Sehr interessant war einmal, als wir etwas zahlreicher waren, über die Parallelen des englischen Bürgerkrieges und des 30jährigen Krieges. Ein andermal habe ich dasselbe Zitat genommen und jeweils eine andere Person darunter geschrieben, die das angeblich gesagt hat. Jeder der fünf Schüler hat dann diesen kleinen Zettel bekommen und hatte 3 Minuten Zeit sich darüber Gedanken zu machen warum diese Person das wann gesagt haben könnte. Keiner der Schüler wusste, dass jeder dasselbe Zitat hatte und nur die vermeintlichen Autoren andere waren. Ich setzte sie an verschiedene Tische für die Ausarbeitung und während der jeweilige Schüler seine Gedanken und Ideen präsentierte wollte ich absolute Ruhe von den anderen haben. Es hat sich gelohnt, die Gesichter waren herrlich! Diese Kombination aus Erstaunen, Verwirrung und Freude sieht man selten. Ich denke diese Stunde gehört zu meinen Lieblingsstunden, weil jeder der Schüler ausnahmslos wirklich außerordentliche Ideen hatte und das Zitat für die jeweilige Person echt gut ausgearbeitet hat. Jeder hätte der Originale sein können.

Ein andermal verglichen wir bestimmte Jahre aus der Deutsch- Englischen Geschichte miteinander. Mal ganz davon abgesehen, dass „Deutschland“, oder Teilstaaten davon, in der Geschichte mit England sehr häufig verbündet waren (wie Hannover und Preußen), besonders wenn es darum ging den beliebten Volkssport zu betreiben der sich „Frankreich nerven“ nennt. Hier ein Beispiel: das Jahr 1066 und 1536 waren wichtige Jahre der englischen Geschichte. Da die Schüler hier natürlich wissen was dazumal, 1066, in England passierte, haben wir einen Blick auf die Ereignisse geworfen, die z.B. 1066 im Heiligen römischen Reich passiert sind. Zugegeben, die 60er Jahre des elften Jahrhunderts sind nicht sooo spannend, aber in den 70ern geht es dann richtig ab. Canossa 1077 und so. 😉 Andersherum kann man sagen, dass 1848 und 1989 wichtige Jahre der deutschen Geschichte sind, also erklärte ich, was in D so vor sich gegangen ist und dann schauten wir gemeinsam auf die Insel. Am Ende fassen wir nochmal alles zusammen und dann gibt es: keine Hausaufgaben! Jedoch sind die Schüler seltsamerweise sehr bereit, für den Club auch etwas vorzubereiten oder vorzuschlagen.

Die Vorbereitung für diesen Club mache ich immer sehr sorgfältig und mit Elan weil ich meistens selbst noch etwas hinzulerne. Was mich sehr gefreut hat, war, dass sehr viele Schüler aus unterschiedlichen Jahrgängen zu mir kamen und gefragt haben, ob sie kommen dürften. Generell sage ich jedem „ja klar, komm‘ vorbei“, jedoch scheitert dies oft an den zahllosen außerschulischen Aktivitäten die es hier gibt. Mein Club (immer dienstags, 15:45–16:25, meistens etwas länger, hihi) läuft zeitgleich mit 18 anderen Nachmittagsangeboten und macht es daher für viele Schüler nicht möglich zu mir zu kommen. Sport und Musik hat natürlich eine höhere Priorität. Von daher variiert meine Teilnehmeranzahl jede Woche von 2 bis 10, meistens sind es die 3,4,5 gleichen die kommen. Anfangs hatte ich mir eine größere Gruppe gewünscht aber mittlerweile begrüße ich die überschaubare Anzahl der Schüler. Da ich für die Juniors diesen Club, wenn auch nur für kurze Zeit, auch schon mal hatte, habe ich sogar vereinzelt von Eltern gesagt bekommen wie sehr ihre Kinder den Club mochten, ob sie nun Deutsch als Fach haben oder nicht. Da ich unter den Teilnehmern auch den Sohn meiner Chefin habe, bekomme ich auch über verschiedene Ecken mit, was die Schüler so erzählen und meine Head of MFL war hellauf begeistert, als sie erzählte, wie enthusiastisch ihr Sohn und seine Freunde vom Club reden. Ich denke ein größeres Lob kann ich nicht bekommen.

Weiterhin führte ich den German Football Club weiter. Da es am Anfang recht chaotisch war weil die Listen oft geändert wurden und ich sie immer als letzter bekam, habe ich nun Unterstützung in Gestalt von einem prefect und einem DofE- Schüler erhalten. Die MFL prefects wechseln sich jeweils wöchentlich ab und sind einen Freitag im Monat bei mir im Club. Der Sohn meiner Head of MFL, der eine ehrenamtliche Tätigkeit für DofE braucht, ist nun sozusagen der Assistant vom Assistant und hilft mir als ein zusätzliches Augen- und Händepaar, das man bei sportlichen AG’s immer gut gebrauchen kann. Er holt jetzt immer den Ball und die Trikots, sodass ich mich auf die Schüler und das eigentliche Geschehen konzentrieren kann. In den ersten Minuten gibt es ein paar deutsche Fußballvokabeln und dann lasse ich sie spielen. Die Regel, dass ein Tor nur dann zählt wenn danach ein lautes „TOOOR!!“ kommt, gilt immer noch, :- ) Auch wenn ich mit Fußball so nicht viel am Hut habe (außer Länderspiele angucken und dabei eine deutsche Fahne schwenken) macht es mir viel Spaß und es ist einfach mal was anderes.

Ebenfalls jede Woche anders ist mein immer noch von Lehrern und Schülern viel gelobter German of the Week. Leider klappt es nicht jede Woche da ich schon eine gewisse Zeit brauche, um die Seite zu erstellen, aber ich versuche mich ranzuhalten. In den beiden Wochen vor den Osterferien habe ich es allerdings nicht hinbekommen, ich hatte einfach zu viel anderes zu tun. Aaaaaber es kamen Prinz Albert, Friedrich Schiller, Goethe und Albrecht Dürer. Das History Department meinte, dass er keine besseren Zusammenfassungen über eine Person auf einer Seite finden könne. Mir macht es viel Spaß die Germans zu machen weil ich dabei selbst auch viel lerne und vor allem sehr viel mit Sprache umgehen muss. Da ich ja alles ins Englische übersetzen und auf eine Seite bringen muss, habe ich schon viele, schöne Ausdrücke und neue Wörter gelernt.

Auch viel gelernt habe ich in den gemeinsamen Stunden mit dem Musician in Residence, mit dem ich Deutsch- und Gitarrenstunden habe. Wir haben zwei aufeinanderfolgende Stunden in der Woche gefunden in denen wir uns treffen und ich mit ihm eine Stunde Deutsch mache und er mit mir Gitarre. Ich finde es einfach super, dass ich endlich wieder mit Gitarre spielen anfangen konnte, besonders, da ich mir jetzt meine Melodien und Songs selbst heraussuchen kann und meistens mit Akkorden und Tabs spiele. Für Barree- Griffe sind meine Finger einfach zu kurz. 😀 Während der letzten Male habe ich beispielsweise mit ihm das Passiv und den Imperativ geübt, während er mit mir bestimmte Melodien aus Filmen und Serien geübt hat. Unser erstes erfolgreiches Projekt war es, dass er auf dem Bass, eine Kollegin auf dem Cello und ich auf der akustischen Gitarre die Titelmelodie von Games of Thrones spielen konnten, das war klasse! Da ich Filmmusik über alles liebe, versuchen wir uns jetzt an Fluch der Karibik und Herr der Ringe.

Im März organisierte ich auch meinen Prüfungstermin für mein IELTS Examen, es wird am 19.06.14 in Reading stattfinden. Ich bereite mich mit M.F. darauf vor. Speaking und Listening finde ich eigentlich sehr einfach, beim Writing und Reading brauche allerdings meistens noch zu viel Zeit, daran arbeiten wir bis dahin. Mein Ziel ist Level 7 oder 8, was C1 bzw C2 entspricht als Proficient User. (Nachtrag: ich habe ein Level von 7,5 von max 9 erreicht, Ziel geschafft)

Mitte März half ich auch mal wieder im Music and Drama Department, oder kurz gesagt, im MAD (HAHA!) aus. Die Juniors hatten zusammen mit einer Englisch und Drama Lehrerin, die ich sehr bewundere, ein unglaubliches Krimi- Theaterstück auf die Beine gestellt und ich hatte zuvor angeboten zu helfen. Wie ich als der Dark Knight eben so bin, war mir kein Opfer zu schade, um der Lehrerin unter die Arme zu greifen, besonders da eine Theateraufführung mit den Juniors ein (logistischer) Alptraum für die Lehrer und das Junior House ist. 😀 Mein größter Einsatz als Angel Olli war es, der Hauptrolle meine Krawatte für die Generalprobe zu leihen, da diese Requisite kurz vor Beginn der Generalprobe kaputt gegangen war. Die Lehrerin gab mir dafür einen Drama-merit, haha. Kurze Anmerkung: merits – zu Deutsch, „Verdienste“, die die Schüler für besondere akademische Leistungen oder gutes Benehmen bekommen in Form von Aufklebern oder Eintragungen im System, im andern Fall gibt es demerits wenn man Unsinn gemacht hat. Ansonsten versuchte ich, ihr dabei zu helfen, die ganzen verwirrten Juniors auf ihre Plätze zu schicken und dafür zu sorgen, dass sie während der Proben ruhig geblieben sind.

Apropos merits: mit einigen Juniors hatte ich eine kleine Wette abgeschlossen, ob sie oder ich innerhalb von zwei Wochen mehr merits erhalten würden. Ich eben für meine Aufgabengebiete und sie für ihre Fächer und Hausaufgaben. Die Schüler und Lehrer fanden, das sei eine sehr coole Idee, da es hauptsächlich Juniors waren die ansonsten recht wenig merits erhielten. Als ich diese Idee den angesprochenen Lehrern (nachdem ich fragende Blicke auf meine Bitte hin, ob ich denn nicht auch merits bekommen könne für das Erledigen dieser oder jener Aufgabe, erhalten habe) mussten sie lachen und einer meinte, dass es nicht genügend Blätter gibt für so viele merits wie ich verdient hätte. Das fand ich natürlich überaus schmeichelnd und die Head gab mir auch gleich den ersten Französisch-merit fürs Kaffee holen. 😀 😀

In den zwei Wochen erhielt ich zahlreiche merits für die verschiedensten Aufgaben und dachte schon, die Wette gewinnen zu können. Ich bekam Deutsch- merits für die Beendigung der München-Vorbereitungen, das Eintippen von sehr vielen (übersetzten) Fragen und Antworten auf Quizzlet (online vocab Übungsprogramm) und das Ausarbeiten von Übungsmaterialien für die nächsten Wochen. Ich bekam merits für das Drucken, Laminieren und Zurechtschneiden von Übungskarten in Französisch für die Oberstufe, Besorgungen fürs Department und das Zusammenstellen von einer Vocab- Tabelle für Bildbeschreibungen, ähnliches in Spanisch. Nach den zwei Wochen stellte sich jedoch heraus, dass die drei Jungs und zwei Mädchen, mit denen ich die Wette abgeschlossen hatte, zu Höchstform aufgelaufen sind und in zwei Wochen pro Person etwa 20–35 merits bekommen hatten…. . 🙂 Da konnte ich nicht mithalten!

Schulische Themen im Deutschunterrichts

Komme ich nun zu den schulischen Themen, die ich mit meinen Deutschklassen durchgenommen habe:

Ich fange mit meinen Kleinen, der 1st form (5. Klasse) an. Für mehrere Wochen übten wir die Standardsätze und am Ende nahm ich die Gespräche, die die Schüler miteinander hatten, auf. Das hat echt gut geklappt und alle bekamen einen merit von mir.

Danach übte ich mit beiden 1st form Klassen noch einmal die Nummer und die Ordnungszahlen im Hinblick auf „Mein Geburtstag ist am…. .“ Oft wiederhole ich die vergangenen Themen im cupboard mit den Schülern, wenn im Klassenunterricht ein neues Thema angefangen wurde, was sich sehr oft als gute Idee herausstellt, damit auch die noch eine Chance haben, es zu verstehen, die es bisher nicht verstanden haben oder zur Festigung im Hirn. ^^

Mit meiner 2nd form bin ich voll krass und boah altaa shoppen gegangen: wir haben über Geld ausgeben, Preise und Einkaufen an sich geredet. Neben Klamotten kann man natürlich auch ganz viele Lebensmittel einkaufen und das waren die drei großen Themen im März. Im April gibt es meistens mit Hinblick auf die Endexamen eine große Wiederholung und das Thema Transport.

In der 3rd form wurde es etwas persönlicher mit Taschengeld, Haushalt, wie man sich mit Freunden, Eltern und Geschwistern versteht, das Aussehen und „weil- Konstruktionen“. Da wir im Deutschen aus irgendeinem Grund bei „weil“ das Verb an das Ende des Satzes verbannen (Verb scarer, ihr erinnert euch?) habe ich ein paar Sätze ausgedruckt und laminiert und damit übe ich nebenbei noch einmal die word order und eben wie man weil und das Verb im Satz verarbeitet.

Meine 4th ist eine echt super Klasse. Hier konzentrierten wir uns hauptsächlich auf das Speaking, damit sie für die Examen am Ende des Jahres und die GCSE Examen nächstes Jahr vorbereitet sind. Generell denke ich, dass die jetzige 4th form eine super Deutschklasse für GCSE abgeben wird, es sind einige sehr gute Leute darunter, die unter anderem auch in meinem Geschi Club sind. Im Rahmen der Prüfungen werden von AQA, dem „Kultusministerium“, Themen und Fragen vorgegeben, welche die Schüler beantworten müssen. Mögliche Themen dabei sind: School life and daily routine, home and local issues, holidays and travelling etc.

Mit meinen kleinen Großen, der 5th form, habe ich längere Zeit Bildbeschreibung geübt, da viele das sehr nervös gemacht hatte und sie dabei unsicher waren. Vielen fehlt das Vokabular dafür, weswegen ich dann eine Tabelle mit den Redewendungen machte und das klappte dann doch gleich viel besser. Komisch, das darauf vorher noch keiner gekommen ist. Auch wenn die manchmal ganz schön frech sein können mag ich meine 5th form sehr und sie mich auch. =)
Mit meiner einzigen Oberstufenschülerin in Deutsch habe ich generell das Imperfekt geübt, also die 15 häufigsten Verben die wir im Deutsch auch im Imperfekt benutzen, dann noch etwas filigranere Meinungsäußerung und besonders Redewendungen wie: alles in Butter, mit etwas nichts am Hut haben, 08/15 sein, nur Bahnhof verstehen etc. Diese Metaphern und Redewendungen waren auch einmal Thema in meinem History Club und die Schüler fanden es irre witzig weil es diese Ausdrücke ja im Englischen so nicht gibt.

Zusätzlich zu meinen ohnehin sechs Schülern für individuelle Stunden kam ein besonderer Schüler hinzu. Er hat LRS und bekommt leider nicht so richtig die Noten in Sprachen die er eigentlich verdient hätte, obwohl bzw. weil er in der Klasse am härtesten und fleißigsten arbeitet. Von daher denke ich hat er es erst recht verdient, Hilfe zu bekommen. Sein Problem ist, dass er beim Reden auf Deutsch immer ultra nervös wird und die einfachsten Wörter dann vergisst. Wir üben das jetzt jedes Mal und auch mit recording, damit er sich daran gewöhnt. Grammatikalisch und vom Vokabular her ist er echt gut, das freie Reden ist sein Problem, but we are getting there. 🙂

Am 28.03. hielt ich eine professionelle Unterrichtsstunde in der 1st form meiner Chefin, in der sie auch hinten saß und sich Notizen machte. Ich sollte die Schüler auf das große Mysterium der so genannten „Nomen“ der deutschen Sprache vorbereiten und was man dabei alles beachten muss. Neben einigen Beispielen am Anfang kamen dann auch zum Spaß die längsten Wörter, die wir im Deutschen haben und auch das längste englische Wort, was man in einem normalen Oxford Wörterbuch finden kann. Gespickt mit humorvollen Kommentaren von mir und echt guten Antworten der Juniors, die viel Spaß dabei hatten, die ewig langen Wörter auszusprechen war es insgesamt für mich eine super Stunde und meine Chefin fand das ebenfalls. Auch sie meinte, dass meine größte Stärke der richtige Umgang(ston) mit den Schülern sei und dass sie mich respektieren, obwohl ich nicht so streng bin wie die etablierten Lehrer.

Meine Reisen hielten sich einigermaßen in Grenzen, oftmals fuhr ich mit den Juniors oder dem sunday trip mit nach Basingstoke oder ins Kino, weil ich zum einen etwas Geld ansparen wollte für größere Reisen am Ende meines Jahres und andrerseits kaum Zeit hatte, zu planen und meine Assistant-Kollegen mit ins Boot zu holen. Einmal gingen wir Lasertag spielen und einmal auf das wunderschöne Vyne-Anwesen. Dies ist ein alter Landsitz einer altenglischen Adelsfamilie und nun öffentlich. Das Gelände hat eine riesige Grünfläche und ein altehrwürdiges Haus in der Mitte, in der die Royals früher gewohnt haben. Heute ist es Eigentum vom National Heritage und es ist recht interessant, es zu besuchen. Später spielten wir auf der großen Wiese davor eine Art Baseball und wie man sich denken kann, kickte einer der Jungs den Fußball, mit dem wir vorher gespielt hatten, geradewegs in den Fluss. Der Junge meinte, seine Eltern würden den Ball bezahlen….aber der Ball war JETZT weg…. Dreimal darf man raten, wer die Ehre hatte, um den Fluss zu laufen und mit einem großen Ast den Ball wieder aus dem Fluss zu fischen…. Richtig, das war ich. Jedenfalls war ich dann für die Lehrerin in charge der Held des Tages.

Austauschschüler aus Deutschland

Der Höhepunkt im März war der Gegenbesuch der deutschen Schüler aus Freiburg. Ich empfing sie am 24. März und machte mich allen bekannt, da meine Chefin mich beauftragt hatte die Schüler immer von A nach B zu führen, wenn sie mit ihren jeweiligen Aktivitäten fertig waren. Es war eine bili- Klasse und von daher konnten alle ein ganz passables Englisch und waren auch insgesamt ein sehr angenehmer Haufen, mit dem man gut weggehen und arbeiten konnte. Am ersten Tag spielten die deutschen Schüler zum ersten Mal Cricket. Ich hatte es vorher auch mal gespielt und es lief für alle ganz gut. Im Laufe der Woche fuhren die Deutschen mit den Lehrerinnen auch nach Basingstoke und London und ich begleitete den Trip nach Oxford zusammen mit dem Spanischlehrer. Er hat dort studiert und hat uns einige coole Einblicke geben können in die verschiedenen Colleges. Oxford ist einfach eine wunderschöne Stadt. Dort zu studieren wäre wirklich eine wahnsinnige Erfahrung! Allerdings kostet ein Semester dort 9,000 Pfund, hüstel. Aber soweit ich weiß, gibt es ein extra Stipendium….aber eigentlich will ich ja nicht in England studieren, weil das für Deutschland in meinem Beruf nicht ausreicht, aber…..vielleicht 1–2 Semester???!

Mit den Deutschen und ihren englischen Partnern veranstalteten wir auch eine Quiznight, wie man es hier in den Pubquizzes kennt. Ich habe bisher ein paar mitgemacht, meistens mit meinem Gitarrelehrer, und ich fand es echt interessant und lustig! Die Schüler wurden dann jeweils in Teams aufgeteilt und dann gab es aus verschiedenen Bereichen Fragen, die sie dann auf Deutsch oder Englisch beantworten mussten. Das war ein großer Spaß und ich kann es nur als Event empfehlen. Mit einigen Lehrern vom LWC und den deutschen Lehrern gab es dann auch ein gemeinsames Abendessen und am letzten Tag einen wundervollen Abschiedskuchen. Der Austausch war ein großer Erfolg und in zwei Jahren wird es wiederholt.

Einen Vorfall gab es allerdings: Als die deutschen Austauschschüler einmal in der Kantine mit den englischen Schülern auf das Essen warteten, zeigte einer der 3rd formers (14/15 Jähriger), der mit uns nichts zu tun hatte, den Hitlergruß. Ich bekam das mit, da ich nur ein paar Meter daneben stand. Einige andere englische Schüler, die das ebenfalls mitbekommen hatten (die Deutschen haben es zum Glück nicht mitbekommen) und ich meldeten das später dem stellvertretenden Schulleiter. Einen Tag später wurde ich sehr höflich vom Schulleiter für den kommenden Tag in den Konferenzraum eingeladen mit der Bitte, die deutsche Seite zu vertreten. Ich hatte mir vorher noch ein paar Notizen gemacht, was ich dem Schüler sagen wollte und hatte auch einen recht hohen Sprechanteil in der Konferenz. Vom Schulleiter geladen waren: der Schüler, sein Tutor, sein Hauslehrer, einer der deutschen Lehrer und ich. Da dies mein erstes Disziplinarverfahren auf Englisch war, war ich zugegebenermaßen etwas nervös am Anfang, aber dann lief es ohne Probleme oder sprachliche Fehler. In etwa sagte ich dem Schüler folgendes: dass er dadurch unsre jungen Gäste und deren Lehrer und mich auch sehr beleidigt hat. Er sei uns gegenüber sehr respektlos gewesen. Und er würde sich damit mit den Nazis identifizieren. In D sei dies eine Straftat, für die man ins Gefängnis kommen kann oder eine hohe Geldstrafe bezahlen muss.

Mein oberster Chef schrieb mir dann folgende Mail:

Dear Oliver

Thanks so much for your help this morning. I think it was a clear and good learning opportunity for …, and that is our business. Well done. I am delighted you are so enjoying your job here. You are certainly part of a fantastic department.

See you soon

Von dem Hauslehrer des Schülers bekam ich folgende Email:

I appreciate your help on this, Oliver. I am sure that was a conversation he will not forget.

Ich denke auch, dass der Schüler das nie mehr machen wird, er war ziemlich fertig nach dieser Konferenz. Ich muss jedoch anmerken, dass in meiner ganzen Zeit hier am College nicht eine einzige Geste gemacht oder Worte gefallen sind in diese Richtung in meiner Gegenwart oder in Bezug auf mich. Das kenne ich aus Erzählungen von anderen Assistants aber auch anders.

In der Woche vor den Osterferien hatte ich noch mal sehr anstrengende sieben Tage. Neben dem üblichen Unterrichten kam der alltägliche Schulwahnsinn verstärkt wieder zurück und vor allen Dingen: *bedrohlicher Trommelwirbel* :
the stationary order

Wat dat? Meinen Kollegen hatte es schon davor gegraut und meine Chefinnen hatten mir in groben Zügen erklärt worum es geht: Jeder Lehrer bekommt eine monströse Liste und muss die Anzahl an Heften, Stiften, Lochern, Radiergummis, farbigem Papier, Ordnern und so weiter, eintragen die er/sie jeweils haben will im nächsten Schuljahr. Diese Liste beinhaltet die ganze Ausrüstung pro Lehrer pro Schuljahr. Jeder Lehrer muss das machen – und dann war es plötzlich meine Aufgabe! Nett, hilfsbereit und völlig „naiv“ wie ich eben bin, habe ich zugestimmt, diese Aufgabe zu übernehmen, oh dear! Es musste die Anzahl aller!!!!! Objekte von allen!!!!!!! Lehrern zusammengezählt werden, ein Gesamtpreis ausgerechnet werden, dann den jeweiligen Preis für das Deutsch-, Französisch- und Spanisch-Department herausgerechnet und einen Gesamtpreis für das MFL department ausgerechnet werden. Vielleicht hätte ich spätesten nach Annahme der Aufgabe erwähnen sollen, dass ich froh bin, die Uhr lesen zu können und mit Zahlen nicht so richtig was anfangen kann… . Aber ich sah das Ganze als Herausforderung und hoffte gleichzeitig auf entsprechende Kenntnisse aus 15 Jahren Mathe-Unterricht (für die, die rechnen können: 13 Jahre, plus Vorklasse plus Auslandsjahr) und unzähligen Nachhilfestunden. Tatsächlich schaffte ich es, in letzter Minute alles fertig zu bekommen! Es hatte länger gedauert als erwartet, und nicht nur wegen meiner Mathekenntnisse, die nicht fürs tägliche Leben gedacht waren, sondern für Infinitesimalrechnung (Kurvendiskussionen, Grenzwerte im Unendlichen, Regeln für Polynomfunktionen), Stochastik (bedingte Wahrscheinlichkeit für Fortgeschrittene, stochastische Unabhängigkeit, Hypothesentest) und solche Sachen.

Meine Kollegen gaben mir dann ihre ausgefüllten Bögen und ich trug dann alles in zwei gemeinsame Listen ein. Was das ganze kompliziert machte, war die Tatsache, dass es einige dieser Artikel in bestimmten Verpackungseinheiten gab, in die ich die Einzelsummen umrechnen musste…..Wenn es sich jetzt schon etwas kompliziert anhört, dann wird es nun noch schwieriger: mein Ansprechpartner war die head of resources. Zu ihr konnte ich bei meinen zahlreichen Fragen gehen und sie gab mir die ganzen Preislisten und Endlisten. Das Problem dabei war, dass diese Endliste, in der die finalen Preise etc eingetragen werden sollten, eine völlig neue (und somit andersartige) war, als die Liste, welche die Lehrer bekommen hatten, wobei es da ja schon zwei unterschiedliche Listen mit verschiedener Anzahl von Packs, Einzelstücken und Preisen gab – herrlich! Ich hatte nun die Aufgabe das System zu verstehen und da war es auch nicht gerade hilfreich, dass die Lehrer und die Head of Resources auch das neue System noch nicht kannten. Kurz gesagt war es ein enormer Aufwand, vielleicht der anstrengendste Job, den ich bisher hatte, um diese damn Liste fertig zu bekommen.

Als ich es dann endlich gerade noch rechtzeitig fertig bekommen hatte, war auch ich völlig fertig. Dies war meine letzte Amtshandlung vor den Ferien. Ich schickte das Ergebnis meinen Kollegen und bekam folgende Antworten:

Hi, Oliver,

Thank you. You are a star.
Enjoy your last day too! Thank you, as always, for all your hard work.

Hi Oliver,
Well done and thank you so much for doing this. It is an enormous help. I had no idea it was going to be so complicated! You definitely deserve 3 weeks‘ rest!

Hiermit ging ich dann glücklich in die Osterferien und zwei Tage später saß ich im Flugzeug nach Frankfurt, um meine Familie und Freunde für eine Woche zu besuchen. Das war eine wirklich tolle Zeit! Ich konnte meinen 22. Geburtstag am 9. April mit meinen Kumpels und zwei Tage später mit meiner Familie feiern. Sinnigerweise traf ich meine Freunde zu meiner Feier in einem Irish Pub. An den letzten Tagen traf ich noch viele meiner Freunde einzeln, die leider an meiner Geburtstagsfeier nicht kommen konnten. Auch ging ich jeden Tag ins Krankenhaus, meine Oma besuchen, und am vorletzten Tag konnte ich sie tatsächlich im Rollstuhl im Krankenhausgarten spazieren fahren, worüber sie sich sehr gefreut hat. Mittlerweile ist sie zu Hause bei meiner Mutter. Wir hatten mein Zimmer etwas umgeräumt, damit das Pflegebett und anderes besser hineinpaßt. Am letzten Tag übernachtete ich bei meinem bff (best friend forever), der mit mir zusammen dann für fünf Tage nach England fliegen würde. Das waren fünf einfach soooo suuuper Tage! Es tat richtig gut mal jemanden mit mir in der Wohnung zu haben und alles zu zeigen. Er mochte meine Schule sehr und fand auch meine Wohnung richtig toll. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen, kochten in meiner Wohnung, brachten endlich mal den Müll runter :- ) Wir besuchten zusammen London, Salisbury (insbesondere die sehr hübsche Kathedrale in der wir die Magna Charta dann endlich sahen), Stonehenge, Warwick Castle und gingen in Basingstoke ins Kino. Am Freitag der zweiten Ferienwoche fuhren wir gemeinsam zum Flughafen: er flog zurück nach Frankfurt und ich flog nach Schottland! Ich hatte neun amaaaaazing Tage Schottland vor mir, davon vier in Edinburgh. Dort habe ich wirklich wahnsinnig schöne Sachen gesehen und gute Erfahrungen gemacht, alles sehr empfehlenswert, besonders für Geschinüsse wie mich. In Schottland verbrachte ich die vier wundervollen Tage in Edinburgh mit Besuch der Burg, Holyroodhouse Palace, die HMY Britannia, Tower Obscura, die Ghost Tours, das Dungeon u.v.a., dann war ich weiter nördlich in Stirling, Stonehaven, Aberdeen und schließlich verbrachte ich 2 Tage in den berühmten highlands in Inverness mit Besichtigung vom Loch Ness, Dunnottar und Urquhart Castle.

Leider hat jedoch die Abstimmung mit den Mails nicht so richtig geklappt – siehe weiter oben – , denn ich hatte irgendwie nicht mitbekommen, dass am letzten Freitag der Ferien ein Staff Meeting stattfinden sollte, hatte zwar mitgeteilt, dass ich ‚in der letzten Woche in Schottland bin‘, aber meine Chefin hatte mit mir beim Staff Meeting gerechnet….aber da saß ich noch im Flieger wieder zurück nach London. Ich hab mich dann entschuldigt und geschworen, dass es nie mehr vorkommt!

Nach den Ferien habe ich dann die Bilder vom Deutschaustausch aufgehängt, einen riesigen Stapel an Vokabelkärtchen gebastelt und pfundweise Ritter Sport aus Deutschland verteilt. Hauptsächlich kümmere ich mich jetzt um das vermehrte Aushelfen während der endlosen Examen. Mit einem lachenden und weinenden Auge habe ich dann auch so richtig realisiert, dass ich nur noch 2,5 Monate hier übrig habe. Diese gilt es jetzt zu genießen und den guten Eindruck der Deutschassistenten zu festigen. Ich freue mich riesig aufs Studium, würde jedoch auch wirklich gerne hierbleiben, aber das bringt mir auf Dauer gesehen nix.

Links: Hier die wunderschöne Salisbury Cathedral von innen; rechts: von außen
Links: Happy Olli vor Stonehenge; rechts: Warwick Castle
Links: Die Highlands in Schottland; rechts: Blick auf die Altstadt von Edinburgh von der Burg aus
Links: Edinburgh Castle!!!!! Ein riesen Bollwerk; rechts: Der Haupteingang der Burg bei Nacht
Links: Im Obscura Tower; rechts: Olli auf einem Boot im Loch Ness und im Hintergrund das sich nähernde Urquhart Castle.
oliver-vor-college
Und zu guter Letzt wieder zuhause 🙂